| Amra Akhdir |
| Keeran Neshat |
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| Alter |
42 |
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| Wohnort |
Dharan al-Bahr |
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Verheiratet |
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Letha |
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02-11-2025, 08:30 - Wörter:
Dharan al-Bahr hatte den wunderbaren Status erreicht, in dem niemand der Zukunft mehr gewiss war. Dieses Vakuum, welches von Macht hinterlassen wurde, wenn sie von einer Person abgegeben wurde, spannte sich seit Tagen über die Stadt wie ein Netz und hielt ihren Atem gefangen. Als würden die Lichter in der Dunkelheit warten, die Luft stillstehen in der Erwartungshaltung, dass sich schon etwas bewegen würde - bewegen musste -, bis das Machtgefälle abrutschte in die Hände von Menschen, die das Land in eine bessere Zukunft führen würden. So war es schließlich immer gewesen: Es hatte immer eine Handvoll Menschen gegeben, die über das Leben von Tausenden verfügten. Denn was passierte, wenn ein Volk seinem Anführer beraubt wurde, sah man in den Straßen von Dharan al-Bahr. Hunderte von Gruppierungen, die sich in den dunkelsten Ecken bildeten, um einen Teil des Machtnetzes abzugreifen. Nachbarn, die begannen, Streitigkeit in Selbstjustiz auszuführen, weil die Stadtwache damit beschäftigt war, einen Mörder und die verschwundene Königsfamilie zu finden. Adelige, die ihr Schicksal beim Schopf packen und all die Macht an sich reißen wollten, sich aber die Zähne an den Beratern ausbissen und den Entscheidungsprozess langsam und zäh machten.
Und dann war da der Schatten, der die Stadt in Dunkelheit hüllte. Die Augen, die wachsam von den Dächern auf die Straßen blickten und dafür sorgten, dass Türen geschlossen und Gespräche in den Häusern ausgetragen wurden. Eine Stimme, die sich über all dem Chaos erhob, getragen von vielen Stimmen, die doch keinem gehörten. Das Chaos selbst, gehalten von dem Untergrund, der nur einer Gruppierung gehörte. Eine, die genau dieses Chaos gebraucht hatten, um endlich aus den Schatten zu treten und der Welt zu zeigen, dass die Macht längst ihnen gehörte.
In der Stille des Abends, weitab von den lebendigen Marktplätzen und starken Gerüchen, thronten die zweistöckigen Villen der reichen Bevölkerung, der Berater und des niedrigen Adels, nicht weit ab des Palastes selbst. Es war das einzige Viertel, das Tag und Nacht bewacht wurde und in dem eine Form der Ordnung aufrechterhalten wurde, um den Schein von einer heilen Welt zu erhalten.
Eine dieser Villen hatte ihr Licht bereits gedimmt, weil die Kinder samt Frau bereits schliefen - nur im ersten Stock brannten Öllampen und reflektierten ihr Licht in den samt grünen, blickdichten Vorhängen. Keeran Neshat hatte es sich in seinem Bürostuhl bequem gemacht. Im Kontrast zum Rest des Hauses, das an der ein oder anderen Ecke allein zum Eindruck schinden in echtem Gold schimmerte, strahlte sein Arbeitszimmer, in dem er seinen Gast begrüßte, eine elegante Schlichtheit aus. Alles Gold fand sich in den fein gearbeiteten Mustern der Vorhänge, und alle Möbel waren einem Zweck vorbehalten - dem Unterschreiben von Papieren, Empfangen von Gästen und Besprechen von Geschäften. Es war die Art von Reichtum, die einen Teil seiner Vergangenheit preisgab; das Blut, den Schweiß und die Schwelen, die er an den Händen verzeichnet hatte, als er all das noch nicht sein Eigen hatte nennen dürfen. Die Schönheit lag in der Schlichtheit, denn jedes Möbelstück war vollkommen und kostete ein stilles Vermögen. Der Schreibtisch bestand aus dunklem Obsidian, importiert von den besten Glasmachern Castandors. Der Federhalter war aus Elfenbein. Die Weingläser so makellos, dass nicht einmal das Licht der Öllampen sich in ihnen brach. Der Wein selbst gereift so lange, wie Keeran in dieser Welt verweilte. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen besonderen Anlass mit seinem Freund mit etwas Besonderem zu feiern.
