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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Walleydor - Das Frühlingsland]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 12:05:26 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Protect what You Love]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=834</link>
			<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 09:14:03 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=17">Leif Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=834</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/42/37/86/423786c4125081a753c096f77321fce8.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;font-size:40px;"><div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">Then we Fight</div>
Together<br />
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/9ad9a082eaf25a9bc1883fdd8bf2f7d7/6bcc7130b384b80c-12/s400x600/9c932fd3f3042519ecfda3beb5dd485da987004f.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>In einem Heerlager musste man sich zwangsläufig damit anfreunden, dass es so etwas wie Privatsphäre einfach nicht gab. Da konnte das aufgestellte Zelt noch so groß und geräumig sein, man hörte trotzdem jeden Stiefel, jedes Räuspern, Spucken und Fluchen, weil der Matsch, den das Unwetter um Spring’s Court hinterlassen hatte, das eigene Schuhwerk durchnässte. Geschweige denn Worte. Worte, fand Leif schnell heraus, breiteten sich im Lager rascher aus als ein Waldbrand. Jeder wusste, dass Fiske lauter schnarchte als ein Bär brüllte. Dass Ingmar damit geprahlt hatte, die Frau von Yanulf in seine Felle geholt zu haben, hatte ihm noch am gleichen Tag ein paar lose Zähne beschert. Es tat nicht unbedingt gut dazu bei, dass sie die letzten Tage vor Spring’s Court festgesessen hatten und jedes Pferd unruhig mit den Hufen scharrte, weil sie die Spannung in der Luft spürten. Sie alle waren unausgeglichen. Gereizt, hatten ihre Weiber nicht bei sich. Aufgeregt, weil sie sich mittlerweile Tag um Tag näher an den Brandherd bewegten, und damit näher an den Punkt, der Glorie oder Niederlage bedeuten konnte. Jene mit Geheimnissen waren besser beraten, zu schweigen.<br />
Gut, dass Leif eh noch nie ein Mann mit einem großen Mitteilungsbedürfnis gewesen war; auch wenn er sich heute ein wenig wünschte, dass es anders wäre.<br />
Dann würde er nämlich nicht jeden Abend über einem leeren Pergament grübeln, was hinter dem Namen seiner Frau folgen könnte.<br />
<br />
<i>Aleena, </i><br />
<br />
Mit einem Schnaufen strich er die Zeile darunter durch, zerknüllte das Papier und warf es achtlos auf die Feldliege, die hinter ihm mit leichten Fellen belegt war. Die Fackeln beleuchteten den Tisch, der in der Mitte des Zeltes platziert war, voll mit einer Karte und Holzfiguren, die an strategischen Punkten platziert waren. So lief es die letzten Tage immer ab: Kaum, dass sie ihr Lager aufschlugen, kamen Leif und seine Strategen hier zusammen und brüteten die Abendstunden über den Plänen, die sich vermutlich eh nicht in die Tat umsetzen ließen. Im Gegensatz zu anderen, kühleren Köpfen empfand er überhaupt keine Freude daran, sich Antworten auf fünfhundert Szenarien zu überlegen und die Truppen dementsprechend zu verschieben; das war Veiths Steckenpferd. Er wusste aber auch, dass es notwendig war und saß deswegen jeden Abend hier, ließ sich über Kriegsintelligenz aufklären, wägte Entscheidungen ab, ließ sich beraten von älteren, weiseren Kriegern und tat sein Bestes, Gewicht in ihre Meinungen zu legen. Sitzungen wie solche dauerten oft bis spät in die Nacht, dass, wenn er aus dem