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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Plot: Krönungszeremonie von Samir Al-Mazhir]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 09:29:23 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[The Wheel of Time]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=800</link>
			<pubDate>Sat, 23 Aug 2025 08:48:25 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=110">Keeran Neshat</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/05/43/fb/0543fbd823bed00cc6f2058f52d16dc3.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:36px;">To heal a wound<br />
<div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">Stop touching it</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://64.media.tumblr.com/998a2e386fc6adb46e3dbdd9d015a1ee/19ca1ccf134249fa-4c/s540x810/6a88553b3f382a1b81e2d91162eff9a60865efde.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Das Rad der Zeit drehte sich weiter, auch wenn man seinen Zähnen Einhalt gebieten wollte. Es war die erste Lektion, die man früher oder später lernen musste, zu akzeptieren und als Teil des eigenen Lebens anzunehmen, ob man wollte oder nicht. Familie kam und ging, Freunde, Bekanntschaften, Positionen, Titel… Keeran hatte den Verlust am Sterbebett seiner Mutter kennen gelernt und nie vergessen. Sein Schmerz war verjährt und zugewachsen, aber immer noch präsent in seinen dunkelsten, einsamsten Stunden; dann, wenn er realisierte, dass ihn das ständige Vorwärtsstreben nie weit genug treiben konnte, um die Leere zu füllen, die ständig an seinen Fersen lauerte. Und wenn sie ihn einholte, würde er dann alles verlieren?<br />
Nicht so, wie Nadir ben Sahid alles verloren hatte.<br />
Weil er von Geburt an bereits alles gehabt hatte, was er im Laufe der Zeit würde verlieren können.<br />
Familie? Er hatte viele gehabt, von einem älteren Bruder bis hin zu einer Frau, Kindern, Neffen und Nichten, die ihm alle viel bedeuteten und jetzt das Herz brachen, wo er sie beerdigen musste. Sein erster Fehler.<br />
Freunde? Am Hof war er bekannt wie ein bunter Hund, außer Lande kannte man seinen Ruf und Namen. All das half ihm nicht in seiner Situation. Sein zweiter Fehler.<br />
Titel? Was war ein Prinz, der nicht regieren konnte. Was war ein Diplomat, der den Palast nicht verlassen durfte. Was war ein Krieger, dem alle Waffen genommen wurden; selbst die Fähigkeit, zu sprechen. <br />
Für jemanden wie Keeran vermittelte Nadir in seiner Situation ein klares Bild - eins von Menschlichkeit und deren Fehlen, sich aus der Starre von Schicksalsschlägen zu lösen, während die Zeit weiterlief. Oft hatte der Händler die Ohnmacht in seinem Umfeld erlebt und beobachtet, wenn Menschen verloren und sich nicht mehr zu helfen wussten. Immer von außen hatte er ihren Zerfall körperlicher und spiritueller Natur gesehen und sich gefragt: Warum? Wenn man den Lauf der Zeit nicht stoppen konnte, warum hielt man sich an ihr fest wie an einer Säule, während der Strom früher oder später jedes Konstrukt mit sich reißen würde? Vielleicht war es seine Losgelöstheit vom Mensch-sein, die ihn so weit gebracht hatte, vielleicht würde sie es auch sein, die seiner Leere schließlich den Halt geben würde, um sich an seinen Fersen hochzuziehen. Irgendwann hatte alles ein Ende; das wusste vor allem er, der sich immer mit der Zeit bewegte.<br />
<br />
