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		<title><![CDATA[Facing the Storm - September 1016]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 12:06:36 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Where the light fades]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=759</link>
			<pubDate>Sun, 22 Jun 2025 11:19:26 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=153">Veith Alvarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=759</guid>
			<description><![CDATA[Veith zog den dicken Umhang enger um die Schultern, während er sich mit gleichmäßigem Schritt durch das Marktgewimmel von Wintergard bewegte. Der Schnee hatte längst wieder neue Spuren in der festgetretenen Erde hinterlassen, die Händler waren mit dem Einbruch der Dämmerung dabei, ihre Stände abzubauen. Der Duft von Rauch, Tierhäuten und Eisen hing schwer in der Luft. Neben ihm tapste Valda, Sannas zweijährige Tochter, an seiner Hand entlang, während er Helvis Pony hinter sich führte, das Sannas Schlitten mit den übriggebliebenen Fellen ziehen sollte. <br />
Trotz der klirrenden Kälte, die ihm in die Wangen biss, war Veith warm ums Herz, sobald seine Gedanken zu Sanna wanderten und genau dieser Umstand missfiel ihm zutiefst. Er war töricht genug gewesen zu glauben, das Feuer, das die gestrige Nacht in ihm entfacht hatte, würde durch ein wenig Holzhacken am Hof erlöschen. Doch es hatte nicht geglimmt, es hatte gebrannt. Selbst beim Fischen am eisverkrusteten Fluss, selbst während er auf der Burg schweigend die Waffen kontrollierte, war ihr Bild immer wieder in seinem Kopf aufgetaucht. Die Art, wie sie gelächelt hatte, ein wenig zögerlich, ein wenig erstaunt, als sich ihre Lippen in Helvis Küche berührt hatten. Nun war er wieder unterwegs zu ihr. Wieder mit der Hoffnung, einen Blick, ein Wort, vielleicht ein Echo dieses Augenblicks zu erhaschen, obwohl er sich zur Vernunft zwingen wollte. Seine Miene blieb wie aus Stein gemeißelt, kühl und unbeteiligt, doch unter der Oberfläche tobte etwas, das er längst nicht mehr unter Kontrolle hatte. <br />
<br />
Dann entdeckte er sie, die blonde Jägerin zwischen den verbliebenen Marktständen, das Licht des späten Nachmittags verfing sich in einzelnen Strähnen ihres Haars. Veiths Blick glitt zum Schlitten, der unweit von Sanna stand - halb beladen, mit wenig Fellen, die noch auf Abnehmer warteten. Sie hatte offenbar gut verkauft an diesem Tag, trotz der klirrenden Kälte und der müden Gesichter der Marktbesucher. Etwas in ihm lockerte sich für einen Moment, ein Hauch von Stolz vielleicht oder war es doch etwas anderes? Sie war zäh, das wusste er. Zäher als viele Männer, die er kannte. Gerne hätte er ihr am heutigen Tag geholfen, nicht nur jetzt beim Heimbringen der Ladung, sondern auch davor, beim Tragen, beim Ausbreite der Ware, beim Stillstehen in dieser Kälte. <br />
Aber sie war stolz und er war verunsichert.<br />
<br />
Veith straffte die Schultern, zwang die gewohnte Ruhe zurück in seine Züge. Was, wenn sie es bereute? Was, wenn es für sie ein Moment gewesen war, der nie hätte geschehen dürfen? Er wollte sein Gesicht wahren, nicht zu viel preisgeben und somit trat er zunächst stumm wie immer auf die junge Frau zu, während Valda zur Begrüßung in die Arme ihrer Mutter sprang. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„War der Markt gut heute?“</span> fragte er, als Sanna sich schließlich von ihrer Tochter löste. Seine Stimme war ruhig, seine Miene undurchdringlich wie immer, doch unter dem gleichmütigen Blick arbeitete es in ihm. Das flüchtige, viel zu kurze Aufeinandertreffen in Helvis Küche, ihre Lippen auf seinen, die Küsse, die ihm mehr genommen als gegeben hatten und dann war Helvi reingeplatzt. Am Morgen hatte seine Schwester ihm ohne Umschweife die Leviten gelesen. Dass es dumm von ihm gewesen sei, Sanna zu verführen. Dass sein Handeln nicht nur ihn etwas anging, sondern Konsequenzen haben konnte. Ihre Worte waren hart gefallen, scharf wie ein frisch geschliffenes Messer. Veith hatte versucht, ruhig zu bleiben, hatte ihr entgegnet, dass er zu seinen Entscheidungen stand. Dass er Sanna nicht in Schwierigkeiten bringen würde – niemals. Aber für Helvi zählten solche Beteuerungen nichts. Für sie war die Sache klar. Sanna war tabu. Sollte er es dennoch wagen weiterzumachen, würde er sich die Finger verbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür, so hatte sie gesagt, würde sie höchstpersönlich Sorge tragen.<br />
Jetzt stand er vor Sanna, mit jener kühlen Entschlossenheit im Gesicht, die er sich aufgesetzt hatte, als hätte nichts von der Nacht zuvor stattgefunden. Doch unter der Rüstung aus Selbstbeherrschung arbeitete ein Herz, das ihn in der Brust plötzlich schneller schlug, als ihre Blicke sich trafen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Veith zog den dicken Umhang enger um die Schultern, während er sich mit gleichmäßigem Schritt durch das Marktgewimmel von Wintergard bewegte. Der Schnee hatte längst wieder neue Spuren in der festgetretenen Erde hinterlassen, die Händler waren mit dem Einbruch der Dämmerung dabei, ihre Stände abzubauen. Der Duft von Rauch, Tierhäuten und Eisen hing schwer in der Luft. Neben ihm tapste Valda, Sannas zweijährige Tochter, an seiner Hand entlang, während er Helvis Pony hinter sich führte, das Sannas Schlitten mit den übriggebliebenen Fellen ziehen sollte. <br />
Trotz der klirrenden Kälte, die ihm in die Wangen biss, war Veith warm ums Herz, sobald seine Gedanken zu Sanna wanderten und genau dieser Umstand missfiel ihm zutiefst. Er war töricht genug gewesen zu glauben, das Feuer, das die gestrige Nacht in ihm entfacht hatte, würde durch ein wenig Holzhacken am Hof erlöschen. Doch es hatte nicht geglimmt, es hatte gebrannt. Selbst beim Fischen am eisverkrusteten Fluss, selbst während er auf der Burg schweigend die Waffen kontrollierte, war ihr Bild immer wieder in seinem Kopf aufgetaucht. Die Art, wie sie gelächelt hatte, ein wenig zögerlich, ein wenig erstaunt, als sich ihre Lippen in Helvis Küche berührt hatten. Nun war er wieder unterwegs zu ihr. Wieder mit der Hoffnung, einen Blick, ein Wort, vielleicht ein Echo dieses Augenblicks zu erhaschen, obwohl er sich zur Vernunft zwingen wollte. Seine Miene blieb wie aus Stein gemeißelt, kühl und unbeteiligt, doch unter der Oberfläche tobte etwas, das er längst nicht mehr unter Kontrolle hatte. <br />
<br />
Dann entdeckte er sie, die blonde Jägerin zwischen den verbliebenen Marktständen, das Licht des späten Nachmittags verfing sich in einzelnen Strähnen ihres Haars. Veiths Blick glitt zum Schlitten, der unweit von Sanna stand - halb beladen, mit wenig Fellen, die noch auf Abnehmer warteten. Sie hatte offenbar gut verkauft an diesem Tag, trotz der klirrenden Kälte und der müden Gesichter der Marktbesucher. Etwas in ihm lockerte sich für einen Moment, ein Hauch von Stolz vielleicht oder war es doch etwas anderes? Sie war zäh, das wusste er. Zäher als viele Männer, die er kannte. Gerne hätte er ihr am heutigen Tag geholfen, nicht nur jetzt beim Heimbringen der Ladung, sondern auch davor, beim Tragen, beim Ausbreite der Ware, beim Stillstehen in dieser Kälte. <br />
Aber sie war stolz und er war verunsichert.<br />
<br />
Veith straffte die Schultern, zwang die gewohnte Ruhe zurück in seine Züge. Was, wenn sie es bereute? Was, wenn es für sie ein Moment gewesen war, der nie hätte geschehen dürfen? Er wollte sein Gesicht wahren, nicht zu viel preisgeben und somit trat er zunächst stumm wie immer auf die junge Frau zu, während Valda zur Begrüßung in die Arme ihrer Mutter sprang. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„War der Markt gut heute?“</span> fragte er, als Sanna sich schließlich von ihrer Tochter löste. Seine Stimme war ruhig, seine Miene undurchdringlich wie immer, doch unter dem gleichmütigen Blick arbeitete es in ihm. Das flüchtige, viel zu kurze Aufeinandertreffen in Helvis Küche, ihre Lippen auf seinen, die Küsse, die ihm mehr genommen als gegeben hatten und dann war Helvi reingeplatzt. Am Morgen hatte seine Schwester ihm ohne Umschweife die Leviten gelesen. Dass es dumm von ihm gewesen sei, Sanna zu verführen. Dass sein Handeln nicht nur ihn etwas anging, sondern Konsequenzen haben konnte. Ihre Worte waren hart gefallen, scharf wie ein frisch geschliffenes Messer. Veith hatte versucht, ruhig zu bleiben, hatte ihr entgegnet, dass er zu seinen Entscheidungen stand. Dass er Sanna nicht in Schwierigkeiten bringen würde – niemals. Aber für Helvi zählten solche Beteuerungen nichts. Für sie war die Sache klar. Sanna war tabu. Sollte er es dennoch wagen weiterzumachen, würde er sich die Finger verbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür, so hatte sie gesagt, würde sie höchstpersönlich Sorge tragen.<br />
Jetzt stand er vor Sanna, mit jener kühlen Entschlossenheit im Gesicht, die er sich aufgesetzt hatte, als hätte nichts von der Nacht zuvor stattgefunden. Doch unter der Rüstung aus Selbstbeherrschung arbeitete ein Herz, das ihn in der Brust plötzlich schneller schlug, als ihre Blicke sich trafen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[No blade can mend what time has torn]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=722</link>
			<pubDate>Wed, 14 May 2025 13:57:19 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=142">Reinka Norrholm</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=722</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Das leise Schnaufen der Pferde, das rhythmische Scharren von Hufen auf festgetretener Erde, das gedämpfte Raunen des Windes, der durch die Spalten der Stallwände fuhr – all das war Reinka vertrauter als der Klang ihrer eigenen Stimme geworden. Zwischen den grob gezimmerten Balken und dem Duft von Heu und Tier fand sich etwas, das sie nirgends sonst mehr fand: Ruhe. Hier war kein Platz für höfisches Getuschel oder wohlmeinendes Zureden. Keine fragenden Blicke. Kein Erik, der sie mit Augen voller Liebe, aber auch geschwängert mit ungewohnter Sorge ansah. Nur das Hier und Jetzt.<br />
<br />
Geist hob den Kopf, als sie sich ihm näherte, spitzte die Ohren, schnaubte leise, als erkenne er etwas in ihrem Schritt, das lange in ihr geschlummert hatte. Sie legte dem großrahmigen Wallach die Hand auf den muskulösen Nacken, spürte unter dem feinen Silberfell die Wärme, die Kraft, die lebendige Erinnerung an all die halsbrecherischen Ritte und Kämpfe, die sie gemeinsam bestritten hatten. Seine Muskeln zuckten leicht unter ihrer Berührung, als stelle er ihr eine eindeutige Frage, die Reinka zum Lächeln brachte, kaum merklich. <b>»Bald wieder«</b>, flüsterte sie, fast entschuldigend. Der edle Sattel war bereits festgezurrt, die geflochtenen, gut gepolsterten Riemen akkurat gebunden – nicht von ihr, sondern von einem Stalljungen, der ihre Anweisungen ausgeführt hatte. Weil man es ihr nahegelegt hatte. Sie solle mehr ruhen, hatten die Heiler gesagt. An das Kind denken. Es sei eine kritische Zeit ihrer Schwangerschaft.  Als wüsste sie das nicht längst. Als würde sie nicht jede Veränderung an ihrem Körper bemerken, jeden Schritt, der sie langsamer machte, jede Bewegung, die nicht mehr ganz ihr gehörte. Ganz zu schweigen von dieser unsäglichen Übelkeit, die sie seit Wochen in den kältesten Morgenstunden aus den wärmenden Fellen schießen ließ. <br />
<br />