Zelt trat, die meisten Lagerfeuer schon gelöscht waren und er seinen Rücken durchstrecken musste bei all dem Ducken über Karten unter niedrigen Zeltdächern. Manchmal fand er seine Jungs, Halger, Kjell und Veith zusammen an einem der letzten Lagerfeuer. Manchmal streifte er allein durch das ruhig gewordene Lager. Heute tat er erst gar keinen Schritt vor sein Zelt, weil er sich fest vorgenommen hatte, kein Auge zuzutun, bevor er nicht den halben Brief fertig hatte. Lief auch richtig, <i>richtig</i> gut, so wie der improvisierte Hocker gefährlich ins Straucheln geriet, als Leif energisch aufstand und die offen gelassene Zeltwand zur Seite riss.<br />
<br />
Bevor er vor dem Zelt seines kleinen Bruders stand, hatte er eigentlich kein Ziel gehabt. Frische Luft, vielleicht. Einen klaren Kopf, damit er es doch nochmal mit dem Schreiben versuchen konnte oder vielleicht endlich ein wenig mehr Schlaf finden konnte als drei Stundenkerzen. Als er dann aber durch die Zeltbeleuchtung Bewegung sah, entschied er sich spontan um und nahm die Eingangsplane in die Hand. <div class="winterlandcolor">“Jorin, ich bins”</div>, kündigte er sich an und wartete auf eine Reaktion, ehe er sich unter dem Tuch hindurch duckte und ins warme Zelt trat. Leif sah sich nur kurz um; im Endeffekt war jedes Zelt doch irgendwie gleich ausgestattet. Eine Latrine mit Fellen, ein Nachttopf und eine Schale mit Waschwasser, für den Adel eine Truhe mit Wechselkleidung und ein einfaches Holzset aus Hocker und Tisch, auf dem ein aufgeschnittener Apfel lag. Eine Halterung für die Rüstung, die Jorin tragen würde, wenn sie nah genug am castandorischen Heer waren, und Platz für seine Axt. Wie in Leifs Zelt selbst musste er sich nicht ducken, wenn er in der Mitte des Zeltes stehen blieb, was er zuerst auch tat. Dann nahm er aber doch den Hocker, drückte ihn in die weiche Erde und setzte sich. Ohne zu fragen, bediente er sich an einer der Apfelspalten. <br />
Es dauerte nicht lange, bis er sich nach vorne beugte und einfach das aussprach, was ihn beschäftigte. Vor seinem kleinen Bruder kannte er ohnehin keinen Filter; keinen, der Jorin oder Leif nicht in ernsthafte Schwierigkeiten bringen würde, zumindest. <div class="winterlandcolor">“Schreibst du Lindgard? Regelmäßig, mein ich?”</div>, fragte er, während er die Apfelspalte zwischen seinen Fingern wog.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/42/37/86/423786c4125081a753c096f77321fce8.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;font-size:40px;"><div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">Then we Fight</div>
Together<br />
</div>
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/9ad9a082eaf25a9bc1883fdd8bf2f7d7/6bcc7130b384b80c-12/s400x600/9c932fd3f3042519ecfda3beb5dd485da987004f.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>In einem Heerlager musste man sich zwangsläufig damit anfreunden, dass es so etwas wie Privatsphäre einfach nicht gab. Da konnte das aufgestellte Zelt noch so groß und geräumig sein, man hörte trotzdem jeden Stiefel, jedes Räuspern, Spucken und Fluchen, weil der Matsch, den das Unwetter um Spring’s Court hinterlassen hatte, das eigene Schuhwerk durchnässte. Geschweige denn Worte. Worte, fand Leif schnell heraus, breiteten sich im Lager rascher aus als ein Waldbrand. Jeder wusste, dass Fiske lauter schnarchte als ein Bär brüllte. Dass Ingmar damit geprahlt hatte, die Frau von Yanulf in seine Felle geholt zu haben, hatte ihm noch am gleichen Tag ein paar lose Zähne beschert. Es tat nicht unbedingt gut dazu bei, dass sie die letzten Tage vor Spring’s Court festgesessen hatten und jedes Pferd unruhig mit den Hufen scharrte, weil sie die Spannung in der Luft spürten. Sie alle waren unausgeglichen. Gereizt, hatten ihre Weiber nicht bei sich. Aufgeregt, weil sie sich mittlerweile Tag um Tag näher an den Brandherd bewegten, und damit näher an den Punkt, der Glorie oder Niederlage bedeuten konnte. Jene mit Geheimnissen waren besser beraten, zu schweigen.<br />