Heute besuchte er als Berater des noch nicht gekrönten Königs die Gemächer des Prinzen, der (mehr oder weniger) freiwillig auf seinen Thronanspruch verzichtet hatte. Er trat von seiner Freiheit, die er sich erarbeitet hatte, hinein in geschlossene, überwachte Räume, in denen die Luft gedrückt und schwer war. Nicht einmal seinen Gehstock führte er mit sich, als hätte die große Mutter ihn für den heutigen Tag zehn Jahre jünger gemacht. Bevor er sich durch ein Klopfen bei Nadir ankündigte, ließ er sich von den beiden Wachen vor der Tür auf Waffen und sonstige Mittel abklopfen, die im Beisein des Prinzen verboten war; nicht weil sie ihm gefährlich werden konnten, sondern weil <i>er</i> mit ihnen gefährlich werden konnte. Keeran wusste das. Er hatte mitunter angeordnet, dass man Nadir so akribisch unter Beobachtung stellte, und doch glaubte jeder im Palast, dass er nur ein rücksichtsloser Händler war, der sich durch Einfluss, Gold und Leichen einen Platz im königlichen Beraterstab gesichert hatte. Jemand, der sich den Tod von Ridvan zunutze machte, aber nicht sein Ursprung war. Die Welt war ein brutaler Ort ohne Platz für die Mitfühlenden, und Keeran trug diese Weisheit auf dem Gesicht, als er eintrat.<br />
Nadir und er pflegten eine einfache Beziehung zueinander. Die Aufgeschlossenheit des Prinzen hatte es überhaupt möglich gemacht, dass sie ins Gespräch gekommen waren, und (im Gegensatz zu seiner Frau) folgten auf seine Versprechen tatsächlich Taten, oder auch einfach gutes, reines Opium, was er bei ihrem ersten Treffen im Bordell so angemängelt hatte. Die Beziehung war deswegen einfach, weil sie einander für das zu akzeptieren schienen, was sie waren, oder auch einfach nicht weiter nachfragten. Nadir wusste, dass Keeran sich seinen gesamten Einfluss erarbeitet hatte und dabei sicher nicht immer mit sauberen Händen in sein Heim zurückkehrte. Keeran hingegen wusste um die hedonistischen Veranlagungen des Prinzen, die nicht selten Priorität über seine Pflichten verlangten, und stellte sie nie in Frage. Mit einer Pfeife in ihrer Mitte regten sie einander hin und wieder zu geistreichen Gesprächen an und bereicherten ihre Ansichten mit unterschiedlichen Weltanschauungen. Der Händler konnte aufrichtig behaupten, dass er im Beisein von Nadir eine Art geistige Stimulierung fand, wenn die Luft schwer, seine Sinne betäubt und der Kopf zugänglich war. <br />
Als einfacher Händler, der er sicher war, fiel ihm natürlich auf, dass Nadir nicht alleine war. Im Raum standen zwei weitere Wachen, der Schal des Turbans halb ihre Gesichter am verdecken, während ihre Augen doch an ihm und seinem raschelnden, festlichen Gewand klebten. In einen dunklen, mit golden schimmernden Fäden durchzogenen Mantel gekleidet blieb er in der Mitte des Raumes stehen, die verzierte Schachtel unter seinem Arm, und deutete eine Verbeugung an. <div class="sommerlandcolor">“Prinz Nadir. Mein aufrichtiges Beileid”</div>, begrüßte er ihn mit höflicher Distanz, ließ die letzten Worte aber den Raum füllen. Man konnte von Keeran nicht behaupten, dass er viel Empathie an den Tag legte, doch sicher wusste er, was er der Form und Gepflogenheiten wegen zu sagen hatte. Tatsächlich bezweifelte er, dass Nadir überhaupt mehr dergleichen aus seinem Mund hören wollte; jene falsche Anteilnahme hatte man ihm in den letzten Tagen zu Haufe vor die Füße geworfen und gehofft, sich damit bei ihm in ein gutes Licht zu stellen. Viele hatten ihn vermutlich erst gar nicht angesprochen, weil er doch ständig in Begleitung war - und die Palastwände redeten. Es hatte einen Grund, warum er nur mit Wachen aus seinen Gemächern schritt, auch wenn niemand es wagte, ihn auszusprechen.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/05/43/fb/0543fbd823bed00cc6f2058f52d16dc3.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:36px;">To heal a wound<br />
