02-11-2025, 08:30 - Wörter:
Only a Monster can deal with
Another Monster
Und dann war da der Schatten, der die Stadt in Dunkelheit hüllte. Die Augen, die wachsam von den Dächern auf die Straßen blickten und dafür sorgten, dass Türen geschlossen und Gespräche in den Häusern ausgetragen wurden. Eine Stimme, die sich über all dem Chaos erhob, getragen von vielen Stimmen, die doch keinem gehörten. Das Chaos selbst, gehalten von dem Untergrund, der nur einer Gruppierung gehörte. Eine, die genau dieses Chaos gebraucht hatten, um endlich aus den Schatten zu treten und der Welt zu zeigen, dass die Macht längst ihnen gehörte.
In der Stille des Abends, weitab von den lebendigen Marktplätzen und starken Gerüchen, thronten die zweistöckigen Villen der reichen Bevölkerung, der Berater und des niedrigen Adels, nicht weit ab des Palastes selbst. Es war das einzige Viertel, das Tag und Nacht bewacht wurde und in dem eine Form der Ordnung aufrechterhalten wurde, um den Schein von einer heilen Welt zu erhalten.
Eine dieser Villen hatte ihr Licht bereits gedimmt, weil die Kinder samt Frau bereits schliefen - nur im ersten Stock brannten Öllampen und reflektierten ihr Licht in den samt grünen, blickdichten Vorhängen. Keeran Neshat hatte es sich in seinem Bürostuhl bequem gemacht. Im Kontrast zum Rest des Hauses, das an der ein oder anderen Ecke allein zum Eindruck schinden in echtem Gold schimmerte, strahlte sein Arbeitszimmer, in dem er seinen Gast begrüßte, eine elegante Schlichtheit aus. Alles Gold fand sich in den fein gearbeiteten Mustern der Vorhänge, und alle Möbel waren einem Zweck vorbehalten - dem Unterschreiben von Papieren, Empfangen von Gästen und Besprechen von Geschäften. Es war die Art von Reichtum, die einen Teil seiner Vergangenheit preisgab; das Blut, den Schweiß und die Schwelen, die er an den Händen verzeichnet hatte, als er all das noch nicht sein Eigen hatte nennen dürfen. Die Schönheit lag in der Schlichtheit, denn jedes Möbelstück war vollkommen und kostete ein stilles Vermögen. Der Schreibtisch bestand aus dunklem Obsidian, importiert von den besten Glasmachern Castandors. Der Federhalter war aus Elfenbein. Die Weingläser so makellos, dass nicht einmal das Licht der Öllampen sich in ihnen brach. Der Wein selbst gereift so lange, wie Keeran in dieser Welt verweilte. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen besonderen Anlass mit seinem Freund mit etwas Besonderem zu feiern.

“Auf Samir, und auf die Zukunft, die er uns eröffnet.”
Seine Stimme war dünn wie immer, von Rauch getragen, hatte etwas Vergängliches, doch seine hellblauen Augen ruhten wachsam auf seinem Gegenüber, während er sein Glas an seine Lippen hob. Er beobachtete. Samir war so gut wie gewählt, nachdem einer der Berater, der gegen ihn gestimmt hatte, heute nicht zur Sitzung erschienen war. Sie hatten also allen Grund zum Feiern, oder nicht?