Ihr Blick glitt zu den zwei Remonten am Ende der Stallgasse – zwei bildschöne Stuten, die eine ruhig, rabenschwarz und mit zarten, langen Fesseln, die andere kleiner, rotbraun, mit blitzenden Augen und dem Widerspruch im Leib, der Reinka vertrauter war als das zarte  Lächeln ihrer Schwägerinnen. Eine von ihnen hatte sie selbst angeritten, noch vor jenem Morgen, als sich die Welt zu drehen begonnen hatte und sie kaum noch wusste, wo oben oder unten war. Die andere war unter ihrer Anleitung ausgebildet worden – Worte statt Taten, Anweisungen statt Reiten. So wie vieles in ihrem Leben zurzeit.<br />
<br />
Das Eisfeuerfest war vorüber, und zum ersten Mal war es gewesen, als hätte es nicht für sie stattgefunden. Kein Bogen in ihrer Hand, keine Klinge an ihrer Seite, kein Axtkampf im festgetretenen Schnee, in dem sie hätte zeigen können, dass sie noch da war – dass sie noch immer die Tochter ihres Vaters war. Und dann Aleena, diese zarte Blume mit ihrem strahlenden Blick, dem glänzenden Haar, der überbordenden Freude, die man einer Schwangeren nicht nehmen durfte. Reinka hatte ihr von Herzen Glück gewünscht, jedoch höflich und ruhig, wie es von ihr erwartet wurde. Sie wusste, dass Leif die Wahrheit nicht offenbart hatte – über das Kind, das nicht ihres war. Und nicht rechtmäßig. Niemand hatte gefragt, würde es niemals wagen. Doch das Schweigen zwischen den beiden ältesten Geschwistern hatte schwerer gewogen als jedes gesprochene Wort.<br />
<br />
Ein leises Knarzen hinter ihr ließ sie den Kopf heben. Kein Stallbursche, keine neugierige Dienstmagd. Der Schritt war zu ruhig, zu kontrolliert – schwer und sicher wie der eines Mannes, der viele Jahre auf seinen Füßen gestanden hatte und wusste, dass er sie nicht mehr beweisen musste. Veith Alvarsson. Sein Schweigen kündigte ihn an, noch bevor sie ihn sah. Es war nicht von der Sorte, die sie selbst pflegte – kein schneidendes, kantiges Schweigen wie die Klinge eines Dolches –, sondern ein stilles, festes, gleich einem Schild, das schützte, aber nichts offenbarte. Sie fragte sich manchmal, was er gesehen hatte in den Jahren fernab von jeglicher Zivilisation. Und sie beneidete ihn darum. <br />
<br />
Sie sagte nichts. Wandte sich ihm nur einen halben Schritt zu, griff nach einem Striegel, ohne ihn zu benutzen. Eine Geste, die Abstand hielt, aber keine Kälte bedeutete. Er war gekommen, um sich die Pferde anzusehen – ein einfacher Grund, ein klarer Vorwand. Vielleicht für sie beide. Wo er vermutlich Ruhe zu den stattgehabten Feierlichkeiten suchen mochte, war dies Reinkas Zuflucht vor all den Menschen, die es neuerlich so schrecklich gut mit ihr meinten. <br />
<br />
Geist stampfte leise, als spürte er, dass sich etwas veränderte. Reinka hob den Blick, sah dem Kriefer entgegen, senkte knapp das Kinn zum Gruß. <b>»Sie hören auf leise Befehle«</b>, sagte sie schließlich. Die Worte kamen langsam, als müsse sie sie erst abwägen. <b>»Nicht auf Reiter, die glauben, Respekt mit Lautstärke erzwingen zu können.«</b> Eine Geste hin zu den Stuten bedeutete ihm, voranzugehen. Ihre Worte trugen keine Warnung. Nicht wirklich. Aber auch kein Angebot. Vielleicht ein Prüfstein. Vielleicht eine Einladung. Sie wusste nicht, was dieser Mann suchte – ein Pferd, ein Gespräch, eine Erinnerung an etwas, das ihnen beiden womöglich  fremd geworden war. Doch sie wollte wissen, ob er es verstand, ein Tier zu lesen, ohne es besitzen zu wollen. Und ob er es wagte, ihr zu antworten, ohne sich zuerst beweisen zu müssen.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Das leise Schnaufen der Pferde, das rhythmische Scharren von Hufen auf festgetretener Erde, das gedämpfte Raunen des Windes, der durch die Spalten der Stallwände fuhr – all das war Reinka vertrauter als der Klang ihrer eigenen Stimme geworden. Zwischen den grob gezimmerten Balken und dem Duft von Heu und Tier fand sich etwas, das sie nirgends sonst mehr fand: Ruhe. Hier war kein Platz für höfisches Getuschel oder wohlmeinendes Zureden. Keine fragenden Blicke. Kein Erik, der sie mit Augen voller Liebe, aber auch geschwängert mit ungewohnter Sorge ansah. Nur das Hier und Jetzt.<br />
<br />
Geist hob den Kopf, als sie sich ihm näherte, spitzte die Ohren, schnaubte leise, als erkenne er etwas in ihrem Schritt, das lange in ihr geschlummert hatte. Sie legte dem großrahmigen Wallach die Hand auf den muskulösen Nacken, spürte unter dem feinen Silberfell die Wärme, die Kraft, die lebendige Erinnerung an all die halsbrecherischen Ritte und Kämpfe, die sie gemeinsam bestritten hatten. Seine Muskeln zuckten leicht unter ihrer Berührung, als stelle er ihr eine eindeutige Frage, die Reinka zum Lächeln brachte, kaum merklich. <b>»Bald wieder«</b>, flüsterte sie, fast entschuldigend. Der edle Sattel war bereits festgezurrt, die geflochtenen, gut gepolsterten Riemen akkurat gebunden – nicht von ihr, sondern von einem Stalljungen, der ihre Anweisungen ausgeführt hatte. Weil man es ihr nahegelegt hatte. Sie solle mehr ruhen, hatten die Heiler gesagt. An das Kind denken. Es sei eine kritische Zeit ihrer Schwangerschaft.  Als wüsste sie das nicht längst. Als würde sie nicht jede Veränderung an ihrem Körper bemerken, jeden Schritt, der sie langsamer machte, jede Bewegung, die nicht mehr ganz ihr gehörte. Ganz zu schweigen von dieser unsäglichen Übelkeit, die sie seit Wochen in den kältesten Morgenstunden aus den wärmenden Fellen schießen ließ. <br />
<br />
Ihr Blick glitt zu den zwei Remonten am Ende der Stallgasse – zwei bildschöne Stuten, die eine ruhig, rabenschwarz und mit zarten, langen Fesseln, die andere kleiner, rotbraun, mit blitzenden Augen und dem Widerspruch im Leib, der Reinka vertrauter war als das zarte  Lächeln ihrer Schwägerinnen. Eine von ihnen hatte sie selbst angeritten, noch vor jenem Morgen, als sich die Welt zu drehen begonnen hatte und sie kaum noch wusste, wo oben oder unten war. Die andere war unter ihrer Anleitung ausgebildet worden – Worte statt Taten, Anweisungen statt Reiten. So wie vieles in ihrem Leben zurzeit.<br />
<br />
Das Eisfeuerfest war vorüber, und zum ersten Mal war es gewesen, als hätte es nicht für sie stattgefunden. Kein Bogen in ihrer Hand, keine Klinge an ihrer Seite, kein Axtkampf im festgetretenen Schnee, in dem sie hätte zeigen können, dass sie noch da war – dass sie noch immer die Tochter ihres Vaters war. Und dann Aleena, diese zarte Blume mit ihrem strahlenden Blick, dem glänzenden Haar, der überbordenden Freude, die man einer Schwangeren nicht nehmen durfte. Reinka hatte ihr von Herzen Glück gewünscht, jedoch höflich und ruhig, wie es von ihr erwartet wurde. Sie wusste, dass Leif die Wahrheit nicht offenbart hatte – über das Kind, das nicht ihres war. Und nicht rechtmäßig. Niemand hatte gefragt, würde es niemals wagen. Doch das Schweigen zwischen den beiden ältesten Geschwistern hatte schwerer gewogen als jedes gesprochene Wort.<br />
<br />
Ein leises Knarzen hinter ihr ließ sie den Kopf heben. Kein Stallbursche, keine neugierige Dienstmagd. Der Schritt war zu ruhig, zu kontrolliert – schwer und sicher wie der eines Mannes, der viele Jahre auf seinen Füßen gestanden hatte und wusste, dass er sie nicht mehr beweisen musste. Veith Alvarsson. Sein Schweigen kündigte ihn an, noch bevor sie ihn sah. Es war nicht von der Sorte, die sie selbst pflegte – kein schneidendes, kantiges Schweigen wie die Klinge eines Dolches –, sondern ein stilles, festes, gleich einem Schild, das schützte, aber nichts offenbarte. Sie fragte sich manchmal, was er gesehen hatte in den Jahren fernab von jeglicher Zivilisation. Und sie beneidete ihn darum. <br />
<br />
Sie sagte nichts. Wandte sich ihm nur einen halben Schritt zu, griff nach einem Striegel, ohne ihn zu benutzen. Eine Geste, die Abstand hielt, aber keine Kälte bedeutete. Er war gekommen, um sich die Pferde anzusehen – ein einfacher Grund, ein klarer Vorwand. Vielleicht für sie beide. Wo er vermutlich Ruhe zu den stattgehabten Feierlichkeiten suchen mochte, war dies Reinkas Zuflucht vor all den Menschen, die es neuerlich so schrecklich gut mit ihr meinten. <br />
<br />
Geist stampfte leise, als spürte er, dass sich etwas veränderte. Reinka hob den Blick, sah dem Kriefer entgegen, senkte knapp das Kinn zum Gruß. <b>»Sie hören auf leise Befehle«</b>, sagte sie schließlich. Die Worte kamen langsam, als müsse sie sie erst abwägen. <b>»Nicht auf Reiter, die glauben, Respekt mit Lautstärke erzwingen zu können.«</b> Eine Geste hin zu den Stuten bedeutete ihm, voranzugehen. Ihre Worte trugen keine Warnung. Nicht wirklich. Aber auch kein Angebot. Vielleicht ein Prüfstein. Vielleicht eine Einladung. Sie wusste nicht, was dieser Mann suchte – ein Pferd, ein Gespräch, eine Erinnerung an etwas, das ihnen beiden womöglich  fremd geworden war. Doch sie wollte wissen, ob er es verstand, ein Tier zu lesen, ohne es besitzen zu wollen. Und ob er es wagte, ihr zu antworten, ohne sich zuerst beweisen zu müssen.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I bet you can't do it]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=710</link>
			<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 20:38:47 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=64">Swantje Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=710</guid>
			<description><![CDATA[Ha! Sie würde das schon schaffen. Ganz sicher. Pontus und Kettil hatten mit ihr gestritten. Sie hatten gesagt dass sie es nicht schaffte auf das Dach zu klettern. Die Beiden wollten es ihr nicht glauben. Morgen wollte sie es ihnen zeigen, aber sie musste das vorher üben. Deswegen versuchte sie es und ihre ersten Anläufe waren alles andere als gut. Immer wieder fiel sie auf ihren Po und der tat irgendwann ganz schön weh. Doch die junge Stelhammer ließ sich davon nicht unterkriegen und versuchte über ein Fass auf das Dach der Ställe zu kommen. Mehr durfte sie nicht und sie war auch noch nie so hoch geklettert wie auf das Dach des Palastes. Sie traute es sich nicht. Der Stall war einfacher. <br />
<br />
Zumindest hatte sie das gedacht. Nachdem sie wieder versucht hatte vom Fass abzuspringen und sich am Rand des Daches festzuhalten, änderte sie dann ihr vorgehen und versuchte sich stattdessen so groß zu machen wie möglich. Dafür stellte sie sich sogar auf die Zehenspitze, aber schaffte es nicht bis hoch. Dabei streckte sie sich doch so sehr. Also kletterte sie mühevoll und fast ausrutschend vom Fass herunter und holte sich einen Schemel. Diesen stellte sie auf das Fass und kletterte dann wieder auf dieses und kletterte auch auf den Stuhl. Eine durchaus wackelige Situation die Swantje vielleicht ein klein wenig unterschätzte hatte. <br />
<br />
Gerade als sie sich mit beiden Händen am Vorsprung festgehalten hatte, trat sie aus Versehen den Stuhl mit ihren Füßen um und jener fiel vom Fass herunter. Swantje hing jetzt also immer noch am Vorsprung und versuchte sich festzuhalten und hochzuziehen. Doch das klappte nicht so gut. <br />
<span style="color: #785f8a;" class="mycode_color">"Hallo? Kann mir jemand helfen?"</span>, rief sie dann und hoffte dass irgendjemand sie hörte, denn lange konnte sie sich nicht festhalten und es war echt schwer sich hochzuziehen. Vielleicht sollte sie weniger essen? Dann war sie nicht mehr so schwer und kam besser auf das Dach? Aber was war wenn sie so leicht war dass sie wegflog? Das würde niemandem gefallen und sie wollte nicht durch die Luft fliegen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ha! Sie würde das schon schaffen. Ganz sicher. Pontus und Kettil hatten mit ihr gestritten. Sie hatten gesagt dass sie es nicht schaffte auf das Dach zu klettern. Die Beiden wollten es ihr nicht glauben. Morgen wollte sie es ihnen zeigen, aber sie musste das vorher üben. Deswegen versuchte sie es und ihre ersten Anläufe waren alles andere als gut. Immer wieder fiel sie auf ihren Po und der tat irgendwann ganz schön weh. Doch die junge Stelhammer ließ sich davon nicht unterkriegen und versuchte über ein Fass auf das Dach der Ställe zu kommen. Mehr durfte sie nicht und sie war auch noch nie so hoch geklettert wie auf das Dach des Palastes. Sie traute es sich nicht. Der Stall war einfacher. <br />