<div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">Stop touching it</div>
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<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://64.media.tumblr.com/998a2e386fc6adb46e3dbdd9d015a1ee/19ca1ccf134249fa-4c/s540x810/6a88553b3f382a1b81e2d91162eff9a60865efde.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Das Rad der Zeit drehte sich weiter, auch wenn man seinen Zähnen Einhalt gebieten wollte. Es war die erste Lektion, die man früher oder später lernen musste, zu akzeptieren und als Teil des eigenen Lebens anzunehmen, ob man wollte oder nicht. Familie kam und ging, Freunde, Bekanntschaften, Positionen, Titel… Keeran hatte den Verlust am Sterbebett seiner Mutter kennen gelernt und nie vergessen. Sein Schmerz war verjährt und zugewachsen, aber immer noch präsent in seinen dunkelsten, einsamsten Stunden; dann, wenn er realisierte, dass ihn das ständige Vorwärtsstreben nie weit genug treiben konnte, um die Leere zu füllen, die ständig an seinen Fersen lauerte. Und wenn sie ihn einholte, würde er dann alles verlieren?<br />
Nicht so, wie Nadir ben Sahid alles verloren hatte.<br />
Weil er von Geburt an bereits alles gehabt hatte, was er im Laufe der Zeit würde verlieren können.<br />
Familie? Er hatte viele gehabt, von einem älteren Bruder bis hin zu einer Frau, Kindern, Neffen und Nichten, die ihm alle viel bedeuteten und jetzt das Herz brachen, wo er sie beerdigen musste. Sein erster Fehler.<br />
Freunde? Am Hof war er bekannt wie ein bunter Hund, außer Lande kannte man seinen Ruf und Namen. All das half ihm nicht in seiner Situation. Sein zweiter Fehler.<br />
Titel? Was war ein Prinz, der nicht regieren konnte. Was war ein Diplomat, der den Palast nicht verlassen durfte. Was war ein Krieger, dem alle Waffen genommen wurden; selbst die Fähigkeit, zu sprechen. <br />
Für jemanden wie Keeran vermittelte Nadir in seiner Situation ein klares Bild - eins von Menschlichkeit und deren Fehlen, sich aus der Starre von Schicksalsschlägen zu lösen, während die Zeit weiterlief. Oft hatte der Händler die Ohnmacht in seinem Umfeld erlebt und beobachtet, wenn Menschen verloren und sich nicht mehr zu helfen wussten. Immer von außen hatte er ihren Zerfall körperlicher und spiritueller Natur gesehen und sich gefragt: Warum? Wenn man den Lauf der Zeit nicht stoppen konnte, warum hielt man sich an ihr fest wie an einer Säule, während der Strom früher oder später jedes Konstrukt mit sich reißen würde? Vielleicht war es seine Losgelöstheit vom Mensch-sein, die ihn so weit gebracht hatte, vielleicht würde sie es auch sein, die seiner Leere schließlich den Halt geben würde, um sich an seinen Fersen hochzuziehen. Irgendwann hatte alles ein Ende; das wusste vor allem er, der sich immer mit der Zeit bewegte.<br />
<br />
Heute besuchte er als Berater des noch nicht gekrönten Königs die Gemächer des Prinzen, der (mehr oder weniger) freiwillig auf seinen Thronanspruch verzichtet hatte. Er trat von seiner Freiheit, die er sich erarbeitet hatte, hinein in geschlossene, überwachte Räume, in denen die Luft gedrückt und schwer war. Nicht einmal seinen Gehstock führte er mit sich, als hätte die große Mutter ihn für den heutigen Tag zehn Jahre jünger gemacht. Bevor er sich durch ein Klopfen bei Nadir ankündigte, ließ er sich von den beiden Wachen vor der Tür auf Waffen und sonstige Mittel abklopfen, die im Beisein des Prinzen verboten war; nicht weil sie ihm gefährlich werden konnten, sondern weil <i>er</i> mit ihnen gefährlich werden konnte. Keeran wusste das. Er hatte mitunter angeordnet, dass man Nadir so akribisch unter Beobachtung stellte, und doch glaubte jeder im Palast, dass er nur ein rücksichtsloser Händler war, der sich durch Einfluss, Gold und Leichen einen Platz im königlichen Beraterstab gesichert hatte. Jemand, der sich den Tod von Ridvan zunutze machte, aber nicht sein Ursprung war. Die Welt war ein brutaler Ort ohne Platz für die Mitfühlenden, und Keeran trug diese Weisheit auf dem Gesicht, als er eintrat.<br />