 Keeran lebte in dem Chaos. Er war die Ruhe, während um ihn herum der Sturm tobte, die Spinne, die sich auf dem Netz der Macht bewegte, als wäre es sein Zuhause. Während Ilyas, sein alter Freund, stoisch die Ordnung wiederherstellen wollte, konnte er nicht umhin, sich noch eine Stunde herbei zu wünschen, in der er von seinem Arbeitszimmer mit einem Glas Wein in der Hand beobachten konnte, wie die Stadt sich unter dem Chaos bog und die Insassen wie Mäuse versuchten, einen Weg durch die Schlupflöcher zu finden. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er die kleinen anarchischen Gruppen machen lassen, nur um zu gucken, wie weit sie kamen, bis sie ins Netz der Amra Alzili rannten. Er würde den kleinen Prinzen laufen lassen, nur um ihn in zehn Jahren scheitern zu sehen, wenn er weiß vor Wut schäumte, blind vor Rachegelüsten, blind für sein Volk, das ihn nicht mehr als Thronfolger akzeptieren würde. Doch selbst mit dem, was er hatte, war Keeran zufrieden. Es reichte ihm - vorerst. Beflügelt von seinem neuerlichen Aufstieg in den Kreis der königlichen Berater dank seines Gegenübers hatte sich ein kleines Lächeln in sein Gesicht geschlichen. Erweicht durch den Wein waren seine Muskeln entspannt, sein Kopf trunken von dem Gefühl des Erfolgs, während er Tariq zuprostete, der den Sessel auf der anderen Seite seines Schreibtisches beansprucht hatte. “Auf Samir, und auf die Zukunft, die er uns eröffnet.” Seine Stimme war dünn wie immer, von Rauch getragen, hatte etwas Vergängliches, doch seine hellblauen Augen ruhten wachsam auf seinem Gegenüber, während er sein Glas an seine Lippen hob. Er beobachtete. Samir war so gut wie gewählt, nachdem einer der Berater, der gegen ihn gestimmt hatte, heute nicht zur Sitzung erschienen war. Sie hatten also allen Grund zum Feiern, oder nicht?
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| Tariq Al-Fawahir |
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12-11-2025, 13:54 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12-11-2025, 13:54 von Tariq Al-Fawahir.)
Tariq hatte Geld.
Er hatte es in Hülle und Fülle und eine Zeit lang war er sich sicher gewesen, damit sogar die Welt kaufen zu können.
Aber er war Realist. Und er wusste, dass andere mehr hatten als er. Genug, um ihren Reichtum auch ungeniert nach außen tragen zu können und sich einen Dreck darum zu scheren, was andere über sie dachten. Genug, um in Saus und Braus zu leben und sich keinen Deut um irgendetwas kümmern zu müssen.
In diese Kategorie fiel, wenn er sich hier aufmerksam umsah, offenbar auch sein Geschäftspartner. Denn von einer Freundschaft konnte man wohl kaum sprechen.
Freundschaft wäre es gewesen, hätte es keine Gefahr gegeben, dass der Andere ihm einen Dolch in den Rücken stieß, wenn eine Möglichkeit sich darbot. Aber in den Zeiten, in denen sie lebten, konnte das jederzeit der Fall sein. Und Tariq war nicht so dumm zu glauben, dass er unantastbar war.
In einer Welt wie dieser war alles und jeder ersetzbar.
Zumindest, wenn man nicht dafür sorgte, dass genau das nicht der Fall war.
Was Keeran anging, so schlief Tariq lieber mit zwei offenen Augen, die fest auf den Mann gerichtet waren, der ihm nun gegenüber saß. Gerade war alles friedlich, entspannt. Sie hatten etwas zu feiern und für diesen einen kleinen Moment schien die Welt vollkommen in Ordnung zu sein.
Der Wein, den man aufgetischt hatte, hätte er im Normalfall nicht angerührt, doch selbst ihm stand für den heutigen Abend der Sinn nach ein wenig feiern.
Die Finger also lässig um das Weinglas geschlungen lehnte er sich in dem bequemen Sessel zurück und neigte ein wenig den Kopf zur Seite, während er den Mitstreiter musterte.
Auch er war guter Dinge.
Sie mussten nur noch ein wenig warten. Nicht mehr lange und sie hätten die uneingeschränkte Gewalt über die Regierung und dann konnten sie all ihre Pläne in die Tat umsetzen.
In Tariqs Fall bedeutete das, weiter auszuharren und die Netze weiter zu spannen.
Immerhin witterte die Maus die Schlange in den seltensten Fällen schnell genug. Und in diesem Fall war die Maus ausgesprochen unbedarft, arglos und bis über beide Ohren in ihn verliebt.
Und da er in diesem unfassbar großartigen Beispiel die Schlange war, würde er seinen Griff erst lockern, wenn er sich sicher war, dass die Beute ihm nicht doch wieder entwischen konnte.
Er richtete sich ein wenig auf und beugte sich vor um mit Keeran anzustoßen.
„Auf Samir“, wiederholte er und hob das Glas ein wenig an. „Und auf das, was kommen wird.“
Ja.
Es würde so einiges auf sie zukommen.
Die Veränderung war schon jetzt spürbar. Sie hatten bereits ihre Fußabdrücke hinterlassen und kein Sand dieser Welt würde sie wieder verwischen können.
„Und darauf, dass wir Geschichte schreiben“, fügte er an. „Die nicht einfach durch Sand verwischt werden kann. Die Fußspuren, die wir in den letzten Tagen hinterlassen haben, sind tief und schwer und sie werden den Weg vorgeben für die, die nach uns kommen.“
Vielleicht würde er beschwerlich sein, sicher.