Gut, dass Leif eh noch nie ein Mann mit einem großen Mitteilungsbedürfnis gewesen war; auch wenn er sich heute ein wenig wünschte, dass es anders wäre.<br />
Dann würde er nämlich nicht jeden Abend über einem leeren Pergament grübeln, was hinter dem Namen seiner Frau folgen könnte.<br />
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<i>Aleena, </i><br />
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Mit einem Schnaufen strich er die Zeile darunter durch, zerknüllte das Papier und warf es achtlos auf die Feldliege, die hinter ihm mit leichten Fellen belegt war. Die Fackeln beleuchteten den Tisch, der in der Mitte des Zeltes platziert war, voll mit einer Karte und Holzfiguren, die an strategischen Punkten platziert waren. So lief es die letzten Tage immer ab: Kaum, dass sie ihr Lager aufschlugen, kamen Leif und seine Strategen hier zusammen und brüteten die Abendstunden über den Plänen, die sich vermutlich eh nicht in die Tat umsetzen ließen. Im Gegensatz zu anderen, kühleren Köpfen empfand er überhaupt keine Freude daran, sich Antworten auf fünfhundert Szenarien zu überlegen und die Truppen dementsprechend zu verschieben; das war Veiths Steckenpferd. Er wusste aber auch, dass es notwendig war und saß deswegen jeden Abend hier, ließ sich über Kriegsintelligenz aufklären, wägte Entscheidungen ab, ließ sich beraten von älteren, weiseren Kriegern und tat sein Bestes, Gewicht in ihre Meinungen zu legen. Sitzungen wie solche dauerten oft bis spät in die Nacht, dass, wenn er aus dem Zelt trat, die meisten Lagerfeuer schon gelöscht waren und er seinen Rücken durchstrecken musste bei all dem Ducken über Karten unter niedrigen Zeltdächern. Manchmal fand er seine Jungs, Halger, Kjell und Veith zusammen an einem der letzten Lagerfeuer. Manchmal streifte er allein durch das ruhig gewordene Lager. Heute tat er erst gar keinen Schritt vor sein Zelt, weil er sich fest vorgenommen hatte, kein Auge zuzutun, bevor er nicht den halben Brief fertig hatte. Lief auch richtig, <i>richtig</i> gut, so wie der improvisierte Hocker gefährlich ins Straucheln geriet, als Leif energisch aufstand und die offen gelassene Zeltwand zur Seite riss.<br />
<br />
Bevor er vor dem Zelt seines kleinen Bruders stand, hatte er eigentlich kein Ziel gehabt. Frische Luft, vielleicht. Einen klaren Kopf, damit er es doch nochmal mit dem Schreiben versuchen konnte oder vielleicht endlich ein wenig mehr Schlaf finden konnte als drei Stundenkerzen. Als er dann aber durch die Zeltbeleuchtung Bewegung sah, entschied er sich spontan um und nahm die Eingangsplane in die Hand. <div class="winterlandcolor">“Jorin, ich bins”</div>, kündigte er sich an und wartete auf eine Reaktion, ehe er sich unter dem Tuch hindurch duckte und ins warme Zelt trat. Leif sah sich nur kurz um; im Endeffekt war jedes Zelt doch irgendwie gleich ausgestattet. Eine Latrine mit Fellen, ein Nachttopf und eine Schale mit Waschwasser, für den Adel eine Truhe mit Wechselkleidung und ein einfaches Holzset aus Hocker und Tisch, auf dem ein aufgeschnittener Apfel lag. Eine Halterung für die Rüstung, die Jorin tragen würde, wenn sie nah genug am castandorischen Heer waren, und Platz für seine Axt. Wie in Leifs Zelt selbst musste er sich nicht ducken, wenn er in der Mitte des Zeltes stehen blieb, was er zuerst auch tat. Dann nahm er aber doch den Hocker, drückte ihn in die weiche Erde und setzte sich. Ohne zu fragen, bediente er sich an einer der Apfelspalten. <br />