<br />
Zumindest hatte sie das gedacht. Nachdem sie wieder versucht hatte vom Fass abzuspringen und sich am Rand des Daches festzuhalten, änderte sie dann ihr vorgehen und versuchte sich stattdessen so groß zu machen wie möglich. Dafür stellte sie sich sogar auf die Zehenspitze, aber schaffte es nicht bis hoch. Dabei streckte sie sich doch so sehr. Also kletterte sie mühevoll und fast ausrutschend vom Fass herunter und holte sich einen Schemel. Diesen stellte sie auf das Fass und kletterte dann wieder auf dieses und kletterte auch auf den Stuhl. Eine durchaus wackelige Situation die Swantje vielleicht ein klein wenig unterschätzte hatte. <br />
<br />
Gerade als sie sich mit beiden Händen am Vorsprung festgehalten hatte, trat sie aus Versehen den Stuhl mit ihren Füßen um und jener fiel vom Fass herunter. Swantje hing jetzt also immer noch am Vorsprung und versuchte sich festzuhalten und hochzuziehen. Doch das klappte nicht so gut. <br />
<span style="color: #785f8a;" class="mycode_color">"Hallo? Kann mir jemand helfen?"</span>, rief sie dann und hoffte dass irgendjemand sie hörte, denn lange konnte sie sich nicht festhalten und es war echt schwer sich hochzuziehen. Vielleicht sollte sie weniger essen? Dann war sie nicht mehr so schwer und kam besser auf das Dach? Aber was war wenn sie so leicht war dass sie wegflog? Das würde niemandem gefallen und sie wollte nicht durch die Luft fliegen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[beneath northern skies]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=708</link>
			<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 11:25:59 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=153">Veith Alvarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=708</guid>
			<description><![CDATA[Veith gehörte nicht zu den geselligsten oder zugänglichsten Zeitgenossen am Hof. Doch das hatte ihm nie geschadet. In Wintergard zählte vor allem seine Loyalität zum König und seine Fähigkeit, selbst in hitzigen Auseinandersetzungen einen kühlen Verstand zu behalten. Mit der distanzierten Gelassenheit eines Mannes, der den Übungsplatz besser kannte als den Tanzsaal, verkörperte er die Essenz eines Kriegers: scharfsinnige Beobachtungsgabe, taktisches Geschick und die unerschütterliche Bereitschaft, zu handeln, wenn es darauf ankam. Seine Entscheidungen waren nüchtern und durchdacht, das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und harter Lehren. Womit Veith jedoch weniger Erfahrung besaß, so war es als Geleitschutz für eine Prinzessin zu dienen, denn er war nicht gerade für sein einnehmendes Wesen bekannt. <br />
Er schwieg lieber, anstatt belanglose Konversation zu führen. Stattdessen beobachtete er aufmerksam seine Umgebung, seine Gedanken oft weit entfernt von den banalen Gesprächen, die um ihn herum stattfanden. Doch das war in diesem Fall womöglich sogar von Vorteil, immerhin glaubte er nicht, dass die Prinzessin viel Wert auf einen geschwätzigen Begleiter lag, sondern vielmehr eine ihrer Zofen für diese Zwecke mit zum Markt nahm. <br />
<br />
Von den höfischen Gerüchten und dem ständigen Klatsch hielt sich Veith für gewöhnlich fern. Er hatte weder die Geduld noch das Interesse daran, sich in die oberflächlichen Gespräche zu verstricken, die viele andere so zu fesseln schienen. Für ihn waren diese Scharmützel nichts anderes als belanglose Unterhaltung für diejenigen, die nie mit den wirklichen, lebensbedrohlichen Herausforderungen konfrontiert waren – Menschen, deren Hände nie in Blut getaucht waren, weil sie es vorzogen, die Konsequenzen ihrer Worte und Taten auf andere abzuwälzen. Trotzdem fand er sich nun in einer für ihn ungewöhnlichen Situation wieder. Leif hatte ihn gebeten, die Prinzessin zum Markt zu begleiten, da er selbst keine Zeit dafür hatte oder sich schlicht nicht darum kümmern wollte. Der weißhaarige Krieger wusste, dass sein Freund nicht viel mit seiner Ehefrau anfangen konnte und es überraschte ihn nicht, dass er die Aufgabe lieber weitergab. <br />
Da der Nordländer durch den Unfall seines Vaters recht früh gelernt hatte, Verantwortung für eine Familie zu tragen, die noch aus einer Mutter und drei Schwestern bestand, kam er nicht umhin, auch eine gewisse Verantwortung der Prinzessin gegenüber zu empfinden. Genau wie seine Mutter, war  Aleena in einer völlig anderen Welt aufgewachsen und fremd in dieser rauen Umgebung, deren Sitten und direkte Umgangston ihr sichtlich zu schaffen machten. Veith konnte es ihr nicht verübeln, denn für jemanden von außen musste sein Volk wie ein ungestümer, ungehobelter Haufen wirken. Doch ob sie es wollte oder nicht, diese Menschen waren nun ihre Untertanen und es hatte schon viele Frauen aus fremden Königshäusern gegeben, die in eine Wirklichkeit wie diese verheiratet worden waren. Mit der Zeit würde Aleena in ihre Rolle hineinwachsen, jedenfalls hoffte er es für sie.<br />
<br />
Nun stand der Krieger am Haupttor der Burg und wartete auf besagte Prinzessin. Der eisige Wind pfiff durch die steinernen Zinnen, wirbelte lose Schneeflocken über den Burghof und ließ den Atem der Wachen in weißen Schwaden aufsteigen. Knechte eilten mit gesenkten Köpfen über das Pflaster, während ein Stallbursche gerade dabei war geschäftig eines der Pferde zu satteln. Der Winter hatte die Stadt fest im Griff und selbst die Bewohner der Burg, die das raue Klima gewohnt waren, wirkten heute besonders ungeduldig, sich ins Warme zurückzuziehen. Veith verschränkte die Arme vor der Brust und ließ den Blick über den Hof schweifen. Der Wind trug das entfernte Wiehern der Pferde aus den Stallungen heran, während die Prinzessin noch immer auf sich warten ließ. Er zog den Umhang enger um die Schultern und atmete tief die kalte Morgenluft ein. Was auch immer dieser Tag bringen mochte, er würde ihn mit der gleichen stoischen Gelassenheit angehen wie jede andere Aufgabe, um die er gebeten worden war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Veith gehörte nicht zu den geselligsten oder zugänglichsten Zeitgenossen am Hof. Doch das hatte ihm nie geschadet. In Wintergard zählte vor allem seine Loyalität zum König und seine Fähigkeit, selbst in hitzigen Auseinandersetzungen einen kühlen Verstand zu behalten. Mit der distanzierten Gelassenheit eines Mannes, der den Übungsplatz besser kannte als den Tanzsaal, verkörperte er die Essenz eines Kriegers: scharfsinnige Beobachtungsgabe, taktisches Geschick und die unerschütterliche Bereitschaft, zu handeln, wenn es darauf ankam. Seine Entscheidungen waren nüchtern und durchdacht, das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und harter Lehren. Womit Veith jedoch weniger Erfahrung besaß, so war es als Geleitschutz für eine Prinzessin zu dienen, denn er war nicht gerade für sein einnehmendes Wesen bekannt. <br />
Er schwieg lieber, anstatt belanglose Konversation zu führen. Stattdessen beobachtete er aufmerksam seine Umgebung, seine Gedanken oft weit entfernt von den banalen Gesprächen, die um ihn herum stattfanden. Doch das war in diesem Fall womöglich sogar von Vorteil, immerhin glaubte er nicht, dass die Prinzessin viel Wert auf einen geschwätzigen Begleiter lag, sondern vielmehr eine ihrer Zofen für diese Zwecke mit zum Markt nahm. <br />
<br />
Von den höfischen Gerüchten und dem ständigen Klatsch hielt sich Veith für gewöhnlich fern. Er hatte weder die Geduld noch das Interesse daran, sich in die oberflächlichen Gespräche zu verstricken, die viele andere so zu fesseln schienen. Für ihn waren diese Scharmützel nichts anderes als belanglose Unterhaltung für diejenigen, die nie mit den wirklichen, lebensbedrohlichen Herausforderungen konfrontiert waren – Menschen, deren Hände nie in Blut getaucht waren, weil sie es vorzogen, die Konsequenzen ihrer Worte und Taten auf andere abzuwälzen. Trotzdem fand er sich nun in einer für ihn ungewöhnlichen Situation wieder. Leif hatte ihn gebeten, die Prinzessin zum Markt zu begleiten, da er selbst keine Zeit dafür hatte oder sich schlicht nicht darum kümmern wollte. Der weißhaarige Krieger wusste, dass sein Freund nicht viel mit seiner Ehefrau anfangen konnte und es überraschte ihn nicht, dass er die Aufgabe lieber weitergab. <br />
Da der Nordländer durch den Unfall seines Vaters recht früh gelernt hatte, Verantwortung für eine Familie zu tragen, die noch aus einer Mutter und drei Schwestern bestand, kam er nicht umhin, auch eine gewisse Verantwortung der Prinzessin gegenüber zu empfinden. Genau wie seine Mutter, war  Aleena in einer völlig anderen Welt aufgewachsen und fremd in dieser rauen Umgebung, deren Sitten und direkte Umgangston ihr sichtlich zu schaffen machten. Veith konnte es ihr nicht verübeln, denn für jemanden von außen musste sein Volk wie ein ungestümer, ungehobelter Haufen wirken. Doch ob sie es wollte oder nicht, diese Menschen waren nun ihre Untertanen und es hatte schon viele Frauen aus fremden Königshäusern gegeben, die in eine Wirklichkeit wie diese verheiratet worden waren. Mit der Zeit würde Aleena in ihre Rolle hineinwachsen, jedenfalls hoffte er es für sie.<br />
<br />
Nun stand der Krieger am Haupttor der Burg und wartete auf besagte Prinzessin. Der eisige Wind pfiff durch die steinernen Zinnen, wirbelte lose Schneeflocken über den Burghof und ließ den Atem der Wachen in weißen Schwaden aufsteigen. Knechte eilten mit gesenkten Köpfen über das Pflaster, während ein Stallbursche gerade dabei war geschäftig eines der Pferde zu satteln. Der Winter hatte die Stadt fest im Griff und selbst die Bewohner der Burg, die das raue Klima gewohnt waren, wirkten heute besonders ungeduldig, sich ins Warme zurückzuziehen. Veith verschränkte die Arme vor der Brust und ließ den Blick über den Hof schweifen. Der Wind trug das entfernte Wiehern der Pferde aus den Stallungen heran, während die Prinzessin noch immer auf sich warten ließ. Er zog den Umhang enger um die Schultern und atmete tief die kalte Morgenluft ein. Was auch immer dieser Tag bringen mochte, er würde ihn mit der gleichen stoischen Gelassenheit angehen wie jede andere Aufgabe, um die er gebeten worden war.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Who lives, Who Dies, Who tells your Story]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=697</link>
			<pubDate>Thu, 13 Mar 2025 15:40:16 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=17">Leif Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=697</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/759769bd4fdb2ecd997c999248258b14/6bcc7130b384b80c-54/s400x600/1626f94587867383c2112074ab169929778b8d51.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Nach einem langen Tag an der frischen Luft fühlte es sich immer besonders verdient an, in einen Raum mit offenem Feuer zu treten. Von den kalten Schatten der Bäume blieb nur noch Holz übrig, das Planken, Stützen und den viel genutzten Boden in einem reichen Braun zierte. Stimmen füllten den Raum in dem angenehmen Summen des Feierabends, begleitet von dem ein oder anderen Krugstoß und etwas Bier, das über Arbeiterhände schwappte. Im Schein des offenen Herdfeuers tanzte das Fell des toten Hirsches mit dem prächtigen Geweih, welches Leif kurz aufschauen ließ, als er mit schweren, festen Schritten den Raum durchquerte. Es gab keinen Aufruhr, nur weil er es war, der die Tür aufstieß. Niemand unterbrach ein privates Gespräch und verrenkte sich den Nacken, um dem Kronprinzen dabei zuzusehen, wie er einer alltäglichen Beschäftigung nachging. Das obligatorische Zurufen und Zuprosten abnickend, klopfte er seinem Begleiter auf die Schulter und deute auf einen freien Tisch, bevor er selbst die Theke anstrebte und bald darauf mit zwei schweren Krügen in den Händen zurückkehrte.  <br />