Aber sie würden sich schon einfinden. Würden auf ihren Spuren wandeln und sich nach ihnen richten.
Tariq wusste, dass sie den Lauf der Sonne nicht verändern konnten. Sicher. Aber er war sich auch des Umstandes bewusst, dass sie sehr wohl verändern konnten, wie es sich unter der Sonne lebte.
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06-12-2025, 07:57 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 28-12-2025, 08:50 von Aurelia Marsili.)
Das Flackern der Kerze schien lebendiger in Keerans Augen, als er der Ansprache seines Gegenübers zuhörte. Worte waren schon immer Tariqs Waffe gewesen, stets gegen jemanden gerichtet; den König, Hafiz, seine eigene Familie, gegen Dummheit, Samir. Er war ein wachsamer Zeitgenosse, der sich nie die Blöße gab, loszulassen - nicht wirklich. Auch wenn er in den Sessel zurück sank und von dem Wein irgendwann seine Zunge lockern lassen würde, waren seine Worte stets scharf und seine Augen wachsam. Keeran konnte nicht behaupten, dass er dem Jüngeren nicht zugetan war, weil sie viele Eigenschaften miteinander teilten.
Eigenschaften, ja, doch nicht ihre Motivationen.
Keeran trank auf Tariqs Worte als stumme Versiegelung, die wortlose Zustimmung, dass sie beide Teil von etwas Größerem waren, was Geschichte schreiben würde. Es dauerte seine Zeit, in der er sich den Wein zum Genuss nahm und die Worte ebenso auf der Zunge zergehen ließ. “Für die, die nach uns kommen” , wiederholte er mit mehr Gewicht in der Leere, die auf die Worte folgte. Wie fühlte es sich an, Geschichte zu schreiben? Großartig. Fußstapfen, die in Stein gemeißelt waren und zu tief reichten, um vom Sand verweht zu werden.
So lange, bis jemand sie mit Gold wieder zugoss - etwas, das niemand in ihrem kleinen Kreis wirklich zu begreifen schien. Geschichte schreiben die, die an der Macht waren, genauso leicht konnten ihre Fußstapfen auch wieder aus den Schriften verschwinden. Nicht, dass Keeran eine eigenartige Freude dabei verspürte, wenn er nur daran dachte, dass ihnen alles, wofür sie gekämpft hatten, wieder durch die Finger rinnen konnte.
Doch Keeran war nicht hier, um dem jungen Mann seine gute Laune zu nehmen. Er war auch nicht hier, um sich seine eigene Laune zu verderben, wenn er Tariq sein Siegesgefühl unter den Füßen wegzog, warum auch? Schließlich waren sie hier, um zu feiern, und zu einer Feier gehörten dick aufgetragene Ansprachen, in denen der eigene Sieg hoch gelobt wurde. Jetzt, wo sie hier zu zweit saßen, nichts zwischen ihnen außer ein wuchtiger, leerer Schreibtisch, war es Zeit, ein Stück der persönlichen Gedanken miteinander zu teilen, die die anderen wohl kaum verstehen und völlig falsch auffassen würden. Schließlich waren sie beide mit einem Geist geboren, der sich nicht mit der aktuellen Situation zufrieden gab. Stets nach mehr strebte.
“Jetzt, wo wir hier sitzen, würde ich gerne deine Meinung hören.” Keerans Augen ruhten auf Tariqs warmen Zügen, in gleichem Maße wachsam, wie er den Blick seines Gegenübers empfing, doch weich gezeichnet durch die Kerzen. Geschäftspartner aus jeder Sichtweise. “Sobald Samir auf dem Thron sitzt, werden wir für seine Geschäfte verantwortlich sein. Seine Stimme ist unsere. Das heißt, wir stehen vor neuen Herausforderungen. Ich bezweifle leider, dass unsere bürgerlichen Kollegen sich deren Komplexität bewusst sind, sie schwelgen noch in dem Hochgefühl, der Tyrannei endlich ein Ende gesetzt zu haben.” Seinen Annahmen nach könnten Hafiz und Safiyya ihren Sieg ausschweifend zu zweit feiern, im Bett zwischen Seide und Tüll. Rashids Kinderdiebe füllten die Löcher der Stadt mit Brot und gesponserten Wein, den sie für diesen Anlass beiseite gelegt hatten. Sie alle lebten in der Gegenwart, und sie hatten jedes Recht dazu.
Sie alle hatten keine Ahnung, was es bedeutete, Macht in den eigenen Händen zu halten. “Der Großkönig wird einen Tribut von Samir fordern und sein Antreten in seinem Palast erwarten.” Keerans beringte Hand, die das Weinglas auf dem Tisch abgestellt hatte, fuhr nun mit Zeige- und Mittelfinger über die Obsidian-Tischplatte. “Wie würdest du die Forderung gerne angehen?”