Es dauerte nicht lange, bis er sich nach vorne beugte und einfach das aussprach, was ihn beschäftigte. Vor seinem kleinen Bruder kannte er ohnehin keinen Filter; keinen, der Jorin oder Leif nicht in ernsthafte Schwierigkeiten bringen würde, zumindest. <div class="winterlandcolor">“Schreibst du Lindgard? Regelmäßig, mein ich?”</div>, fragte er, während er die Apfelspalte zwischen seinen Fingern wog.<br />
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Where we left ourselfs]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=814</link>
			<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 16:30:02 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=814</guid>
			<description><![CDATA[Der Krieg rückte näher und hinterließ in Sanna eine seltsame Unruhe. Es fühlte sich an, als stünde sie zwischen zwei Fronten – zwei Gefahren, die sowohl sie als auch Valda bedrohten und keinen Ausweg ließen. Kein Schlupfloch, durch das sie sich zurückziehen konnte. Und trotzdem hatte sie an diesem Abend den Weg eingeschlagen, hin zu den Winterländern, die bald die Hauptstadt passieren würden, um in Eastergold Meadow zu kämpfen.<br />
Sorge schlich sich in ihr Herz, gedämpft von einer Nervosität, die ihr selbst fremd war. Sie wusste, wer sie in dem Lager der Winterländer erwarten würde: Leif. Er würde seine Krieger nicht alleine in die Schlacht schicken – und dieser Gedanke versetzte ihr einen leisen Stich. Denn wenn er fiel, wusste sie, würde auch ein Teil von ihr mit ihm fallen. Und Valda? Sie wuchs ohnehin ohne die ständige Präsenz ihres Vaters auf. Doch sollte er sterben… würde die Zeit sie von seinem Gesicht lösen, von seiner Stimme, seinen Gesten. Die Gewissheit, dass die Erinnerung verblassen würde, traf Sanna wie ein Schlag. Und sie wusste nicht, was schwerer wog: Die Last, das Andenken an einen Toten zu bewahren – oder ihn in die Vergessenheit gleiten zu lassen. Aber es war nicht Leif, der ihre Nervosität verursachte. Nein. Ihm konnte sie begegnen, so wie sie es schon unzählige Male getan hatte. Mit trotzig gerecktem Kinn und diesem stoischen Ausdruck in den Augen, der deutlich machte, dass er nicht über ihr Schicksal bestimmen konnte. Egal, wie gut gemeint sein Rat, wie sanft seine Geste auch war.<br />
<br />
Nein, Sanna fürchtete sich vor Veith. Vor seinem urteilenden Blick, vor einem möglichen stummen Vorwurf – und noch mehr vor der Möglichkeit, dass er ihr mit Gleichgültigkeit begegnen würde. Dieser Gedanke schnitt tiefer als jede Schuld, die sie selbst in sich trug. <br />
Sie hatte oft an ihn gedacht. Zu oft. Und sich doch jedes Mal verboten, den Gedanken weiterzugehen. Denn nichts daran änderte ihre Lage, nichts daran, dass sie dem Winterland vielleicht noch lange fernbleiben musste. Es war ein unerbittlicher Abstand, der nicht durch Sehnsucht überbrückt werden konnte. Und doch... zog sich ihr Herz schmerzlich zusammen, sobald sie sich erinnerte, wie seine Hände sie gehalten hatten. Wie sanft seine Lippen die ihren berührt hatten, ehe sich in ihr ein Feuer entfachte, das sie zugleich nährte und verbrannte – wie eine Saat, die in zu schneller Hitze aufgeht. Diese Wärme war nicht vergessen. Sie war nur tief vergraben – und gerade deshalb umso schmerzhafter.<br />
<br />