Wie musste es sich wohl anfühlen, ein Adliger in den heißen Ländern zu sein. Wenn er sich nicht recht täuschte, dann durfte dort unten sogar eine großkönigliche Hochzeit stattfinden, aber wer hatte in diesen Zeiten überhaupt den Kopf dafür? Sollte Augusto nicht lieber zusehen, dass ihm sein Land nicht unter dem Fettarsch weggezogen wurde und er auf kaltem Stein sitzen durfte? Leif merkte man in den letzten Wochen besonders an, dass er in seinem Kopf Platz für genau eine Sache hatte, und das hatte nichts mit Frau und Wein zutun - nichts, was er den Castellanos täglich anprangerte und sie beileibe gerne mit bloßen Händen darin ertränken würde, bis ihr aufgedunsenes Gesicht fett und vollgesogen durch ihr dämliches Gesöff schwamm. Wenn überhaupt, dann hatte Leif sich noch nie ferner von allen Feierlichkeiten gefühlt. Sein Lächeln hatte sich noch nie so falsch und verboten angefühlt, während er überspielte, dass ihm seit dem Eisfeuerfest jegliche Freude am Feiern vergangen war. <br />
Doch hier ließ er sich nieder, den Bierkrug in der Hand, wo er mit Erik, Kjell, Halger und Veith schon unzählige Male ein Wiedersehen gefeiert hatte. Eigentlich fanden sie immer einen Grund, in der Schenke vorbeizuschauen, die Leif mittlerweile schon fast sein drittes Zuhause nennen konnte, und sei es nur, um einen lausigen Geburtstag nachzuholen. Heute fehlten der Gruppe drei Männer, aber das hielt Halger und ihn nicht davon ab, die Erinnerungen zu würdigen und ein weiteres Mal voneinander Abschied zu nehmen, bevor es Leif auf seine Reise zog. Ohne Worte hob er den Krug und schlug ihn gegen den des anderen, dass auch über seine Kriegerhand etwas Bier schwappte.<br />
<font color="#CAC9FD">“Ich bin guter Dinge”</font>, begann er schließlich, zurückgelehnt und mit einem Bein auf seinem Knie. Sein Blick ruhte auf Halger in der alten Vertrautheit, die er mit ihm teilte - eine, die von so einer rohen Einfachheit geprägt war, dass er sie nur mit einer Handvoll Männer teilte. <font color="#CAC9FD">“Wenn du jetzt noch packst, dir selbst Disziplin beizubringen, dann kann das bei den anderen auch noch was werden.”</font> Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht, Halger den Aufbau des Lagers zu überlassen, hm? Leif musste wohl felsenfest von den Fähigkeiten seines Freundes überzeugt sein, dass er mit seinem Vorschlag nicht nur vor den Königsrat getreten war, sondern Halger auch vor seinem eigenen Vater vertreten hatte. Es gab einige Entscheidungen, die der Prinz bereute, aber das Vertrauen in den rothaarigen Hünen war keine davon. Er war alt genug, um sich seiner Verantwortung für sein Land zu stellen und die Schürzenjagd zum Nebenberuf zu machen, älter als Leif und mit einem großen Herzen gesegnet. Und sollte er doch darin versagen, die Krieger auszubilden, die das Land brauchte, dann gab es da immer noch eine ganze Burgbesatzung, die ihm schon Feuer unter dem Hintern machen würde.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/759769bd4fdb2ecd997c999248258b14/6bcc7130b384b80c-54/s400x600/1626f94587867383c2112074ab169929778b8d51.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Nach einem langen Tag an der frischen Luft fühlte es sich immer besonders verdient an, in einen Raum mit offenem Feuer zu treten. Von den kalten Schatten der Bäume blieb nur noch Holz übrig, das Planken, Stützen und den viel genutzten Boden in einem reichen Braun zierte. Stimmen füllten den Raum in dem angenehmen Summen des Feierabends, begleitet von dem ein oder anderen Krugstoß und etwas Bier, das über Arbeiterhände schwappte. Im Schein des offenen Herdfeuers tanzte das Fell des toten Hirsches mit dem prächtigen Geweih, welches Leif kurz aufschauen ließ, als er mit schweren, festen Schritten den Raum durchquerte. Es gab keinen Aufruhr, nur weil er es war, der die Tür aufstieß. Niemand unterbrach ein privates Gespräch und verrenkte sich den Nacken, um dem Kronprinzen dabei zuzusehen, wie er einer alltäglichen Beschäftigung nachging. Das obligatorische Zurufen und Zuprosten abnickend, klopfte er seinem Begleiter auf die Schulter und deute auf einen freien Tisch, bevor er selbst die Theke anstrebte und bald darauf mit zwei schweren Krügen in den Händen zurückkehrte.  <br />
Wie musste es sich wohl anfühlen, ein Adliger in den heißen Ländern zu sein. Wenn er sich nicht recht täuschte, dann durfte dort unten sogar eine großkönigliche Hochzeit stattfinden, aber wer hatte in diesen Zeiten überhaupt den Kopf dafür? Sollte Augusto nicht lieber zusehen, dass ihm sein Land nicht unter dem Fettarsch weggezogen wurde und er auf kaltem Stein sitzen durfte? Leif merkte man in den letzten Wochen besonders an, dass er in seinem Kopf Platz für genau eine Sache hatte, und das hatte nichts mit Frau und Wein zutun - nichts, was er den Castellanos täglich anprangerte und sie beileibe gerne mit bloßen Händen darin ertränken würde, bis ihr aufgedunsenes Gesicht fett und vollgesogen durch ihr dämliches Gesöff schwamm. Wenn überhaupt, dann hatte Leif sich noch nie ferner von allen Feierlichkeiten gefühlt. Sein Lächeln hatte sich noch nie so falsch und verboten angefühlt, während er überspielte, dass ihm seit dem Eisfeuerfest jegliche Freude am Feiern vergangen war. <br />
Doch hier ließ er sich nieder, den Bierkrug in der Hand, wo er mit Erik, Kjell, Halger und Veith schon unzählige Male ein Wiedersehen gefeiert hatte. Eigentlich fanden sie immer einen Grund, in der Schenke vorbeizuschauen, die Leif mittlerweile schon fast sein drittes Zuhause nennen konnte, und sei es nur, um einen lausigen Geburtstag nachzuholen. Heute fehlten der Gruppe drei Männer, aber das hielt Halger und ihn nicht davon ab, die Erinnerungen zu würdigen und ein weiteres Mal voneinander Abschied zu nehmen, bevor es Leif auf seine Reise zog. Ohne Worte hob er den Krug und schlug ihn gegen den des anderen, dass auch über seine Kriegerhand etwas Bier schwappte.<br />
<font color="#CAC9FD">“Ich bin guter Dinge”</font>, begann er schließlich, zurückgelehnt und mit einem Bein auf seinem Knie. Sein Blick ruhte auf Halger in der alten Vertrautheit, die er mit ihm teilte - eine, die von so einer rohen Einfachheit geprägt war, dass er sie nur mit einer Handvoll Männer teilte. <font color="#CAC9FD">“Wenn du jetzt noch packst, dir selbst Disziplin beizubringen, dann kann das bei den anderen auch noch was werden.”</font> Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht, Halger den Aufbau des Lagers zu überlassen, hm? Leif musste wohl felsenfest von den Fähigkeiten seines Freundes überzeugt sein, dass er mit seinem Vorschlag nicht nur vor den Königsrat getreten war, sondern Halger auch vor seinem eigenen Vater vertreten hatte. Es gab einige Entscheidungen, die der Prinz bereute, aber das Vertrauen in den rothaarigen Hünen war keine davon. Er war alt genug, um sich seiner Verantwortung für sein Land zu stellen und die Schürzenjagd zum Nebenberuf zu machen, älter als Leif und mit einem großen Herzen gesegnet. Und sollte er doch darin versagen, die Krieger auszubilden, die das Land brauchte, dann gab es da immer noch eine ganze Burgbesatzung, die ihm schon Feuer unter dem Hintern machen würde.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Winter wakes the Wolf]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=668</link>
			<pubDate>Sat, 25 Jan 2025 05:42:20 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=17">Leif Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=668</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/b0/84/0d/b0840de58db96213c3a9c1fe68071351.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:20px;">Fear makes Men more Dangerous<br />
than Magic ever could</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/cc5223c1e67ab665c1d0aac27b90dacb/6bcc7130b384b80c-c0/s400x600/7953b8fdafbfe184492d8b94e54a7b4f67b02212.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Drängende, zornige Schritte hallten an den Mauern der Winterburg wieder und brachten eine Krähe dazu, vom Fenstersims zu fliegen. Staub, der so friedlich durch die Sonnenstrahlen der offenen Fenster schwebte, wurde von aufbauschenden Fellen aufgewirbellt. An Tagen wie solchen war die Burg wie leergefegt, weswegen nur zwei Präsenzen schon die Ruhe in den Gängen störten und gleichzeitig jedem zurückgebliebenen Bediensteten das deutliche Zeichen gaben, sich von ihnen fernzuhalten. Man musste Leif nicht ins Gesicht sehen, um zu erkennen, dass er Zentimeter davon entfernt war, einen Mord zu begehen, strömte die Gewaltbereitschaft, diese <i>Unausgeglichenheit</i>, doch durch jede seiner Poren. Aber wenn man sich traute, ihm ins Gesicht zu sehen, in diese kalt-blauen Augen, in denen ein Sturm von unerklärbarer Größe tobte, dann verstand man vielleicht, was ihn in dieser nachmittäglichen Stunde antrieb; mehr, als er es selbst verstand.<br />
<br />
Hätte Reinka ihn heute nicht auf dem Fest am Arm genommen und etwas abseits der Feiernden geführt, wäre der Tag ganz normal weitergegangen. Die Brust noch voll voll mit Jubel und Adrenalin, nachdem er beim Bogenschießen eine lobwürdige Leistung abgeliefert hatte, hatten seine Augen geleuchtet, als er Aleena in der Menge gefunden hatte - sie und seinen Sohn, den sie unter dem Herzen trug und für den er sich überhaupt von seiner besten Seite gezeigt hatte. Sein Blut war erwärmt vom Alkohol, so, dass er keine Felle brauchte und sich sogar von Eriks lallenden Lobreden über seinen zukünftigen Erben anstecken ließ. Er hatte sich mit Händlern unterhalten, Schmieden, hatte mit einer Kriegerin angestoßen, die er noch aus Magnushaven kannte, Leif hatte das Treiben der Menge an diesem letzten Tag mit einem leichten Herzen genossen. Bis zu Reinkas Auftauchen hatte er den Lärm noch als angenehm empfunden; bis das wölfische Grinsen ob ihren Worten einfror und jegliche Wärme aus seinem Blick verschwand. <br />
Valda war hier, und man hatte sie erkannt.<br />
Auf einmal war er dankbar, am Rand des Geschehens zu sein und nicht in dessen Mitte. Gelächter zog an ihm vorbei, ohne ihn zu berühren, Stimmen vermischten sich zu einem bedrohlichen Summen, während die Worte immer wieder durch seinen Kopf hallten. Wie lange musste er seine Schwester angestarrt haben, bis die Erkenntnis, die Panik sein Gemüt ergriff und er sich von ihr losriss. Wie vehement musste sie ihn festgehalten haben, um ihn von den dümmsten, gefährlichsten Entscheidungen in seinem Leben abzuhalten, denn alle Freude der vergangenen Stunden war auf Glatteis gelaufen. Leif wusste nicht, wo Valda war. Er wusste nicht, ob sie in Gefahr war. Er wusste nicht, wer sie entdeckt hatte. Und er wusste nicht, was er dem Wurm antun würde, wenn er ihn in die Finger bekam. <br />
<br />
Dass er jetzt durch die Burg lief, mit ungezügelter, roher Gewalt in seinem Schritt, die seinesgleichen suchte, machte überhaupt keinen Sinn. Er musste da unten sein. Egal, wie Reinka gedachte, nach Valda und Sanna zu suchen, er würde es besser machen, er <i>musste</i> es besser machen, er musste-....<br />