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20-12-2025, 01:15 - Wörter:
Wider Erwarten – ja, er war selbst überrascht! – wanderte keine der beiden dunklen Augenbrauen in die Höhe, als Keeran ihm eröffnete, dass er seine Meinung hören wollte.
Wenn sich Tariq nämlich einer Sache ganz sicher war, so war es die, dass der Neshat sich selbst ins Töpfchen spielte und seinen Gewinn ganz sicher nicht teilen würde. Sie mochten einander jetzt als zugetan und als Freunde sehen, aber ganz sicher würde sich das ändern, kaum das Keeran sein Ziel erreicht und sein Gift an allen Stellen verteilt hatte.
Im Grunde war das natürlich die Aufgabe der Schlange und wie sie beide wussten, war das im Grunde eben nicht Keeran. Aber auch einem Löwen durfte man im Zweifel nur soweit trauen, wie man einen Berg versetzen konnte.
Und Tariq konnte keine Berge versetzen.
Dennoch blieb er ruhig und neigte stattdessen zustimmend den Kopf, um dem Anderen zu signalisieren, dass er zuhörte. Die Stimmung hätte romantisch sein können. Naja… mit jemandem, der nicht Keeran war, natürlich.
Nicht einmal, weil der Neshat schlecht aussah! Ganz sicher nicht.
Aber der war sicher nicht an einem entsprechenden Rendezvous interessiert.
Fast wären seine Gedanken abgeschweift, hätten sich an dem Gefühl von Samirs Körper unter seinen Fingerspitzen festgesogen wie der zukünftige König sich in den letzten Nächten an seinen Lippen. Wie sie einander geliebt hatten, diese besondere Form der Nähe…
Körperlich erfolgte keine Reaktion auf den gedanklichen Exkurs. Mental hingegen schüttelte Tariq sich einmal, um die Erinnerungen loszuwerden, die das Blut zum brodeln brachten und schnell dafür sorgen würden, dass ihm nicht nur die Hose zu eng sondern auch der Raum zu warm werden würde.
Er rutschte ein wenig tiefer in den Stuhl und lenkte seinen Fokus zurück auf Keeran.
Dann schnaubte er leise.
„Wie sollen sie wissen, wie die Geschäfte funktionieren. Sie hatten nie Geld, um das sie sich kümmern mussten“, gab Tariq zurück und stellte den eigenen Wein auf dem Tisch ab.
„Schau, Keeran“, begann er ruhig, als müsse er ihm die Welt erklären, auch wenn es lange nicht so abgedroschen und überheblich klang. Dafür befand sich diese Unterhaltung auch zu sehr auf Augenhöhe und so lag sein Ton wohl eher im Bereich Sarkasmus.
„Sie glauben, sie lösen das Problem, in dem sie die Wirtschaft brechen und Ressourcen für jeden zugänglich machen. Aber sie haben immer noch nicht verstanden, dass die Welt sich diesem Prinzip nicht beugen wird. Am Ende machen sie vielleicht alles zugänglich, aber welche Ressourcen wird das Land dann noch haben? Wovon wollen sie leben, wenn sie es heruntergewirtschaftet haben, weil niemand ihrer Verschwendung Einhalt gebietet?“
Dass die niedrig geborenen nicht mit dieser Verantwortung umgehen konnten, dessen war Tariq sich sicher. Das konnten ja stellenweise nicht einmal die, die es können sollten. Vielleicht lag es aber auch einfach an der Spezies Mensch an sich?
Kurz folgte sein Blick den Fingern, die über die Tischplatte strichen und für den Moment sah man ihm an, dass er in den eigenen Gedanken versank. Nachdenklich fuhr er sich mit den Finger über die Unterlippe, während er über die Frage seines Freundes und quasi Waffenbruders nachdachte.
Dann beugte er sich vor.
„Ich werde Yasirah aus dem Kerker holen. Sie war nun lange genug in diesem Loch. Wenn wir so weitermachen, dann verschimmelt sie dort, aber einen Wert hat sie für uns nicht. Wir werden sie mit zur Audienz des Großkönigs anbieten und zollen sie als Tribut. Hier bringt sie uns nichts und dort kann sie uns auch nicht mehr schaden. Aber wir könnten uns unter Umständen so schon ein wenig Boden gut machen. Außerdem wäre es spannend“, fuhr er fort, „herauszufinden, ob der König an einer Verbindung zwischen den Ländern interessiert ist. Samir ist in einem heiratsfähigen Alter und ein schöner Mann. Er wäre eine gute Partie und noch dazu wäre die Verbindung auch wirtschaftlich wichtig. Für beide Seiten“, wie er fand.
Die dunklen Augen der Schlange hoben den Blick aus der unfokussierten Leere, in der er sich eben noch befunden hatte und richteten die Aufmerksamkeit fest auf den Neshat.
