21-07-2025, 16:01 - Wörter:
Plötzlich war es, als hätten diese Worte gerade gar nicht existiert. Als hätte Muirín sich eingebildet, dass er sie eine Gossenhuren genannt hatte und ihren fehlenden Anstand damit erklärt hatte. Vermeintlich. Denn die Henaghen hatte Anstand, nur an diesem Abend fiel es ihr besonders schwer ihn unter all den verwirrenden Gefühlen zu finden. Ja, sie war nicht besonders nett zu den Gastgebern gewesen, die für das ganze Schlamassel überhaupt nicht verantwortlich waren, aber trotzdem hatten seine Worte verletzt. Mehr, als sie es sich wünschte. Denn was interessiert sie schon, was ein blinder Prinz zu sagen hatte? Eigentlich gar nichts! Er würde nicht einmal das Fürstentum von seinem Vater erben, war er doch so klug gewesen und hat sich einen anderen Erben schenken lassen, damit der blinde Prinz bloß keine Verantwortung tragen musste. So viele Gemeinheiten fielen der jungen Frau dazu ein, doch keine davon verließ ihre Lippen. Ja, sie war ein Biest und ganz schön verwöhnt, aber sie war grundsätzlich kein schlechter Mensch. Sie machte keine Dinge, um absichtlich andere zu verletzen. Sie versuchte nur, ihren eigenen Weg in all' diesem Chaos zu finden. Das hat sie auch in Ishcateslieve nur versucht, doch dieser Versuch wurde ihr als widerwärtig und abscheulich ausgelegt. Während die Männer sich in Freudenhäusern austoben durften, hatten Frauen ganz andere Rechte und Verpflichtungen. Ein Freudenhaus gehörte da definitiv nicht dazu...
"
"
Eine Burgführung wäre nett, vielen Dank
", erwiderte sie steif und schob sich ebenso das Essen in den Mund, wie es die Anderen am Tisch taten. Zwischendurch kam immer wieder betretenes Schweigen auf und die Rothaarige wäre am liebsten im Erdboden versunken. Maebh tat zwar Alles, damit sie sich wohl fühlte, doch auch ihre Muskeln wirkten angespannt. "Das heißt, es gibt kein gemeinsames Gemach?
", fragte sie verwirrt nach und erlaubte sich für einen kurzen Moment das Gefühl von purer Freude. Sie war davon ausgegangen, dass man sie wie selbstverständlich auch als Ehepaar behandelte, nachdem sie in zwei Tagen den Bund der Ehe schließen würden. Dass man ihr noch weiterhin ihren Freiraum als eigenständige Person lassen würde, davon hatte sie sich nicht einmal erlaubt zu träumen. Während sie immer wieder verstohlen zu Cathal blickte und versuchte herauszufinden, wie er so etwas banales - wie ein gemeinsames Abendessen - meisterte, ohne hundert Mal neben dem Fleisch auf dem Teller herumzustochern. Noch ohne auf eine Antwort abzuwarten, erhob sie nun von sich aus die Stimme. "Ich würde auch sehr gerne die Umgebung von der Burg kennen lernen. Ich bin immer mit vielen Felsen um mich herum aufgewachsen, aber die Klippen sind noch mal etwas ganz Anderes
", erklärte sie und fühlte sich dabei wie ein wildes Tier, dem man ein Halsband angelegt hatte. Sie spürte noch immer den Unwillen in sich, das Temperament, das auszubrechen versuchte, doch nach außen hin wirkte sie deutlich beruhigter und gesammelter. Dabei sah es in ihrem Inneren aus, wie es vermutlich vor den Klippen Kenmaras aussah: stürmisch, kalt und tödlich.
![[Bild: thxYbZu.png]](https://i.imgur.com/thxYbZu.png)