Die Tür hinter Reinka fiel ins Schloss und Leif fand sich in ihrem alten Zimmer wieder, das noch genauso aussah wie vor ihrer Hochzeit. Natürlich, niemand rührte ihre Sachen an, wenn sie einmal im Monat zu Besuch vorbeikam und Mutter jeden zur Sau machte, der dachte, das Zimmer zu renovieren. Unter anderen Umständen hätte er sie dafür aufgezogen, dass sie ihren Sinn für Ordnung scheinbar auch in der Ehe noch nicht gefunden hatte, doch Leif plagten andere Sorgen. Welche von solch einer Größenordnung, dass er gar nicht wusste, wie er ihnen Herr werden sollte. Sein Kopf ein einziges Chaos, stand er nur verloren im Raum, die Hände unruhig immer wieder zu Fäusten ballend und wieder entspannend. Dass ihm die Stille nicht gut tat, sah man an dem arbeitenden Schläfenmuskel. Er wusste, dass er irgendwann mit seiner Schwester über das <i>Geheimnis</i> reden musste. Wenn sie ihn nicht schon für den Verrat gegenüber der Familie verurteilte, dann dafür, dass er nie ein Wort über seine Tochter verloren hatte - nicht einmal an sie, die ihm am nächsten stand und ihn besser kannte, als er sich selbst. Aber sein Kopf verarbeitete gerade alles, nur nicht den Bruch zwischen Geschwistern, und er…<br />
<font color="#CAC9FD">“...was mach ich eigentlich hier?”</font> Valda brauchte ihn und er hatte sich in die Burg ziehen lassen. Mit plötzlicher Dringlichkeit drehte sich Leif auf dem Absatz um und wollte Reinka schon zur Seite schieben, im Inbegriff, das Zimmer wieder zu verlassen.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/b0/84/0d/b0840de58db96213c3a9c1fe68071351.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:20px;">Fear makes Men more Dangerous<br />
than Magic ever could</div>
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/cc5223c1e67ab665c1d0aac27b90dacb/6bcc7130b384b80c-c0/s400x600/7953b8fdafbfe184492d8b94e54a7b4f67b02212.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Drängende, zornige Schritte hallten an den Mauern der Winterburg wieder und brachten eine Krähe dazu, vom Fenstersims zu fliegen. Staub, der so friedlich durch die Sonnenstrahlen der offenen Fenster schwebte, wurde von aufbauschenden Fellen aufgewirbellt. An Tagen wie solchen war die Burg wie leergefegt, weswegen nur zwei Präsenzen schon die Ruhe in den Gängen störten und gleichzeitig jedem zurückgebliebenen Bediensteten das deutliche Zeichen gaben, sich von ihnen fernzuhalten. Man musste Leif nicht ins Gesicht sehen, um zu erkennen, dass er Zentimeter davon entfernt war, einen Mord zu begehen, strömte die Gewaltbereitschaft, diese <i>Unausgeglichenheit</i>, doch durch jede seiner Poren. Aber wenn man sich traute, ihm ins Gesicht zu sehen, in diese kalt-blauen Augen, in denen ein Sturm von unerklärbarer Größe tobte, dann verstand man vielleicht, was ihn in dieser nachmittäglichen Stunde antrieb; mehr, als er es selbst verstand.<br />
<br />
Hätte Reinka ihn heute nicht auf dem Fest am Arm genommen und etwas abseits der Feiernden geführt, wäre der Tag ganz normal weitergegangen. Die Brust noch voll voll mit Jubel und Adrenalin, nachdem er beim Bogenschießen eine lobwürdige Leistung abgeliefert hatte, hatten seine Augen geleuchtet, als er Aleena in der Menge gefunden hatte - sie und seinen Sohn, den sie unter dem Herzen trug und für den er sich überhaupt von seiner besten Seite gezeigt hatte. Sein Blut war erwärmt vom Alkohol, so, dass er keine Felle brauchte und sich sogar von Eriks lallenden Lobreden über seinen zukünftigen Erben anstecken ließ. Er hatte sich mit Händlern unterhalten, Schmieden, hatte mit einer Kriegerin angestoßen, die er noch aus Magnushaven kannte, Leif hatte das Treiben der Menge an diesem letzten Tag mit einem leichten Herzen genossen. Bis zu Reinkas Auftauchen hatte er den Lärm noch als angenehm empfunden; bis das wölfische Grinsen ob ihren Worten einfror und jegliche Wärme aus seinem Blick verschwand. <br />
Valda war hier, und man hatte sie erkannt.<br />
Auf einmal war er dankbar, am Rand des Geschehens zu sein und nicht in dessen Mitte. Gelächter zog an ihm vorbei, ohne ihn zu berühren, Stimmen vermischten sich zu einem bedrohlichen Summen, während die Worte immer wieder durch seinen Kopf hallten. Wie lange musste er seine Schwester angestarrt haben, bis die Erkenntnis, die Panik sein Gemüt ergriff und er sich von ihr losriss. Wie vehement musste sie ihn festgehalten haben, um ihn von den dümmsten, gefährlichsten Entscheidungen in seinem Leben abzuhalten, denn alle Freude der vergangenen Stunden war auf Glatteis gelaufen. Leif wusste nicht, wo Valda war. Er wusste nicht, ob sie in Gefahr war. Er wusste nicht, wer sie entdeckt hatte. Und er wusste nicht, was er dem Wurm antun würde, wenn er ihn in die Finger bekam. <br />
<br />
Dass er jetzt durch die Burg lief, mit ungezügelter, roher Gewalt in seinem Schritt, die seinesgleichen suchte, machte überhaupt keinen Sinn. Er musste da unten sein. Egal, wie Reinka gedachte, nach Valda und Sanna zu suchen, er würde es besser machen, er <i>musste</i> es besser machen, er musste-....<br />
Die Tür hinter Reinka fiel ins Schloss und Leif fand sich in ihrem alten Zimmer wieder, das noch genauso aussah wie vor ihrer Hochzeit. Natürlich, niemand rührte ihre Sachen an, wenn sie einmal im Monat zu Besuch vorbeikam und Mutter jeden zur Sau machte, der dachte, das Zimmer zu renovieren. Unter anderen Umständen hätte er sie dafür aufgezogen, dass sie ihren Sinn für Ordnung scheinbar auch in der Ehe noch nicht gefunden hatte, doch Leif plagten andere Sorgen. Welche von solch einer Größenordnung, dass er gar nicht wusste, wie er ihnen Herr werden sollte. Sein Kopf ein einziges Chaos, stand er nur verloren im Raum, die Hände unruhig immer wieder zu Fäusten ballend und wieder entspannend. Dass ihm die Stille nicht gut tat, sah man an dem arbeitenden Schläfenmuskel. Er wusste, dass er irgendwann mit seiner Schwester über das <i>Geheimnis</i> reden musste. Wenn sie ihn nicht schon für den Verrat gegenüber der Familie verurteilte, dann dafür, dass er nie ein Wort über seine Tochter verloren hatte - nicht einmal an sie, die ihm am nächsten stand und ihn besser kannte, als er sich selbst. Aber sein Kopf verarbeitete gerade alles, nur nicht den Bruch zwischen Geschwistern, und er…<br />
<font color="#CAC9FD">“...was mach ich eigentlich hier?”</font> Valda brauchte ihn und er hatte sich in die Burg ziehen lassen. Mit plötzlicher Dringlichkeit drehte sich Leif auf dem Absatz um und wollte Reinka schon zur Seite schieben, im Inbegriff, das Zimmer wieder zu verlassen.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dance the Night away]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=640</link>
			<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 07:47:36 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=59">Aurelia Marsili</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=640</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/8a/b2/86/8ab2865f8674626dfa072e4a65d18440.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;">And she carves her Hips into mine<br />
<div style="font-size:14px;font-family:''">like she's an Artist and I'm something holy.</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/e0872c99b79b9747cff49fe8fbee6619/tumblr_inline_ocyi3tympb1sei9q3_250.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Wer in King’s Portal keiner Hochzeit beigewohnt hatte, der hatte nie gelebt.<br />
Das behaupteten nicht nur die gebürtigen Castandorier einerlei, sondern auch alle Glücklichen, die einmal zu einer Hochzeit geladen wurden oder von ihrem Gästezimmer aus hatten beobachten dürfen, wie die Feierlichkeiten bei Feuer und freiem Himmel bis in die späten Morgenstunden reichten. Über Hochzeiten wurden Kriegsbeile vergraben, alte Konflikte beiseite gelegt und Fremde behandelten sich wie Familie - eine Seltenheit in der Großstadt, wo manche nicht einmal die Namen der Nachbarn wussten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob man direkt an der Hochzeit teilnahm oder sich nur den vielen Feiern in der gesamten Hauptstadt anschloss, die organisiert wurden, wann immer es etwas <i>Großes</i> zu feiern gab - wie etwa der Bund von zwei Königsfamilien. Manch einer behauptete sogar, dass das einfache Volk dem Adel etwas voraus hatte. Sie kannten keine Grenzen, wenn es ums Feiern ging. Man zwängte sie in keine soziale Norm, die sie davon abhalten würde, den Körper im Rhythmus eines Fremden zu wiegen und mit dem Voranschreiten der Nacht mehr und mehr Kleider zu verlieren. Getanzt wurde, bis die Füße durch die Sohlen den Boden küssten und das Haar wallend über nackte Schultern fiel. Musiziert wurde mit Lyra und Tambourin von jedem, der die Instrumente in die Finger bekam, gesungen und gelacht. Das Lachen besonders schallte aus allen Ecken der Hauptstadt, aber nur ein Lachen füllte den Marktplatz mit Leben. Die Marsili-Schwestern standen inmitten des Geschehens und sie teilten sich das Lachen, das den Himmel noch ein wenig heller scheinen ließ.<br />
Mit solchen Feiern ging Aurelia auf. Sie konnte sich über ihre Heimat beschweren, so viel sie wollte, aber wenn sie umgeben von Menschen war, Familie, Freunde, Bekannte und Fremde gleichermaßen, dann strahlte sie von innen heraus, als würde ihre Lebensenergie von all den Seelen gefüttert, die sie in ihrer Mitte Willkommen hießen. Sie stand gerne in der Mitte. Sie wurde gerne bejubelt, wenn sie den Musikanten dazu anhielt, ein fröhliches Lied anzustimmen, auf das sie singen konnte. Ihr Rock bauschte auf, wenn sie sich drehte und längst hatte sie die Brosche verloren, die den Stoff über ihrer rechten Schulter zusammenhielt. Immer wieder nahm sie die Becher mit tiefroter Flüssigkeit von bekannten und unbekannten Gesichtern an, bis sich alles in einer angenehmen Geschwindigkeit drehte - oder vielleicht kam das auch von den Drehungen, während sie lachend in die Arme von einem Seemann zum anderen stolperte. <br />
Auch trug sie auf ihren Lippen mehrere Geschmäcker. Der pudrige Geschmack des Lippenstiftes war längst verflogen, so wie die Hemmungen des frühen Abends mit dem rauchigen Alkohol, der regelmäßig ihre Lippen benetzte. Dann war da der Seemann aus Farynn gewesen mit dem roten Haar. Und der sommerländische Soldat, der sie herumgewirbelt und zu sich gezogen hatte in dem schönsten Tanz schneller Herzschläge. Aurelias Vater drückte ein Auge zu, so wie jeder Vater und jeder Ehemann in der Hauptstadt - ein unausgesprochenes Gesetz, das unter den Augen von Heofader gebogen wurde, solange es nur keine Langzeitfolgen hinterließ. Solange das Feuer brannte, war alles erlaubt.<br />
Lachend und außer Puste strauchelte Aurelia aus der tanzenden Menge heraus, ihre Haare ein einzelner Wildfang im Schein der Flammen, schwer über das nackte Dekolletee fallend, wo sich ihr Stoff noch an den letzten Halt klammerte. Während sie notdürftig den Stoff über ihre Schulter warf, suchten leuchtende Augen nach einem bekannten Gesicht. Ah, bitte. Gleich zwei, die sie kannte.<br />
<font color="#df97ab">“Huh, ich glaub meine Füße fallen gleich ab.”</font> Etwas abseits der Feier - abseits genug, um sich zu sammeln und eine Auszeit zu nehmen - fand sie natürlich Skadi, auch wenn sie hätte schwören können, dass sie vor zwei Minuten noch unter den Feiernden gewesen war. Leichtfüßiger, als sie sich fühlte, schwang sie sich neben sie auf die kleine Mauererhebung, ließ sich dann aber sichtbar dramatisch nach hinten ins Gras fallen. <font color="#df97ab">“Ich bin echt keine 20 mehr. Wie haben wir das früher nur gemacht?”</font> Es war Beschweren auf hohem Niveau, waren ihre Worte doch immer noch gespickt mit einem freien, sorgenlosen Lächeln, während sie versuchte, die Sterne über sich zu fokussieren. Scheinbar ins Nichts schien sie schließlich zu winken, dabei wusste sie genau, wen sie ebenfalls in den Halbschatten gesehen hatte: Deswegen rief sie gleich: <font color="#df97ab">“Caeus! Komm kurz her.”</font> Ihr Kopf rollte zur Seite, wo sich ihr Haar um sie verteilt hatte wie ein Kranz, und mit einem Grinsen beobachtete sie den Söldner, wie er ihrem Rufen folgte. <font color="#df97ab">“Und? Ist dein erstes Mal auf einer Hochzeit hier, nicht?”</font> Dass ihr Rock verrutschte, als sie ihre Beine anwinkelte und ihre Füße auf die Mauer stemmte, das kam ihr natürlich nicht in den Sinn. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/8a/b2/86/8ab2865f8674626dfa072e4a65d18440.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;">And she carves her Hips into mine<br />