Nadir und er pflegten eine einfache Beziehung zueinander. Die Aufgeschlossenheit des Prinzen hatte es überhaupt möglich gemacht, dass sie ins Gespräch gekommen waren, und (im Gegensatz zu seiner Frau) folgten auf seine Versprechen tatsächlich Taten, oder auch einfach gutes, reines Opium, was er bei ihrem ersten Treffen im Bordell so angemängelt hatte. Die Beziehung war deswegen einfach, weil sie einander für das zu akzeptieren schienen, was sie waren, oder auch einfach nicht weiter nachfragten. Nadir wusste, dass Keeran sich seinen gesamten Einfluss erarbeitet hatte und dabei sicher nicht immer mit sauberen Händen in sein Heim zurückkehrte. Keeran hingegen wusste um die hedonistischen Veranlagungen des Prinzen, die nicht selten Priorität über seine Pflichten verlangten, und stellte sie nie in Frage. Mit einer Pfeife in ihrer Mitte regten sie einander hin und wieder zu geistreichen Gesprächen an und bereicherten ihre Ansichten mit unterschiedlichen Weltanschauungen. Der Händler konnte aufrichtig behaupten, dass er im Beisein von Nadir eine Art geistige Stimulierung fand, wenn die Luft schwer, seine Sinne betäubt und der Kopf zugänglich war. <br />
Als einfacher Händler, der er sicher war, fiel ihm natürlich auf, dass Nadir nicht alleine war. Im Raum standen zwei weitere Wachen, der Schal des Turbans halb ihre Gesichter am verdecken, während ihre Augen doch an ihm und seinem raschelnden, festlichen Gewand klebten. In einen dunklen, mit golden schimmernden Fäden durchzogenen Mantel gekleidet blieb er in der Mitte des Raumes stehen, die verzierte Schachtel unter seinem Arm, und deutete eine Verbeugung an. <div class="sommerlandcolor">“Prinz Nadir. Mein aufrichtiges Beileid”</div>, begrüßte er ihn mit höflicher Distanz, ließ die letzten Worte aber den Raum füllen. Man konnte von Keeran nicht behaupten, dass er viel Empathie an den Tag legte, doch sicher wusste er, was er der Form und Gepflogenheiten wegen zu sagen hatte. Tatsächlich bezweifelte er, dass Nadir überhaupt mehr dergleichen aus seinem Mund hören wollte; jene falsche Anteilnahme hatte man ihm in den letzten Tagen zu Haufe vor die Füße geworfen und gehofft, sich damit bei ihm in ein gutes Licht zu stellen. Viele hatten ihn vermutlich erst gar nicht angesprochen, weil er doch ständig in Begleitung war - und die Palastwände redeten. Es hatte einen Grund, warum er nur mit Wachen aus seinen Gemächern schritt, auch wenn niemand es wagte, ihn auszusprechen.<br />
</div>]]></content:encoded>
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		<item>
			<title><![CDATA[Days ache and nights are long]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=799</link>
			<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 20:50:17 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=0">Vanja Neshat</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=799</guid>