„Was sagst du dazu?“
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28-12-2025, 10:25 - Wörter:
Tariq trug seine Arroganz ausgesprochen gut, fand Keeran, so überzeugend wie jemand, der in seinen Stand geboren war. Besser noch als die, die über ihm standen, und warum? Weil er die Perspektive von unten kannte. Keeran musste nicht seine Geschichte kennen (auch wenn er sich natürlich schon längst über seinen Werdegang informiert hatte), um in seinen Augen den Willen eines Überlebenskünstlers zu sehen. Der Boden einer Gesellschaft lebte nicht nur auf den Straßen, wenn man jene Gesellschaft anders definierte. Was war mit denen, die einen Namen, aber kein Gold mehr hatten? Die im Adelskreis knapp toleriert wurden, aber niemand sich mit ihnen assoziieren wollte? Was wurde aus denen, dessen Väter einen Schandfleck im Stammbaum hinterließen, der sich nicht mehr so einfach auswaschen ließ?
Schau, Keeran. Der Mundwinkel des Älteren zuckte leicht auf die Worte, aber er sagte nichts. Gesprochen wurden Euphemismen, denn einige der Amra Alzili wussten durchaus, mit Geld umzugehen. Hafiz hatte eine Arena erbaut, in der wöchentlich große Summen von Gold gegen Kämpfer gewettet wurden. Safiyya führte unter ihrer Hand die Hurenhäuser und bewies ein talentiertes Händchen für Summen. Doch Tariq hatte Recht; die Transaktionen der Straße waren kein Vergleich zu der Wirtschaft eines ganzen Königreiches. Selbst Keeran, dem vermutlich irgendwann die Ideen ausgegangen wären, seinen Reichtum zu investieren, fühlte sich zugegeben etwas überwältigt von der Schatzkammer des Königshauses. So viel Reichtum, unter dem Ridvan gesessen hatte. So viel Potential, verschwendet unter der Paranoia eines alten Mannes.
Es war leicht, bei dem Anblick das gemeinsame Ziel aus den Augen zu verlieren - nicht nur für Niedriggeborene.
“Es besteht kein Zweifel, dass wir unsere einzigen Ressourcen gut investieren müssen” , stimmte der Händler zu, aber in seinem Ton lag auch ein wohlüberlegter Widerspruch. “Gold und Einfluss. Damit müssen wir die Wirtschaft wieder aufbauen. Versagen wir dabei, sind all unsere Mühen umsonst.” Das Eingeständnis von Keeran zu hören, einem der reichsten Männer des Landes, der überhaupt erst hier saß, weil er nie anders als aus eigenem Profit heraus gehandelt hatte, war eine Seltenheit. Aber auch er sah ein, dass ihr Land ein totes Land war, wenn sie nach der Flut nicht die Wirtschaft wieder ankurbelten. Seine Handelsflotte in Abu Kabir war stark dezimiert worden. Menschen waren zu schwach, um zu arbeiten, hatten keine Häuser mehr und kein Brot, von dem sie sich ernähren konnten. Vor allem fehlten ihnen die Männer, die man trotz all der Umstände aufs Festland gezwungen hatte, um einen fremden Krieg zu kämpfen.
Wenn sie die Männer nicht wieder zurückholten, würde es kein Land mehr geben, was heruntergewirtschaftet werden konnte, dem waren sich wenigstens alle einig. Oder?
Keeran hörte sich an, was sein Gesprächspartner zu sagen hatte, die zwei Finger, die über die Tischplatte gefahren waren, fast geistesabwesend gegen seine Lippen tippend. Yasirah war ihm egal. Die anderen hatten eine persönliche Vendetta gegen sie, er hingegen spürte weder Groll, noch Erleichterung bei der Entscheidung, die Tariq bereits getroffen zu haben schien. “Wo willst du sie unterbringen?” , war daher seine einzige Frage. Und wie willst du den anderen erklären, dass sie ein Bad verdient hat?
Stattdessen interessierte er sich für die Worte, die danach folgten. Ein langsames Nicken deutete an, wie er sich den Gedanken im Kopf zergehen ließ, auch wenn es töricht wäre zu behaupten, dass er nicht schon längst darüber nachgedacht hatte. “Interessanter Ansatz” , bestätigte er. “Prinzessin Desdemona ist in einem heiratsfähigen Alter und wurde im Sommer erst von den Greymarks abgelehnt, wie mir zu Ohren gekommen ist. Ich würde allerdings nicht darauf wetten, dass der Großkönig von dieser Verbindung angetan ist.” Keeran legte die Karten offen auf den Tisch, die ihn schon länger beschäftigten. Er schien tatsächlich Tariqs Meinung hören zu wollen. “Wäre ich Augusto und hätte meinen Sohn mit einer Prinzessin verheiratet, deren Familie vom eigenen Land gestürzt wurde, hätte ich Vertrauen in die Regierung, die dieses Land gestellt hat? Würde ich meine Pferde auf einen neuen König setzen, der genauso schnell wieder gestürzt werden kann?” , ließ er die Fragen offen stehen, hob aber eine Hand, um sie selbst noch zu beantworten. “Nur wenn ich mir sicher sein kann, dass ich mein Pferd nicht nutzlos verwettet habe. Wenn die Regierung stabil ist. Und wenn etwas für mich dabei herausspringt, wie etwa… wirtschaftliche Abhängigkeit.” Keerans Augen fingen das Feuer der Kerzen, denn er sprach einen - für ihn - kritischen Punkt an. Samirs Hand wäre nur die Versiegelung eines Paktes, dem sie sich zu verschreiben hatten. Sie brauchten ihre Männer, die Augusto nicht hergeben würde. Stattdessen würde er ihnen Güter anbieten, die für ihn entbehrlich waren. Früchte, Obsidian, Textilien. Er würde die Handelsrouten aufbauen wollen, um seinem Nachbarland zu “helfen” - und um dafür zu sorgen, dass sie niemals auf eigenen Beinen würden stehen können.