<div style="font-size:14px;font-family:''">like she's an Artist and I'm something holy.</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/e0872c99b79b9747cff49fe8fbee6619/tumblr_inline_ocyi3tympb1sei9q3_250.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Wer in King’s Portal keiner Hochzeit beigewohnt hatte, der hatte nie gelebt.<br />
Das behaupteten nicht nur die gebürtigen Castandorier einerlei, sondern auch alle Glücklichen, die einmal zu einer Hochzeit geladen wurden oder von ihrem Gästezimmer aus hatten beobachten dürfen, wie die Feierlichkeiten bei Feuer und freiem Himmel bis in die späten Morgenstunden reichten. Über Hochzeiten wurden Kriegsbeile vergraben, alte Konflikte beiseite gelegt und Fremde behandelten sich wie Familie - eine Seltenheit in der Großstadt, wo manche nicht einmal die Namen der Nachbarn wussten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob man direkt an der Hochzeit teilnahm oder sich nur den vielen Feiern in der gesamten Hauptstadt anschloss, die organisiert wurden, wann immer es etwas <i>Großes</i> zu feiern gab - wie etwa der Bund von zwei Königsfamilien. Manch einer behauptete sogar, dass das einfache Volk dem Adel etwas voraus hatte. Sie kannten keine Grenzen, wenn es ums Feiern ging. Man zwängte sie in keine soziale Norm, die sie davon abhalten würde, den Körper im Rhythmus eines Fremden zu wiegen und mit dem Voranschreiten der Nacht mehr und mehr Kleider zu verlieren. Getanzt wurde, bis die Füße durch die Sohlen den Boden küssten und das Haar wallend über nackte Schultern fiel. Musiziert wurde mit Lyra und Tambourin von jedem, der die Instrumente in die Finger bekam, gesungen und gelacht. Das Lachen besonders schallte aus allen Ecken der Hauptstadt, aber nur ein Lachen füllte den Marktplatz mit Leben. Die Marsili-Schwestern standen inmitten des Geschehens und sie teilten sich das Lachen, das den Himmel noch ein wenig heller scheinen ließ.<br />
Mit solchen Feiern ging Aurelia auf. Sie konnte sich über ihre Heimat beschweren, so viel sie wollte, aber wenn sie umgeben von Menschen war, Familie, Freunde, Bekannte und Fremde gleichermaßen, dann strahlte sie von innen heraus, als würde ihre Lebensenergie von all den Seelen gefüttert, die sie in ihrer Mitte Willkommen hießen. Sie stand gerne in der Mitte. Sie wurde gerne bejubelt, wenn sie den Musikanten dazu anhielt, ein fröhliches Lied anzustimmen, auf das sie singen konnte. Ihr Rock bauschte auf, wenn sie sich drehte und längst hatte sie die Brosche verloren, die den Stoff über ihrer rechten Schulter zusammenhielt. Immer wieder nahm sie die Becher mit tiefroter Flüssigkeit von bekannten und unbekannten Gesichtern an, bis sich alles in einer angenehmen Geschwindigkeit drehte - oder vielleicht kam das auch von den Drehungen, während sie lachend in die Arme von einem Seemann zum anderen stolperte. <br />
Auch trug sie auf ihren Lippen mehrere Geschmäcker. Der pudrige Geschmack des Lippenstiftes war längst verflogen, so wie die Hemmungen des frühen Abends mit dem rauchigen Alkohol, der regelmäßig ihre Lippen benetzte. Dann war da der Seemann aus Farynn gewesen mit dem roten Haar. Und der sommerländische Soldat, der sie herumgewirbelt und zu sich gezogen hatte in dem schönsten Tanz schneller Herzschläge. Aurelias Vater drückte ein Auge zu, so wie jeder Vater und jeder Ehemann in der Hauptstadt - ein unausgesprochenes Gesetz, das unter den Augen von Heofader gebogen wurde, solange es nur keine Langzeitfolgen hinterließ. Solange das Feuer brannte, war alles erlaubt.<br />
Lachend und außer Puste strauchelte Aurelia aus der tanzenden Menge heraus, ihre Haare ein einzelner Wildfang im Schein der Flammen, schwer über das nackte Dekolletee fallend, wo sich ihr Stoff noch an den letzten Halt klammerte. Während sie notdürftig den Stoff über ihre Schulter warf, suchten leuchtende Augen nach einem bekannten Gesicht. Ah, bitte. Gleich zwei, die sie kannte.<br />
<font color="#df97ab">“Huh, ich glaub meine Füße fallen gleich ab.”</font> Etwas abseits der Feier - abseits genug, um sich zu sammeln und eine Auszeit zu nehmen - fand sie natürlich Skadi, auch wenn sie hätte schwören können, dass sie vor zwei Minuten noch unter den Feiernden gewesen war. Leichtfüßiger, als sie sich fühlte, schwang sie sich neben sie auf die kleine Mauererhebung, ließ sich dann aber sichtbar dramatisch nach hinten ins Gras fallen. <font color="#df97ab">“Ich bin echt keine 20 mehr. Wie haben wir das früher nur gemacht?”</font> Es war Beschweren auf hohem Niveau, waren ihre Worte doch immer noch gespickt mit einem freien, sorgenlosen Lächeln, während sie versuchte, die Sterne über sich zu fokussieren. Scheinbar ins Nichts schien sie schließlich zu winken, dabei wusste sie genau, wen sie ebenfalls in den Halbschatten gesehen hatte: Deswegen rief sie gleich: <font color="#df97ab">“Caeus! Komm kurz her.”</font> Ihr Kopf rollte zur Seite, wo sich ihr Haar um sie verteilt hatte wie ein Kranz, und mit einem Grinsen beobachtete sie den Söldner, wie er ihrem Rufen folgte. <font color="#df97ab">“Und? Ist dein erstes Mal auf einer Hochzeit hier, nicht?”</font> Dass ihr Rock verrutschte, als sie ihre Beine anwinkelte und ihre Füße auf die Mauer stemmte, das kam ihr natürlich nicht in den Sinn. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[velvet nights & silent schemes]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=636</link>
			<pubDate>Sun, 01 Dec 2024 15:51:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=105">Zariyah Silk</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=636</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.postimg.cc/4y0Z2v1g/nadir-szene.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Die letzten Tage hatte Zariyah kaum Ruhe gefunden. Immer wieder drängte sich der Gedanke an diesen einen Kunden in ihren Kopf, an den Mann, der vor wenigen Tagen in ihr Leben getreten war, seine Augen wie funkelnde Dolche, seine Präsenz wie ein Sturm. Als er sie verließ, hatte er irgendetwas von ihr mit sich genommen – etwas, das die Mechanismen ihrer Profession durcheinanderbrachte. Der Gedanke, dass er sie durchschauen könnte, dass er etwas in ihr sah, das niemand je bemerkt hatte, ließ sie nicht los. Ein unbekannter Schmerz nagte an ihr, und der Widerstand gegen die ungewöhnlichen, verbotenen Gefühle, die dieser Mann in ihr hervorrief, brachte ihre Zellen zum Brennen.<br />
<br />
Diese Begegnung beschäftigte sie bis heute so sehr, dass sie sich kaum auf das konzentrieren konnte, was sie tat. Ihr Körper reagierte noch immer unwillkürlich, als sie sich an die Erinnerung klammerte, aber sie verdrängte die zarten Regungen tief in sich. Gefühle, die nicht in ihre Welt passten. Sie atmete tief durch, um sich wieder zu sammeln, und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Raum zu, in dem sie sich jetzt befand.<br />
<br />
Die schweren, elfenbeinfarbenen Tücher, die elegant von der gewölbten Decke des Boudoirs herabhingen, wiegten sich leicht in der warmen Luft. Zaryiah strich mit den Fingern über die seidigen Stoffbahnen, prüfte die Spannung und richtete eine letzte Schlaufe, die perfekt in Augenhöhe schwebte. Sie wusste, wie sehr Nadir es liebte, sie in der Luft zu sehen, schwerelos, wie eine Göttin, die ihm einen flüchtigen Blick auf ein Jenseits schenkte, das sie nie ganz erreichen würden. Heute würde sie ihm diese Illusion erneut schenken, doch wie immer nicht ohne Hintergedanken.<br />
<br />
Das Zimmer war erfüllt von einem betörenden Duft nach Sandelholz und Rosen, der aus den filigranen Messinggefäßen mit glimmenden Kohlen aufstieg. Gedämpftes Licht fiel durch die farbigen Glasfenster und malte Muster aus Purpur, Gold und Smaragd auf die weichen Kissen und Teppiche, die den Boden bedeckten. In einer Ecke plätscherte leise ein Brunnen, dessen Wasser über Marmor lief und für eine beinahe tranceartige Ruhe sorgte. Es war eine Welt fernab der Realität, geschaffen, um zu verführen, zu täuschen – und zu hören.<br />
<br />
Zaryiah ließ sich auf einen Stapel weicher Kissen sinken und betrachtete ihr Spiegelbild in der polierten Silberschale gegenüber. Das hauchzarte <a href="https://i.postimg.cc/dQNq0vcx/DALL-E-2024-12-01-15-15-42-A-stunning-purple-dress-with-an-Arabian-Oriental-design-featuring-intr.webp" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Gewand</span></a>, das sie trug, fiel in lasziven Falten über ihre schmale Gestalt. Der Stoff war gerade so dicht gewebt, dass er mehr verbarg, als es zeigte, und dennoch war er durchscheinend genug, um die königliche Fantasie anzuregen. Purpur, seine Lieblingsfarbe, ließ ihre bronzene Haut wie poliertes Kupfer wirken, die goldenen Ornamente machten aus einer gewöhnlichen Hure für eine Nacht eine edle Frau. Am rechten Oberarm schimmerten die filigranen Zwillingsreifen in schönstem Gold, ein Geschenk von ihm – eines, das sie mit Bedacht trug, denn es erzählte ihm, dass sie ihn nicht vergessen hatte. Und dennoch war Zaryiah alles andere als das, was sie ihm zeigte. Die vertraute Wärme, die sie für seine Gesellschaft empfand, vermochte nicht, die kühle Klarheit zu vertreiben, die tief in ihr Wurzeln geschlagen hatte. Jeder Besuch war eine Gelegenheit, ein Faden im Netz aus Geheimnissen, das sie um sich spannte. Aber manchmal, so wie heute, wünschte sie, dass sie einfach nur Zaryiah sein könnte, die junge Frau, die sich auf den Besuch eines verehrten Stammkunden freute.<br />
<br />
Die Minuten zogen sich dahin, während sie das Arrangement des Raumes ein letztes Mal mit prüfendem Blick betrachtete. Die niedrige Tafel mit den Trauben und Datteln, die Karaffe mit dem süßen Wein – alles war perfekt. Sie lehnte sich zurück, die schlanken Finger auf den Kissen ruhend, und lauschte auf die Geräusche außerhalb des Zimmers. Schritte näherten sich, dumpf gedämpft vom dicken Teppich des Flurs. Ein leises Klopfen ertönte. Zaryiah richtete sich auf, zog die Schultern zurück und legte ein sanftes, beinahe träges Lächeln auf. Die Tür öffnete sich, und eine der jungen Dienerinnen trat ein. Sie senkte den Blick, bevor sie mit einer geschmeidigen Bewegung zur Seite trat, um Platz zu machen.<br />
<br />
<b>„Da seid Ihr ja, <i>ameeri</i>“</b>, sagte sie leise, bevor sie sich erhob und in geschmeidigen, angemessen tiefen Knicks verfiel, den Kopf geneigt, wie es seiner hochgeborenen Stellung geziemte.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.postimg.cc/4y0Z2v1g/nadir-szene.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Die letzten Tage hatte Zariyah kaum Ruhe gefunden. Immer wieder drängte sich der Gedanke an diesen einen Kunden in ihren Kopf, an den Mann, der vor wenigen Tagen in ihr Leben getreten war, seine Augen wie funkelnde Dolche, seine Präsenz wie ein Sturm. Als er sie verließ, hatte er irgendetwas von ihr mit sich genommen – etwas, das die Mechanismen ihrer Profession durcheinanderbrachte. Der Gedanke, dass er sie durchschauen könnte, dass er etwas in ihr sah, das niemand je bemerkt hatte, ließ sie nicht los. Ein unbekannter Schmerz nagte an ihr, und der Widerstand gegen die ungewöhnlichen, verbotenen Gefühle, die dieser Mann in ihr hervorrief, brachte ihre Zellen zum Brennen.<br />