Ihre Schritte waren leise, als sie die ersten Zelte bemerkte. Wachsam glitten ihre Augen über die dunklen Stoffbahnen, die nur von vereinzelten, wie zufällig platzierten Lagerfeuern erhellt wurden. Die Schatten bewegten sich, flackerten, wurden zu Gestalten und verschwanden wieder. Sanna spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Dabei war sie weder eine Aufsässige, noch eine Gesuchte. Sie war wie all die anderen hier – eine Winterländerin. Und doch fühlte es sich an, als müsste sie sich rechtfertigen für jeden Schritt, für jeden Atemzug, als läge ein unsichtbarer Blick auf ihr.<br />
In ihren Jagdkleidern würde sie nicht auffallen. Auch wenn sie schon lange im Frühlingsland war, war ihr die Kleidung dort nie vertraut geworden. Die grobe Wolle, das dunkle Leder, das Gewicht des Messers an ihrer Hüfte – das war es, was sich richtig anfühlte. Was sie an Zuhause erinnerte und was sie war. <br />
<br />
Er stand etwas abseits, leicht seitlich, den Rücken halb ihr zugewandt. Sein Blick war auf einen Punkt gerichtet, den Sanna nicht ausmachen konnte, und sein Gesicht trug diesen vertrauten, undurchdringlichen Ausdruck. Manche hätten ihn wohl kalt genannt. Doch sie wusste, dass hinter dieser Ruhe etwas lag, das er vor allen verbarg.<br />
Sanna hielt den Atem an. Als könnte allein dieses leise Ein- und Aus dem Stillen zwischen ihnen ein Ende setzen. Als würde schon ihr Herzschlag laut genug sein, um seine Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. Für einen Augenblick stand die Welt um sie herum still: die entfernten Stimmen am Feuer, das Klingen von Metall, das leise Schnauben der Pferde. Alles trat zurück – bis nur er blieb. Sie fürchtete, dass ihr der Mut entgleiten könnte. Dass ihr eigentliches Vorhaben – Leif vielleicht ein letztes Mal seine Tochter sehen zu lassen – daran scheitern würde, dass sie es nicht über sich brachte, Veith gegenüberzutreten. Der Gedanke schnürte ihr die Kehle zu. Es war nicht der Krieg, der sie lähmte. Nicht die Gefahr, nicht der bevorstehende Verlust. Es war er. Und die Erinnerung an das, was zwischen ihnen gewesen – und was unausgesprochen geblieben war.<br />
Dennoch trat sie aus dem Schatten des Baumes hervor und bewegte sich lautlos, bis sie nur wenige Schritte hinter ihm zum Stehen kam. Ihre braunen Augen glitten über seinen breiten Rücken, über das silbrig schimmernde Haar, das im Mondlicht beinahe zu leuchten schien. Wieder spürte Sanna, wie ihr Mut ins Schwanken geriet. Ein flüchtiger Gedanke drängte sich ihr auf – einfach an ihm vorbeizugehen, in die Zeltstadt einzutauchen, als wäre sie nie hier gewesen. Aber sie tat es nicht. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Hallo, Veith…“</span> Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren erschreckend laut, obwohl es kaum mehr als ein Flüstern gewesen war. Und als er sich umwandte, wusste sie für einen flüchtigen Augenblick nicht, was sie in dem starren Bernstein seiner Augen sah. Sie schluckte schwer und spürte, wie sich ein verräterischer Glanz in ihre eigenen Augen legte. Ärger flackerte in ihr auf – darüber, dass sie so leicht durchschaubar war, so verletzlich. Ein Kloß schob sich ihr in den Hals, als würde die Anspannung der vergangenen Wochen und Monate nun endlich auf sie niedergehen, schwer wie Schnee auf einem Dach, das lange standgehalten hatte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich…“</span> begann sie und hob eine Hand, als wolle sie die Worte formen, sie aus der Luft ziehen. Doch ihre Hand blieb dort, unbeholfen, reglos – als hätte jemand eine unsichtbare Schlinge um ihr Handgelenk gelegt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Es tut mir leid, dass ich einfach gegangen bin.