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| Sommerland |
| Tariq Al-Fawahir |
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24-01-2026, 12:48 - Wörter:
Er grübelte einen Moment lang. Und seufzte. «Mhm... damit machst du einen Punkt», stellte er fest und ging damit eher auf die Mimik des Freundes ein, die ihm keineswegs entgangen war. «Vielleicht bin ich zu harsch was die Investition in unser eigenes Land angeht. Wir sollen als vielleicht eine andere Strategie fahren. Wer gewinnen will, muss investieren.»
Das war ein uraltes Gesetz. Die Maxime erreichte man nicht, indem man sich der Wahrheit versperrte. Oder glaubte, das man immer richtig lag. «Die Frage ist nur, in was wir investieren? Es wurde viel Reichtum angehäuft, aber es ist schwer in ein Land zu investieren, dass kurz vor dem Nichts steht. Wir haben eine Wirtschaft, sicher. Aber die ist fragil und kann jederzeit zerbrechen. Wir müssen», stellte Tariq fest, «jetzt in die Menschen investieren. Damit sie uns vertrauen. Damit sie Samir vertrauen. Sein erster Akt muss ein Akt der Gnade sein. Sie sollen sich gesehen und gehört fühlen, bevor wir uns den nächsten Aufstand heranzüchten.»
Das war wichtig. Wenn sie darauf nicht achteten, dann hatten sie sehr schnell einen Bürgerkrieg und Samir war, wenn man Tariq fragte, wirklich kein Kriegskönig. Er war weich und zart wie eine Blume. Ihr Verhältnis zueinander beruhte auf Romantik und ... Liebe. Er gab all dies bereitwillig in dem Wissen, dass Samir nicht verstand, dass er eine Figur in einem Spiel war, dass er selbst nicht dominieren konnte. Tariq hatte erfolgreich dafür gesorgt, dass Samirs gesamter Fokus sich um ihn drehte. Er bat ihn um Entscheidungshilfe. Er richtete seine Gedanken und Sorgen an ihn. Alles, wirklich alle landete ungefiltert und nackt direkt unter Tariqs fachkundigen Händen. Ja, sogar dann und wann das Gemächt des neuen Königs. Und wie in allem war Tariq auch darin unfassbar überzeugend.
«Die Frage, die bleibt ist nur», er legte den Kopf nachdenklich auf die Seite. «In was investieren wir? Ich würde sagen in jedem Fall in die Landwirtschaft. Und ins Handwerk. Ich denke, dass es Sinn machen wird, dort anzupacken und mit finanziellen Mitteln Möglichkeiten zu schaffen, wo es gebraucht wird. Wenn wir mehr Angebote schaffen, die erschwinglich sind und die Menschen ein wenig Wohlstand erhalten, dann werden wir am Ende das beste Geschäft machen. Es ist natürlich im ersten Schritt ein Minusgeschäft, sicherlich. Doch am Ende werden sie bereitwillig geben, was sie haben und der Kreislauf wird den Rest stabilisieren.»
Er war sich sicher, dass das eine Möglichkeit war. Wenn die Menschen nur glaubten, dass sie Wohlstand hatten. Sie konnten sich dann der trügerischen Hoffnung hingeben, dass alles besser wurde. Als wäre einem jemals irgendwas geschenkt worden.
Das Thema wandte sich Yasirah zu und nun stahl sich ein Lächeln auf seine Züge. «Bei mir», gab er kurzerhand zurück. «Ich hatte zunächst überlegt, ob wir Yasirah einfach aufs Festland verkaufen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort irgendwer will ist doch verschwindend gering. Allein bleiben kann sie nicht und sie zu töten wäre verschwendet.»
Und im Zweifel... würde einfach er sie heiraten. Eine reine Zweckehe, um Yasirah weiter instrumentalisieren zu können. Er hatte dazu durchaus eigene Gedanken. «Ich habe mit der Idee gespielt», fuhr er also fort, «sie selbst zu heiraten. Ich glaube, dass Yasirah noch auf die ein oder andere Art von Nutzen sein könnte und eine Zweckehe könnte sinnvoll sein. Überleg doch mal, was für ein Zeichen es setzen würde. Die Menschen hätten die Gewissheit, dass die Dinge in die Hand genommen werden. Das nichts einfach so dem Zufall überlassen wird. Man könnte Yasirah zusätzlich benutzen, um Sicherheiten zu schaffen, indem man sie entsprechend lenkt.»