			<description><![CDATA[Der Duft von Opiumpfeifen durchbrach die eh schon von Gewürzen, Kerzenrauch und angebratenem Fleisch geschwängerte Luft. Im Hintergrund waren die glockenhellen Töne von Kastagnetten und das dumpfe Dröhnen der Trommeln zu hören, wozu die Menschen tanzten, lachten und sich in den Armen lagen. Es war das Fest des Jahrhunderts: die Krönung des neuen Königs von Matariyya. Dass Blut, Mord und Verderben diesem wundervollen Fest voraus gegangen waren, davon war jetzt nichts mehr zu spüren. Die Menschen feierten, genossen die Festlichkeiten und präsentierten sich in ihren schönsten funkelnden Gewändern. Jedenfalls die, die es sich leisten konnten. Denn während hier im Palast geschlemmt wurde, hungerten draußen noch immer die Menschen. Dharan al-Bhar war die Hauptstadt des Sommerlandes, wurde vor einigen Monaten schwer von einer verheerenden Flutwelle getroffen und litt seit Jahrzehnten unter der bis vor kurzem amtierenden Königsfamilie ben Sahid, doch dieses Fest sollte all das Leid der letzten Jahre überschatten. Es sollte Versprechungen machen, dass es nun besser werden würde. Geflüsterte Worte, neu geknüpfte Verbindungen, das Teilen von Pfeifen in den Hinterzimmern. Der neue König, Samir Al-Mazhir, war das Versprechen an ein neues Kapitel. Was hinter den bunten Tüchern, die so typisch für die sommerländische Kultur waren, alles geschehen war, das stand auf einem ganz anderen Blatt. <br />
<br />
Natürlich hatten es sich die Eheleute Neshat nicht nehmen lassen, sich heute hier blicken zu lassen. Während sie jedoch noch Arm in Arm hier aufgetaucht waren, hatten sich ihre Wege mittlerweile schon längst getrennt. Für Vanja spielte es keine Rolle, wo sich ihr Mann aufhielt. Sie hatte ihre Fühler ausgestreckt und sammelte Informationen, hörte da hin, wo jemand sich in Verschwiegenheit wog, lauschte dort, wo andere aus Höflichkeit weghörten. Vanja war eine Spinne in ihrem Netz, nur deutlich hübscher anzusehen. Aber mindestens genauso gefährlich. Dass man sie chronisch unterschätzte war nichts, was sie überraschte. Sie gab sich sogar eher noch Mühe dieses Bild zu unterstützen: die gute Ehefrau, die ihren Mann des Nachts beglückte und tagsüber die Kinder und den Herd hütete. Sie war wunderschön anzusehen, aber sonst für wenig zu gebrauchen. Nur das Zucken eines Mundwinkels verriet, was sie selbst darüber dachte, während sie an dem Wein nippte, den man ihr eingeschenkt hatte. Immer wieder konnte sie die Blicke anderer Männer auf sich ruhen spüren, wusste, dass es ihre weißen Haare waren, die die Aufmerksamkeit zwischen all den Brünetten auf sich zogen. Sie wusste, dass die Männer sie wollten. Insgeheim. Schmutzig. Egal wie. Und Vanja genoss es in vollen Zügen. Sie tat so, als ziere sie sich, doch insgeheim waren es diese Spielchen, die ihr das Leben versüßten. <br />
<br />
Sie stand eher am Rand der feiernden Gäste, behielt den Überblick über alle, die kommen und gingen, betrachtete ihre Kleider und Anzüge, die Mimik in ihren Gesichtern, die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Gläser leerten und die leeren Augen, mit denen sie ihre eigenen Ehefrauen und Ehemänner betrachteten. Vanja sammelte. Doch als sie plötzlich bemerkte, wie sich jemand neben sie stellte, blinzelte sie ein paar Mal überrascht. Eine junge Frau, die perfekt in das Bild des sommerländischen Adels hineinpasste, hatte sich an ihre linke Seite gestellt. "<div class="sommerlandcolor">Kann ich Ihnen helfen?</div>", fragte Vanja zuckersüß und deutete ein respektvolles Nicken an. Nicht, dass sie tatsächlich Respekt für eine andere Frau empfand, aber den Schein musste man immerhin wahren...