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Diese Begegnung beschäftigte sie bis heute so sehr, dass sie sich kaum auf das konzentrieren konnte, was sie tat. Ihr Körper reagierte noch immer unwillkürlich, als sie sich an die Erinnerung klammerte, aber sie verdrängte die zarten Regungen tief in sich. Gefühle, die nicht in ihre Welt passten. Sie atmete tief durch, um sich wieder zu sammeln, und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Raum zu, in dem sie sich jetzt befand.<br />
<br />
Die schweren, elfenbeinfarbenen Tücher, die elegant von der gewölbten Decke des Boudoirs herabhingen, wiegten sich leicht in der warmen Luft. Zaryiah strich mit den Fingern über die seidigen Stoffbahnen, prüfte die Spannung und richtete eine letzte Schlaufe, die perfekt in Augenhöhe schwebte. Sie wusste, wie sehr Nadir es liebte, sie in der Luft zu sehen, schwerelos, wie eine Göttin, die ihm einen flüchtigen Blick auf ein Jenseits schenkte, das sie nie ganz erreichen würden. Heute würde sie ihm diese Illusion erneut schenken, doch wie immer nicht ohne Hintergedanken.<br />
<br />
Das Zimmer war erfüllt von einem betörenden Duft nach Sandelholz und Rosen, der aus den filigranen Messinggefäßen mit glimmenden Kohlen aufstieg. Gedämpftes Licht fiel durch die farbigen Glasfenster und malte Muster aus Purpur, Gold und Smaragd auf die weichen Kissen und Teppiche, die den Boden bedeckten. In einer Ecke plätscherte leise ein Brunnen, dessen Wasser über Marmor lief und für eine beinahe tranceartige Ruhe sorgte. Es war eine Welt fernab der Realität, geschaffen, um zu verführen, zu täuschen – und zu hören.<br />
<br />
Zaryiah ließ sich auf einen Stapel weicher Kissen sinken und betrachtete ihr Spiegelbild in der polierten Silberschale gegenüber. Das hauchzarte <a href="https://i.postimg.cc/dQNq0vcx/DALL-E-2024-12-01-15-15-42-A-stunning-purple-dress-with-an-Arabian-Oriental-design-featuring-intr.webp" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Gewand</span></a>, das sie trug, fiel in lasziven Falten über ihre schmale Gestalt. Der Stoff war gerade so dicht gewebt, dass er mehr verbarg, als es zeigte, und dennoch war er durchscheinend genug, um die königliche Fantasie anzuregen. Purpur, seine Lieblingsfarbe, ließ ihre bronzene Haut wie poliertes Kupfer wirken, die goldenen Ornamente machten aus einer gewöhnlichen Hure für eine Nacht eine edle Frau. Am rechten Oberarm schimmerten die filigranen Zwillingsreifen in schönstem Gold, ein Geschenk von ihm – eines, das sie mit Bedacht trug, denn es erzählte ihm, dass sie ihn nicht vergessen hatte. Und dennoch war Zaryiah alles andere als das, was sie ihm zeigte. Die vertraute Wärme, die sie für seine Gesellschaft empfand, vermochte nicht, die kühle Klarheit zu vertreiben, die tief in ihr Wurzeln geschlagen hatte. Jeder Besuch war eine Gelegenheit, ein Faden im Netz aus Geheimnissen, das sie um sich spannte. Aber manchmal, so wie heute, wünschte sie, dass sie einfach nur Zaryiah sein könnte, die junge Frau, die sich auf den Besuch eines verehrten Stammkunden freute.<br />
<br />
Die Minuten zogen sich dahin, während sie das Arrangement des Raumes ein letztes Mal mit prüfendem Blick betrachtete. Die niedrige Tafel mit den Trauben und Datteln, die Karaffe mit dem süßen Wein – alles war perfekt. Sie lehnte sich zurück, die schlanken Finger auf den Kissen ruhend, und lauschte auf die Geräusche außerhalb des Zimmers. Schritte näherten sich, dumpf gedämpft vom dicken Teppich des Flurs. Ein leises Klopfen ertönte. Zaryiah richtete sich auf, zog die Schultern zurück und legte ein sanftes, beinahe träges Lächeln auf. Die Tür öffnete sich, und eine der jungen Dienerinnen trat ein. Sie senkte den Blick, bevor sie mit einer geschmeidigen Bewegung zur Seite trat, um Platz zu machen.<br />
<br />
<b>„Da seid Ihr ja, <i>ameeri</i>“</b>, sagte sie leise, bevor sie sich erhob und in geschmeidigen, angemessen tiefen Knicks verfiel, den Kopf geneigt, wie es seiner hochgeborenen Stellung geziemte.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Imagine how the world could be, so very fine]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=606</link>
			<pubDate>Sun, 03 Nov 2024 14:08:35 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=2">Aleena Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=606</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/9a/f5/b5/9af5b50c16fb3fc035b1e885292812da.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">Imagine how the world could be, so very fine<br />
<div style="font-size:18px;">So happy together</div>
</div>
Unruhig trat die junge Prinzessin von einem Fuß auf den anderen und fragte sich urplötzlich, ob ihr sogar das Stehen in wenigen Monaten schon Probleme bereiten würde. Doch auch wenn die Antwort ein klares 'ja' wäre, konnte sie in diesem Moment kaum glücklicher sein. Ohne darüber nachzudenken legte sie die Hände auf ihren flachen Bauch und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Dass dieser Tag heute endlich gekommen war konnte sie kaum glauben. Während draußen das Schneegestöber immer weiter zunahm und die Sicht bis in die kargen Gärten verschleierte, knisterte drinnen ein gemütliches Feuer im Kamin, um das sich die besorgten Diener und Dienerinnen kümmerten. Mit Mäuschenschritten legten sie immer neues Holz nach, sorgten dafür, dass das Feuer unnachgiebig brannte und dass nichts von den gefährlichen Dämpfen in den Speiseraum zog, in dem sich gleich die gesamte Familie aufhalten würde. Leif und Aleena hatten zu einem Abendessen geladen. Nicht, dass sich einer von ihnen selbst an ein Feuer zum Kochen gestellt hätte, doch sie haben zumindest ein Festmahl in Auftrag gegeben. Während fleißig der Tisch gedeckt wurde beobachtete Aleena die vielen Menschen, die an diesem Essen beteiligt sein würden, ohne dazu zu gehören. Sie alle hatten Familie, vielleicht sogar Kinder, um die sie sich sorgten. Oder Geschwister. Vielleicht sogar kranke Eltern, die sie nebenbei noch versorgen mussten. Und ohne dass sie bemerkt hätte, was ihr gerade passiert, stiegen ihr die Tränen in die Augen. Seit einigen Tagen war die junge Frau noch emotionaler als sonst und musste immer wieder mit den Tränen ringen. Sie wusste, dass ihr Ehemann nicht besonders gut mit solchen Gefühlen umgehen konnte, also versuchte sie die aufkeimende Trauer direkt nieder zu ringen. Meistens funktioniert das recht gut, wenn sie bedachte, warum sie überhaupt so sentimental war. <br />
<br />
Mit einem breiten Grinsen rückte sie hier einen Stuhl zurecht, legte dort eine Gabel etwas weiter nach links und ließ nach einem gekonnten Blick über den Glasrand noch eines der Weingläser austauschen. Heute sollte alles perfekt sein. In wenigen Minuten würde der Rest ihrer Familie kommen und dann endlich die guten Neuigkeiten erfahren. Aleena war schon seit Tagen aufgeregt, wenn sie daran dachte, dass sie diejenige war, die ihnen endlich die lang erwartete Neuigkeit verkünden konnte. Sie war schwanger! Nach vier langen Jahren der Ehe ohne einen Erben oder eine Erbin erwartete sie nun endlich ihr erstes Kind. Obwohl der Bauch noch genauso flach war wie eh und je, spürte sie, dass sich etwas verändert hatte. Das Kleid mit der integrierten Korsage war vor allem oben drum deutlich unangenehmer als sonst und Aleena musste immer wieder den Stoff etwas hin und her schieben, weil alles irgendwie drückte. Außerdem meinte sie, dass sie schon eine Veränderung an ihren Haaren feststellen konnte, weshalb sie sie heute extra offen trug. Normalerweise sah man die junge Kronprinzessin nur mit aufwendigen Hochsteckfrisuren, doch heute trug sie ihre sanften Locken offen über den Schultern. Alle Welt sollte sehen, wie sehr die Stelhammer erstrahlte! <br />
<br />
Quietschend hüpfte sie von einem Bein aufs Andere, während sie die Köpfe mit ihrer Zofe und besten Freundin zusammensteckte. "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Endlich</span>", flüsterten sie beide und hielten sich an den Händen. Wenigstens einer, der die Art sich zu freuen mit der jungen Frau teilte. Die Winterländer waren alle eher darauf beschränkt Trinksprüche zu bringen oder einem mit seinen Pranken auf die Schulter zu klopfen. <br />
<br />
Immer wieder musste sich Aleena die schwitzigen Hände an ihrem blauen Kleid abwischen. Jetzt musste es jeden Moment so sein! Bald müssten alle Eingeladenen in das Speisezimmer strömen und dann wäre endlich dieser eine Moment gekommen. Der Moment, in dem sie sich hoffentlich alle vor Freude weinend in den Armen lagen... Oder sich eben einfach nur auf die Schulter klopften und den nächsten Met herunter stürzten. Wie auch immer. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/9a/f5/b5/9af5b50c16fb3fc035b1e885292812da.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">Imagine how the world could be, so very fine<br />
<div style="font-size:18px;">So happy together</div>
</div>
Unruhig trat die junge Prinzessin von einem Fuß auf den anderen und fragte sich urplötzlich, ob ihr sogar das Stehen in wenigen Monaten schon Probleme bereiten würde. Doch auch wenn die Antwort ein klares 'ja' wäre, konnte sie in diesem Moment kaum glücklicher sein. Ohne darüber nachzudenken legte sie die Hände auf ihren flachen Bauch und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Dass dieser Tag heute endlich gekommen war konnte sie kaum glauben. Während draußen das Schneegestöber immer weiter zunahm und die Sicht bis in die kargen Gärten verschleierte, knisterte drinnen ein gemütliches Feuer im Kamin, um das sich die besorgten Diener und Dienerinnen kümmerten. Mit Mäuschenschritten legten sie immer neues Holz nach, sorgten dafür, dass das Feuer unnachgiebig brannte und dass nichts von den gefährlichen Dämpfen in den Speiseraum zog, in dem sich gleich die gesamte Familie aufhalten würde. Leif und Aleena hatten zu einem Abendessen geladen. Nicht, dass sich einer von ihnen selbst an ein Feuer zum Kochen gestellt hätte, doch sie haben zumindest ein Festmahl in Auftrag gegeben. Während fleißig der Tisch gedeckt wurde beobachtete Aleena die vielen Menschen, die an diesem Essen beteiligt sein würden, ohne dazu zu gehören. Sie alle hatten Familie, vielleicht sogar Kinder, um die sie sich sorgten. Oder Geschwister. Vielleicht sogar kranke Eltern, die sie nebenbei noch versorgen mussten. Und ohne dass sie bemerkt hätte, was ihr gerade passiert, stiegen ihr die Tränen in die Augen. Seit einigen Tagen war die junge Frau noch emotionaler als sonst und musste immer wieder mit den Tränen ringen. Sie wusste, dass ihr Ehemann nicht besonders gut mit solchen Gefühlen umgehen konnte, also versuchte sie die aufkeimende Trauer direkt nieder zu ringen. Meistens funktioniert das recht gut, wenn sie bedachte, warum sie überhaupt so sentimental war. <br />
<br />
Mit einem breiten Grinsen rückte sie hier einen Stuhl zurecht, legte dort eine Gabel etwas weiter nach links und ließ nach einem gekonnten Blick über den Glasrand noch eines der Weingläser austauschen. Heute sollte alles perfekt sein. In wenigen Minuten würde der Rest ihrer Familie kommen und dann endlich die guten Neuigkeiten erfahren. Aleena war schon seit Tagen aufgeregt, wenn sie daran dachte, dass sie diejenige war, die ihnen endlich die lang erwartete Neuigkeit verkünden konnte. Sie war schwanger! Nach vier langen Jahren der Ehe ohne einen Erben oder eine Erbin erwartete sie nun endlich ihr erstes Kind. Obwohl der Bauch noch genauso flach war wie eh und je, spürte sie, dass sich etwas verändert hatte. Das Kleid mit der integrierten Korsage war vor allem oben drum deutlich unangenehmer als sonst und Aleena musste immer wieder den Stoff etwas hin und her schieben, weil alles irgendwie drückte. Außerdem meinte sie, dass sie schon eine Veränderung an ihren Haaren feststellen konnte, weshalb sie sie heute extra offen trug. Normalerweise sah man die junge Kronprinzessin nur mit aufwendigen Hochsteckfrisuren, doch heute trug sie ihre sanften Locken offen über den Schultern. Alle Welt sollte sehen, wie sehr die Stelhammer erstrahlte! <br />