“</span> Ihre Stimme klang ihr selbst fremd, wie ein Echo aus weiter Entfernung. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Helvi hat sich sicher Sorgen gemacht…“</span> fügte sie hastig hinzu, als fürchte sie, er könnte jeden Moment die Schultern heben, sich abwenden – und sie damit endgültig aus seinem Leben schneiden oder ihr sagen, es wäre ihm nicht einmal aufgefallen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Krieg rückte näher und hinterließ in Sanna eine seltsame Unruhe. Es fühlte sich an, als stünde sie zwischen zwei Fronten – zwei Gefahren, die sowohl sie als auch Valda bedrohten und keinen Ausweg ließen. Kein Schlupfloch, durch das sie sich zurückziehen konnte. Und trotzdem hatte sie an diesem Abend den Weg eingeschlagen, hin zu den Winterländern, die bald die Hauptstadt passieren würden, um in Eastergold Meadow zu kämpfen.<br />
Sorge schlich sich in ihr Herz, gedämpft von einer Nervosität, die ihr selbst fremd war. Sie wusste, wer sie in dem Lager der Winterländer erwarten würde: Leif. Er würde seine Krieger nicht alleine in die Schlacht schicken – und dieser Gedanke versetzte ihr einen leisen Stich. Denn wenn er fiel, wusste sie, würde auch ein Teil von ihr mit ihm fallen. Und Valda? Sie wuchs ohnehin ohne die ständige Präsenz ihres Vaters auf. Doch sollte er sterben… würde die Zeit sie von seinem Gesicht lösen, von seiner Stimme, seinen Gesten. Die Gewissheit, dass die Erinnerung verblassen würde, traf Sanna wie ein Schlag. Und sie wusste nicht, was schwerer wog: Die Last, das Andenken an einen Toten zu bewahren – oder ihn in die Vergessenheit gleiten zu lassen. Aber es war nicht Leif, der ihre Nervosität verursachte. Nein. Ihm konnte sie begegnen, so wie sie es schon unzählige Male getan hatte. Mit trotzig gerecktem Kinn und diesem stoischen Ausdruck in den Augen, der deutlich machte, dass er nicht über ihr Schicksal bestimmen konnte. Egal, wie gut gemeint sein Rat, wie sanft seine Geste auch war.<br />
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Nein, Sanna fürchtete sich vor Veith. Vor seinem urteilenden Blick, vor einem möglichen stummen Vorwurf – und noch mehr vor der Möglichkeit, dass er ihr mit Gleichgültigkeit begegnen würde. Dieser Gedanke schnitt tiefer als jede Schuld, die sie selbst in sich trug. <br />
Sie hatte oft an ihn gedacht. Zu oft. Und sich doch jedes Mal verboten, den Gedanken weiterzugehen. Denn nichts daran änderte ihre Lage, nichts daran, dass sie dem Winterland vielleicht noch lange fernbleiben musste. Es war ein unerbittlicher Abstand, der nicht durch Sehnsucht überbrückt werden konnte. Und doch... zog sich ihr Herz schmerzlich zusammen, sobald sie sich erinnerte, wie seine Hände sie gehalten hatten. Wie sanft seine Lippen die ihren berührt hatten, ehe sich in ihr ein Feuer entfachte, das sie zugleich nährte und verbrannte – wie eine Saat, die in zu schneller Hitze aufgeht. Diese Wärme war nicht vergessen. Sie war nur tief vergraben – und gerade deshalb umso schmerzhafter.<br />
<br />
Ihre Schritte waren leise, als sie die ersten Zelte bemerkte. Wachsam glitten ihre Augen über die dunklen Stoffbahnen, die nur von vereinzelten, wie zufällig platzierten Lagerfeuern erhellt wurden. Die Schatten bewegten sich, flackerten, wurden zu Gestalten und verschwanden wieder. Sanna spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Dabei war sie weder eine Aufsässige, noch eine Gesuchte. Sie war wie all die anderen hier – eine Winterländerin. Und doch fühlte es sich an, als müsste sie sich rechtfertigen für jeden Schritt, für jeden Atemzug, als läge ein unsichtbarer Blick auf ihr.<br />