Er war sich selbst nicht sicher, ob es in seinem Kopf wirklich Sinn machte, oder ob einfach nur die Idee gut klang. Er rechnete zudem von Samirs Seite durchaus mit Gegenwehr. Aber auch der würde verstehen müssen, dass manche Dinge eben notwendig waren. Zudem plante Tariq auch für ihn eine Hochzeit. Weil es sich so gehörte. Wenn man soweit an der Spitze stand, musste man Opfer bringen.
Schweigend lauschte er den Worten des Freundes. Und ein tiefer Atemzug hob seinen Brustkorb.
«Deshalb sollten wir zuvor dafür sorgen, dass wir hier offen agieren. Diese Informationen müssen Augusto so erreichen, dass wir im passenden Zeitpunkt aufschlagen und dort unsere Anliegen anbringen. Zudem sieht Samir gut aus», fügte er schmunzelnd an. «Ich habe ein wenig die Hoffnung, dass schon dieser Umstand und die Tatsache, dass er ein sehr sympathischer Mensch ist dafür sorgen, dass wir einen guten Stand haben. Aber darauf allein kann man sich natürlich nicht verlassen.»
Er legte den Kopf zurück gegen die Lehne seines Stuhls. «Wie würdest du es machen?», wollte er wissen. «Wie sieht dein Plan aus?»
Vielleicht war es ja sinnvoll, sich das anzuhören und dann einfach mitzuziehen und auf eine passende Gelegenheit zu warten. Tariq war geduldig. Und Gelegenheiten schufen sich zumeist von selbst.
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07-02-2026, 14:15 - Wörter:
Es war nicht so, dass Keeran glaubte, sein Gegenüber würde falsch liegen. Zu behaupten, der Mond hätte Ecken oder sein Haar sei blond, das wäre falsch. Wenn es im politischen Kontext hingegen nur eine richtige Antwort gab, wo man welche Ressourcen hin investierte oder sie doch lieber sparte, dann hätten Regierungen nicht so viele Schwierigkeiten, den Wachstum des Landes mit der Zufriedenheit der Bevölkerung abzugleichen. Menschen mit anderen Hintergründen waren anderer Meinung; daraus entstanden Diskussionen, Abstimmungen, das war das Zahnrad hinter den Amra Alzili, welches sie überhaupt am laufen hielt. Dass Keeran sich vor allem an dem Chaos labte, das zeitweise aus den Diskussionen so völlig unterschiedlicher Menschen wuchs, und warum er das tat, das verstanden vermutlich nur die wenigsten.
Vielleicht sein Gegenüber, der nun ein leichtes Lächeln von dem Händler erntete, ehrlich und im Kerzenschein dunkel durch seine Augen flackernd. Aber welches Lächeln von Keeran war schon nicht ehrlich? Er hatte seine Maske so perfektioniert, dass sich nicht herauslesen ließ, ob das Lächeln an einer scharfen Kante geschliffen war. “Damit sprichst du uns aus der Seele, Freund.” Uns, weil er dazu gehörte. Weil er gerne ein Gefühl der Verbundenheit zwischen ihnen schuf, wenn sie am gleichen Strang zogen - aus welcher Motivation auch immer. “Die Frage ist, welcher Akt ist genug Gnade und im Bereich des Möglichen, dass wir alle Seiten zufrieden stellen?”
Keeran nippte an dem Wein und ließ die Frage offen stehen, auch wenn er gedachte, sie später noch zu beantworten. Die herbe Flüssigkeit wärmte seine Brust von innen, war aber auch nur ein künstlicher Glücklichmacher, wenn es doch eigentlich die Präsenz von Tariq war, die ihm wahre Freude bescherte. Mit einem guten, visionären Gespräch hinter geschlossenen Türen konnte nicht einmal der Höhepunkt mit seiner Frau heranreichen.
Für den Händler mehr Fachgebiet als alles andere, Überlegungen, die ihn seit Jahren begleiteten und mittlerweile das Erste waren, woran er dachte, wenn er aufwachte, und das Letzte, wenn er zu Bett ging, nickte er Tariqs Worte über ihre Investitionen ab und ließ seinen Daumen nachdenklich über seine Unterlippe wandern, die noch eine letzte Spur der tiefroten Flüssigkeit benetzte. “Minusgeschäfte sind verkraftbar, wenn sie kurzfristig sind. Aber das Entscheidende ist doch” , meldete er sich fast etwas zu schnell zu Wort, dieses Mal keine Pause absichtlich nutzend. Seine Augen ruhten wieder auf denen von Tariq. “Es gibt keine Wirtschaft ohne arbeitende Männer. Wir können Arbeiter nicht mit Frauenhänden ersetzen, die obendrein ihre Kinder hüten müssen. Wir können sie auch nicht mit Kindern ersetzen, die nur die Hälfte an Erlös bringen und uns, wenn wir Pech haben, zu schnell durch Verletzungen unserer Gesellschaft auf dem Nacken liegen.” Dass er von Menschen sprach, als wären sie Güter, war für ihn nicht wirklich außergewöhnlich. Er dachte in Zahlen. Nicht in Zwischenmenschlichkeit. “Ridvan hat unserem Land mit dem Erlass, unsere Männer in den Krieg zwangs zu verpflichten, mehr Schaden angerichtet als mit allen Vorgangsreformen zusammen. Wenn du mich fragst, müssen wir dort anfangen. Ohne Arbeiter kein Kreis, den man stabilisieren kann, und keine Pyramide, auf der man aufbauen kann.”