<br />
Quietschend hüpfte sie von einem Bein aufs Andere, während sie die Köpfe mit ihrer Zofe und besten Freundin zusammensteckte. "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Endlich</span>", flüsterten sie beide und hielten sich an den Händen. Wenigstens einer, der die Art sich zu freuen mit der jungen Frau teilte. Die Winterländer waren alle eher darauf beschränkt Trinksprüche zu bringen oder einem mit seinen Pranken auf die Schulter zu klopfen. <br />
<br />
Immer wieder musste sich Aleena die schwitzigen Hände an ihrem blauen Kleid abwischen. Jetzt musste es jeden Moment so sein! Bald müssten alle Eingeladenen in das Speisezimmer strömen und dann wäre endlich dieser eine Moment gekommen. Der Moment, in dem sie sich hoffentlich alle vor Freude weinend in den Armen lagen... Oder sich eben einfach nur auf die Schulter klopften und den nächsten Met herunter stürzten. Wie auch immer. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[What will your pleasure be?]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=595</link>
			<pubDate>Thu, 31 Oct 2024 12:45:38 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=60">Yasirah ben Sahid</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=595</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/33/82/0b/33820b6e55e222f967a7f6ce244b3948.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">What will your pleasure be?<br />
<div style="font-size:18px;">answer all your midnight prayers</div>
</div>
<br />
Ein weitere Tag zwischen Besprechungen, Planungen, Anschuldigungen und kritischen Blicken ging zu Ende. Die Sonne war in einem blutroten Himmel untergegangen und ließ das Sommerland brütend und schwitzend in seinem Elend zurück. So wie jeden Tag. Es war ein unendlicher Kreislauf voller Tränen, Verzweiflung und Wut, dem Yasirah einfach nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Sie wusste, dass es eng werden würde. Sie wusste, dass sie ihren König brauchten. Einen Regenten, der dem Volk Mut machte, der sie dazu anhielt weiter zu kämpfen, obwohl es schier aussichtslos zu sein schien. Jemand, zu dem sie aufsehen konnten und nicht jemanden, den sie mit all' ihrem Leben verachteten. Die Stimmung in ihrem Land war aufgeheizt. Lange Zeit haben sie gedacht, dass sich das von alleine legen würde, dass das Land sowieso zu schwach wäre sich zu erheben. Wie sich Yasirah und Ridvan da nur getäuscht hatten. Und jetzt? Jetzt schien alles zu spät. Ihr Körnig, Yasirahs Ehemann, litt unter seinem eigenen vom Opium vernebelten Geist, geplagt von Paranoia und Ängsten, die selbst durch die sanften Hände seiner Ehefrau nicht gelindert werden konnten. Immer wieder hat sie es versucht, hat versucht zu ihm durchzudringen, ihn zu bitten endlich aufzuwachen. Doch die Wand um seinen Geist war zu hoch. Die Angst viel zu übermächtig. Sie war auf sich alleine gestellt. <br />
<br />
Wochen vergingen. Irgendwann Monate. Mittlerweile herrschte dieser Zustand schon länger als ein ganzes Jahr. Immer wieder vertröstete sie die Berater, die ihr mittlerweile nur noch kritische Blicke zuwarfen und sich nur aus reiner Loyalität zum König noch nicht abgewendet haben, denn... eine Frau an der Spitze war undenkbar. Niemand würde auf sie hören. Sie war zum Kinder gebären und zum Tanzen da. Schleier sollten ihr Gesicht und ihren nackten Körper umhüllen, während ihr Lebensinhalt war die Männer in diesem Land zu beglücken. Keine Sklavin, denn dafür waren ihre Schatzkammern zu prall gefüllt, aber doch eine Gefangene. Eine Gefangene ihrer eigenen Kultur. Ihres eigenen Geschlechts. Niemals würde eine Frau als Königin dieses Landes akzeptiert werden, so viel stand fest. <br />
<br />
Seit langer Zeit schon kämpfte Yasirah mit ihren ruhelosen Gedanken. Pläne über Pläne waren geschmiedet worden und dann doch verworfen. Es gab nur wenig Menschen, denen sie vertraute und mit denen sie reden konnte. Naila, ihre eigene Tochter, hatte mitunter die besten Ratschläge gehabt, doch war sie nun fort, um ihr eigenes Leben an der Spitze eines Landes zu beginnen. Ismeth, der Berater, dem sie vor wenigen Monaten verfallen war, war nur ein einfacher Züchter und Händler. Obwohl seine Zunge und seine Finger fantastisches leisten konnten, war er nicht dazu in der Lage ihr aus ihrem Dilemma zu helfen. Er konnte für Ablenkung sorgen, ihr Glücksgefühle schenken, von denen sie nicht mehr dachte sie jemals fühlen zu können, doch ihre Seele heilen konnte selbst er nicht. Egal wie sie es drehte und wendete, das Ergebnis war immer das Gleiche: Ridvan musste sterben. Das war die einzige Möglichkeit um dieses Land zu retten. Fayyad, Yasirahs erstgeborener Sohn, wurde schon sein ganzes Leben auf diesen Moment vorbereitet. Er würde herrschen und er würde es gut machen. Er würde es hoffentlich besser machen, als alle zuvor. Er würde endlich der König sein, den dieses Land brauchte... Falls sie denn noch alle so lange durchhielten.<br />
<br />
Seufzen ließ sich die Königin auf eine große Schaukel voller weicher Kissen sinken. In dieser kleinen Oase inmitten ihrer Gärten fand sie Ruhe. Jedenfalls so viel Ruhe, wie sie in ihrer Situation eben finden konnte. Palmen verdeckten den Blick auf die gebrochene Königin, während Wasserspeier für leises Plätschern sorgten. Obwohl die Sonne längst untergegangen war, war es beinahe unerträglich heiß, weswegen lediglich ein leichtes Satin-Kleid ihren schlanken Körper bedeckte, jedoch auch viele Stellen einfach frei ließ. Beinahe haardünne Träge waren das einzige, was ihre Schultern zierte, um das Kleid an Ort und Stelle zu halten. Die Haare fielen offen über die sonst so nackten Schultern und umrahmten in sanften Wellen ihr sonst so kantiges Gesicht. Dunkle Schatten lagen unter den braunen Augen der Königin, während sie sich erschöpft in die Kissen fallen ließ. Sie vermisste es hier mit Ridvan zu sitzen und dem Schreien der Pfauen zu lauschen. Eigentlich  vermisste sie alles an ihrem alten Leben, in dem es noch einfach war eine Herrscherin zu sein. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/33/82/0b/33820b6e55e222f967a7f6ce244b3948.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">What will your pleasure be?<br />
<div style="font-size:18px;">answer all your midnight prayers</div>
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Ein weitere Tag zwischen Besprechungen, Planungen, Anschuldigungen und kritischen Blicken ging zu Ende. Die Sonne war in einem blutroten Himmel untergegangen und ließ das Sommerland brütend und schwitzend in seinem Elend zurück. So wie jeden Tag. Es war ein unendlicher Kreislauf voller Tränen, Verzweiflung und Wut, dem Yasirah einfach nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Sie wusste, dass es eng werden würde. Sie wusste, dass sie ihren König brauchten. Einen Regenten, der dem Volk Mut machte, der sie dazu anhielt weiter zu kämpfen, obwohl es schier aussichtslos zu sein schien. Jemand, zu dem sie aufsehen konnten und nicht jemanden, den sie mit all' ihrem Leben verachteten. Die Stimmung in ihrem Land war aufgeheizt. Lange Zeit haben sie gedacht, dass sich das von alleine legen würde, dass das Land sowieso zu schwach wäre sich zu erheben. Wie sich Yasirah und Ridvan da nur getäuscht hatten. Und jetzt? Jetzt schien alles zu spät. Ihr Körnig, Yasirahs Ehemann, litt unter seinem eigenen vom Opium vernebelten Geist, geplagt von Paranoia und Ängsten, die selbst durch die sanften Hände seiner Ehefrau nicht gelindert werden konnten. Immer wieder hat sie es versucht, hat versucht zu ihm durchzudringen, ihn zu bitten endlich aufzuwachen. Doch die Wand um seinen Geist war zu hoch. Die Angst viel zu übermächtig. Sie war auf sich alleine gestellt. <br />
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Wochen vergingen. Irgendwann Monate. Mittlerweile herrschte dieser Zustand schon länger als ein ganzes Jahr. Immer wieder vertröstete sie die Berater, die ihr mittlerweile nur noch kritische Blicke zuwarfen und sich nur aus reiner Loyalität zum König noch nicht abgewendet haben, denn... eine Frau an der Spitze war undenkbar. Niemand würde auf sie hören. Sie war zum Kinder gebären und zum Tanzen da. Schleier sollten ihr Gesicht und ihren nackten Körper umhüllen, während ihr Lebensinhalt war die Männer in diesem Land zu beglücken. Keine Sklavin, denn dafür waren ihre Schatzkammern zu prall gefüllt, aber doch eine Gefangene. Eine Gefangene ihrer eigenen Kultur. Ihres eigenen Geschlechts. Niemals würde eine Frau als Königin dieses Landes akzeptiert werden, so viel stand fest. <br />
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Seit langer Zeit schon kämpfte Yasirah mit ihren ruhelosen Gedanken. Pläne über Pläne waren geschmiedet worden und dann doch verworfen. Es gab nur wenig Menschen, denen sie vertraute und mit denen sie reden konnte. Naila, ihre eigene Tochter, hatte mitunter die besten Ratschläge gehabt, doch war sie nun fort, um ihr eigenes Leben an der Spitze eines Landes zu beginnen. Ismeth, der Berater, dem sie vor wenigen Monaten verfallen war, war nur ein einfacher Züchter und Händler. Obwohl seine Zunge und seine Finger fantastisches leisten konnten, war er nicht dazu in der Lage ihr aus ihrem Dilemma zu helfen. Er konnte für Ablenkung sorgen, ihr Glücksgefühle schenken, von denen sie nicht mehr dachte sie jemals fühlen zu können, doch ihre Seele heilen konnte selbst er nicht. Egal wie sie es drehte und wendete, das Ergebnis war immer das Gleiche: Ridvan musste sterben. Das war die einzige Möglichkeit um dieses Land zu retten. Fayyad, Yasirahs erstgeborener Sohn, wurde schon sein ganzes Leben auf diesen Moment vorbereitet. Er würde herrschen und er würde es gut machen. Er würde es hoffentlich besser machen, als alle zuvor. Er würde endlich der König sein, den dieses Land brauchte... Falls sie denn noch alle so lange durchhielten.<br />
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Seufzen ließ sich die Königin auf eine große Schaukel voller weicher Kissen sinken. In dieser kleinen Oase inmitten ihrer Gärten fand sie Ruhe. Jedenfalls so viel Ruhe, wie sie in ihrer Situation eben finden konnte. Palmen verdeckten den Blick auf die gebrochene Königin, während Wasserspeier für leises Plätschern sorgten. Obwohl die Sonne längst untergegangen war, war es beinahe unerträglich heiß, weswegen lediglich ein leichtes Satin-Kleid ihren schlanken Körper bedeckte, jedoch auch viele Stellen einfach frei ließ. Beinahe haardünne Träge waren das einzige, was ihre Schultern zierte, um das Kleid an Ort und Stelle zu halten. Die Haare fielen offen über die sonst so nackten Schultern und umrahmten in sanften Wellen ihr sonst so kantiges Gesicht. Dunkle Schatten lagen unter den braunen Augen der Königin, während sie sich erschöpft in die Kissen fallen ließ. Sie vermisste es hier mit Ridvan zu sitzen und dem Schreien der Pfauen zu lauschen. Eigentlich  vermisste sie alles an ihrem alten Leben, in dem es noch einfach war eine Herrscherin zu sein. <br />
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