In ihren Jagdkleidern würde sie nicht auffallen. Auch wenn sie schon lange im Frühlingsland war, war ihr die Kleidung dort nie vertraut geworden. Die grobe Wolle, das dunkle Leder, das Gewicht des Messers an ihrer Hüfte – das war es, was sich richtig anfühlte. Was sie an Zuhause erinnerte und was sie war. <br />
<br />
Er stand etwas abseits, leicht seitlich, den Rücken halb ihr zugewandt. Sein Blick war auf einen Punkt gerichtet, den Sanna nicht ausmachen konnte, und sein Gesicht trug diesen vertrauten, undurchdringlichen Ausdruck. Manche hätten ihn wohl kalt genannt. Doch sie wusste, dass hinter dieser Ruhe etwas lag, das er vor allen verbarg.<br />
Sanna hielt den Atem an. Als könnte allein dieses leise Ein- und Aus dem Stillen zwischen ihnen ein Ende setzen. Als würde schon ihr Herzschlag laut genug sein, um seine Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. Für einen Augenblick stand die Welt um sie herum still: die entfernten Stimmen am Feuer, das Klingen von Metall, das leise Schnauben der Pferde. Alles trat zurück – bis nur er blieb. Sie fürchtete, dass ihr der Mut entgleiten könnte. Dass ihr eigentliches Vorhaben – Leif vielleicht ein letztes Mal seine Tochter sehen zu lassen – daran scheitern würde, dass sie es nicht über sich brachte, Veith gegenüberzutreten. Der Gedanke schnürte ihr die Kehle zu. Es war nicht der Krieg, der sie lähmte. Nicht die Gefahr, nicht der bevorstehende Verlust. Es war er. Und die Erinnerung an das, was zwischen ihnen gewesen – und was unausgesprochen geblieben war.<br />
Dennoch trat sie aus dem Schatten des Baumes hervor und bewegte sich lautlos, bis sie nur wenige Schritte hinter ihm zum Stehen kam. Ihre braunen Augen glitten über seinen breiten Rücken, über das silbrig schimmernde Haar, das im Mondlicht beinahe zu leuchten schien. Wieder spürte Sanna, wie ihr Mut ins Schwanken geriet. Ein flüchtiger Gedanke drängte sich ihr auf – einfach an ihm vorbeizugehen, in die Zeltstadt einzutauchen, als wäre sie nie hier gewesen. Aber sie tat es nicht. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Hallo, Veith…“</span> Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren erschreckend laut, obwohl es kaum mehr als ein Flüstern gewesen war. Und als er sich umwandte, wusste sie für einen flüchtigen Augenblick nicht, was sie in dem starren Bernstein seiner Augen sah. Sie schluckte schwer und spürte, wie sich ein verräterischer Glanz in ihre eigenen Augen legte. Ärger flackerte in ihr auf – darüber, dass sie so leicht durchschaubar war, so verletzlich. Ein Kloß schob sich ihr in den Hals, als würde die Anspannung der vergangenen Wochen und Monate nun endlich auf sie niedergehen, schwer wie Schnee auf einem Dach, das lange standgehalten hatte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich…“</span> begann sie und hob eine Hand, als wolle sie die Worte formen, sie aus der Luft ziehen. Doch ihre Hand blieb dort, unbeholfen, reglos – als hätte jemand eine unsichtbare Schlinge um ihr Handgelenk gelegt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Es tut mir leid, dass ich einfach gegangen bin.“</span> Ihre Stimme klang ihr selbst fremd, wie ein Echo aus weiter Entfernung. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Helvi hat sich sicher Sorgen gemacht…“</span> fügte sie hastig hinzu, als fürchte sie, er könnte jeden Moment die Schultern heben, sich abwenden – und sie damit endgültig aus seinem Leben schneiden oder ihr sagen, es wäre ihm nicht einmal aufgefallen.]]></content:encoded>
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