Seine Stimme hatte etwas an Klarheit gewonnen, als hätte er den Rauch bereitwillig eingedämmt, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Nun entkam ihm der Rauch und verweilte im Raum zwischen ihnen, während er sich zurücklehnte und den Adelssohn beobachtete.
Das, nun das war ein Thema, das ihn mit einem seltsamen Interesse füllte, einer Neugierde fast, hatte er Yasirah bisher doch stets als Kollateralschaden abgetan. Wenn Keeran ehrlich mit sich selbst war, betrachtete er die Königin nicht wirklich als Mensch, als wie eine Figur, die es schlau zu bewegen galt. Noch hielten sie die Kontrolle über die Informationen, die aus dem Palast heraus gelangten, doch sie würden nicht ewig jedem vorgaukeln können, dass sich die Königin aus Trauer in ihre Gemächer zurückgezogen hatte. Eigentlich erschloss sich ihm nicht, warum sie am Leben gehalten wurde. Safiyya und Hafiz hatten einen persönlichen Groll gegen sie, er selbst sah mehr ihr Risiko als Potential. Die Chance, ihren Tod mit einem Selbstmord zu erklären, lag auf der Hand. Warum meldete er sich dann nicht zu Wort?
Weil er es genoss, zu sehen, wie zwei gegensätzliche Seiten gegeneinander rieben und sich in die Weißglut treiben. Weil er die Idee des einen gerne zu Ende ausgedacht sah, ehe man sie frühzeitig abwürgte. Mit welchen Konsequenzen auch immer, Keeran konnte nicht umhin, Tariqs Vorstellung in seinem Kopf ein wenig weiter zu spinnen. “Interessanter Ansatz” , gab er offen zu, sein Blick auf Tariq ruhend. “Und was macht das aus dir?”
“Überleg mal. Samir frisst dir aus der Hand. Jeder Blinde sieht, dass er dir an den Lippen hängt wie ein Hund. Wenn du Yasirah zur Frau nimmst, was löst es dann bei ihm aus? Er, der den Platz ihres Mannes einnehmen wird und jetzt jede Loyalität braucht, die er bekommen kann - vor allem von dir.” Keeran schaute auf den Wein hinab, der vollkommen ruhig in dem Glas schwamm. Keine Wellen in der Oberfläche, nichts, das den Stillstand in irgendeiner Weise störte. “ Ich gebe zu, Yasirah am Leben zu behalten, würde uns das Wohlwollen deiner Familie in Abu Kabir garantieren. Es ist besser, sie in der Tasche zu wissen, wenn es so viele andere Stellen gibt, an denen wir arbeiten müssen. Vorerst.” Dass er die Familie nicht für voll nahm, musste nicht ausgesprochen werden; es war ein offenes Geheimnis, dass er sie in der Tasche hatte und seit Jahren viele Gesetze umging, während er der Fürstenfamilie großzügige… Spenden zukommen ließ. Nichts destotrotz würde er seine finanziellen Mittel gerne in sinnvollere Dinge stecken, und wenn das nun bedeutete, den freundlichen Schein mit Yasirah aufrecht zu erhalten. “Macht es denn so viel Sinn, wenn sie von sich aus sofort neu heiraten würde? Es würde sie wie eine Verräterin darstellen, die den Schein einer guten Ehe nur aufrecht gehalten hat, um an der Macht zu bleiben. Wenn…” , ließ er seinen Satz erst ausklingen, als würde er einen Gedanken zu fassen versuchen. Keeran starrte in die Flamme der Kerze, mit einer fokussierten Leere im Blick, ohne es wirklich wahrzunehmen. “...wir hingegen warten, bis die Bevölkerung sie nicht mehr als Grund allen Übels sieht, und wenn wir ihr eine kleine nette Geste in Aussicht stellen, vielleicht ist sie dann formbarer. Williger, bei dem kleinen Schauspiel mitzumachen.” Wieder fasste er Tariq ins Auge. “Ob ihr Lieblingsberater Nein sagen würde, wenn man ihm eine Ehe mit seiner Angebeteten in Aussicht stellt? WIr könnten sie beide im Palast behalten, unter deinen Augen und deiner Kontrolle.” Kontrolle und Macht, die Tariq so offensichtlich verlangte; bewusst oder nicht.
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