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Duft von Opiumpfeifen durchbrach die eh schon von Gewürzen, Kerzenrauch und angebratenem Fleisch geschwängerte Luft. Im Hintergrund waren die glockenhellen Töne von Kastagnetten und das dumpfe Dröhnen der Trommeln zu hören, wozu die Menschen tanzten, lachten und sich in den Armen lagen. Es war das Fest des Jahrhunderts: die Krönung des neuen Königs von Matariyya. Dass Blut, Mord und Verderben diesem wundervollen Fest voraus gegangen waren, davon war jetzt nichts mehr zu spüren. Die Menschen feierten, genossen die Festlichkeiten und präsentierten sich in ihren schönsten funkelnden Gewändern. Jedenfalls die, die es sich leisten konnten. Denn während hier im Palast geschlemmt wurde, hungerten draußen noch immer die Menschen. Dharan al-Bhar war die Hauptstadt des Sommerlandes, wurde vor einigen Monaten schwer von einer verheerenden Flutwelle getroffen und litt seit Jahrzehnten unter der bis vor kurzem amtierenden Königsfamilie ben Sahid, doch dieses Fest sollte all das Leid der letzten Jahre überschatten. Es sollte Versprechungen machen, dass es nun besser werden würde. Geflüsterte Worte, neu geknüpfte Verbindungen, das Teilen von Pfeifen in den Hinterzimmern. Der neue König, Samir Al-Mazhir, war das Versprechen an ein neues Kapitel. Was hinter den bunten Tüchern, die so typisch für die sommerländische Kultur waren, alles geschehen war, das stand auf einem ganz anderen Blatt. <br />
<br />
Natürlich hatten es sich die Eheleute Neshat nicht nehmen lassen, sich heute hier blicken zu lassen. Während sie jedoch noch Arm in Arm hier aufgetaucht waren, hatten sich ihre Wege mittlerweile schon längst getrennt. Für Vanja spielte es keine Rolle, wo sich ihr Mann aufhielt. Sie hatte ihre Fühler ausgestreckt und sammelte Informationen, hörte da hin, wo jemand sich in Verschwiegenheit wog, lauschte dort, wo andere aus Höflichkeit weghörten. Vanja war eine Spinne in ihrem Netz, nur deutlich hübscher anzusehen. Aber mindestens genauso gefährlich. Dass man sie chronisch unterschätzte war nichts, was sie überraschte. Sie gab sich sogar eher noch Mühe dieses Bild zu unterstützen: die gute Ehefrau, die ihren Mann des Nachts beglückte und tagsüber die Kinder und den Herd hütete. Sie war wunderschön anzusehen, aber sonst für wenig zu gebrauchen. Nur das Zucken eines Mundwinkels verriet, was sie selbst darüber dachte, während sie an dem Wein nippte, den man ihr eingeschenkt hatte. Immer wieder konnte sie die Blicke anderer Männer auf sich ruhen spüren, wusste, dass es ihre weißen Haare waren, die die Aufmerksamkeit zwischen all den Brünetten auf sich zogen. Sie wusste, dass die Männer sie wollten. Insgeheim. Schmutzig. Egal wie. Und Vanja genoss es in vollen Zügen. Sie tat so, als ziere sie sich, doch insgeheim waren es diese Spielchen, die ihr das Leben versüßten. <br />
<br />
Sie stand eher am Rand der feiernden Gäste, behielt den Überblick über alle, die kommen und gingen, betrachtete ihre Kleider und Anzüge, die Mimik in ihren Gesichtern, die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Gläser leerten und die leeren Augen, mit denen sie ihre eigenen Ehefrauen und Ehemänner betrachteten. Vanja sammelte. Doch als sie plötzlich bemerkte, wie sich jemand neben sie stellte, blinzelte sie ein paar Mal überrascht. Eine junge Frau, die perfekt in das Bild des sommerländischen Adels hineinpasste, hatte sich an ihre linke Seite gestellt. "<div class="sommerlandcolor">Kann ich Ihnen helfen?</div>", fragte Vanja zuckersüß und deutete ein respektvolles Nicken an. Nicht, dass sie tatsächlich Respekt für eine andere Frau empfand, aber den Schein musste man immerhin wahren...]]></content:encoded>
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