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		<title><![CDATA[Facing the Storm - King's Portal - die Hauptstadt]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 08:28:49 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[The River in Her Eyes.]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=819</link>
			<pubDate>Sat, 06 Dec 2025 09:22:13 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=16">Naila Castellanos</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/e1/69/c7/e169c7c1fe2f3aa7a840ce687f1527b8.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:24px;">
And this Grief that has no Release<br />
 -<br />
 Growing Inwards Rooting into My Spine<br />
</div>
</div>
<br />
Naila hatte abgenommen, oder vielleicht war es das Alter, was sie langsam zeichnete. Ihre Wangenknochen stachen markanter hervor unter dem Rouge, das die jugendliche Fülle einer frisch gebackenen Ehefrau vortäuschte. Die Schlüsselbeine waren deutlich im Feuerschein zu sehen, auch wenn die goldene Halskette von ihnen ablenken sollte. Ihre Handgelenke, die unter dem Tuch ihres gewickelten Saris hervor lugten, wirkten als könnte man sie mit einem festen Griff brechen. Und ständig lagen diese Blicke auf ihr, die auf ihre Statur abzufärben schienen. Gewichte, wenn sie ihnen direkt begegnete und wusste, dass man sich um sie sorgte, sie bemitleidete, ihr in ihrem Verlust zusprechen wollte, aber nicht wusste wie. Einfacher waren die Blicke zu ertragen, die sie abschätzten, nun, da ihr einziger Titel an ihrem Ehemann hing und ihre Herkunft jedweden Status verloren hatte. Schlimmer die noch, die aus den Schatten zu ihr aufschauten. Diener, die hinter ihrem Rücken sprachen und Imani zur Seite nahmen, um sie auszufragen. Der Blick von Rajani und Aanya, oft mit stillen Tränen durchtränkt, weil sie Nailas Schmerz nicht ertragen konnten. <i>Nieman in ihrem Alter sollte solch einen Schmerz überhaupt erfahren.</i> Und doch lebte sie ihn jeden Tag, als hätte Heofader sich persönlich zum Ziel genommen, sie für die Fehler ihres Blutes zu strafen. <br />
Manche behaupteten, Naila wäre in ihrem Schmerz schöner denn je. Es war die stumme Anmut, die sie trug, während auf ihren dünnen Schultern Gewichte ruhten, die ein Mädchen wie sie nicht tragen sollte. Nachdem sie in ihrer Verzweiflung versucht hatte, mit Augusto zu reden und etwas für die Überbleibsel ihrer Familie zu bewegen, war Resignation in ihre Trauer eingekehrt. Zeitweise glaubte sie, nicht mehr richtig zu fühlen. Ihre Geschmacksnerven waren taub und ließen sie kaum Mahlzeiten anrühren, bis ihr Umfeld sie wiederholt darum bat, etwas zu sich zu nehmen. Ihre Umarmungen fühlten sich leer an, wenn sie Ranya in die Arme nahm und versuchte, mit ebenso leeren Worten zu trösten. Was hatte es überhaupt noch für einen Sinn, hier zu vegetieren? Man ließ sie nicht verhandeln. Nicht diskutieren. Überhaupt ließ man sie überhaupt nicht mehr aus den Augen, als hätte man Angst, dass sie einem durch die Finger entwischen und ihrer neugewonnen <i>Familie</i> den letzten Rest an Kontrolle über die Situation nehmen konnte. Was hatte Familie überhaupt noch für eine Bedeutung, wenn man sie behandelte wie eine Nachtigall im Käfig? Wenn man ihr Lied verstummte? Orpheus war nicht hier und sie war allein umgeben von Raubkatzen, die beobachten wollten, ob sie überhaupt noch einen Wert mit sich brachte.<br />
<br />
Es machte keinen Unterschied, ob sie den letzten Brief ihres Onkels in den Händen hielt oder die formelle Einladung zur Krönung des neuen Königs, dessen Namen sie nicht ein Mal in den Mund nehmen konnte. Naila fühlte nichts mehr, wenn sie die Zeilen las und die Handschriften miteinander verglich. Heute war ihr Geburtstag und sie war gekleidet in Schwarz, doch auch das schien keine Bedeutung in ihrer Vegetation zu haben, losgelöst von Zeit und Ort. <br />
In ihrem Gemach war sie allein mit ihrem Leibwächter, einer der wenigen Menschen, die ihr noch vertraut waren. Vertraut? In ihrer Heimat hatte man sich auch gegen ihre Familie gerichtet und sie ersetzt, wie man Steine auf einem Spieltisch ersetzte. Es musste später Abend sein, den gedämpften Geräuschen nach zu urteilen, die über die offene Balkontür hinein wehten und darauf hindeuteten, dass sich der Palast allmählich zur Ruhe begab; entfernte Stimmen, der Prinzessin nach Tagen des Schweigens nicht mehr fremd. <br />
Eigentlich sollte Naila sich auch zur Ruhe begeben - ironisch, wenn man bedachte, dass sie den ganzen Tag nichts anderes tat als sich <i>auszuruhen</i>. Ihre Hand ruhte ruhig auf ihrem Schoß und hielt die öffentliche Einladung zur königlichen Krönung in den Händen, die zu dieser Stunde bereits in vollem Gange sein musste. Ihr Blick hob sich kaum von dem Pergament, als ihre Stimme durch den Raum wehte. <div class="koenigslandcolor">“Ekene, setz dich zu mir”</div>, bat sie, aber sie beide wussten, dass es keine Bitte war. Selten adressierte sie ein Wort an ihn, das nicht mit seiner direkten Aufgabe zutun hatte, ihr Leibwächter zu sein. Doch tat sie es nun, mit einem Blick durchtränkt von Ruhe, als er ihrer Bitte nachkam und sich setzte.<br />
Eine halbe Minute verging, die sie ihn nur musterte, ehe sie fortfuhr. <div class="koenigslandcolor">“Wie geht es deinem Bruder? Hast du Nachricht von ihm an der Front erhalten?”</div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/e1/69/c7/e169c7c1fe2f3aa7a840ce687f1527b8.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:24px;">
And this Grief that has no Release<br />
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 Growing Inwards Rooting into My Spine<br />
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Naila hatte abgenommen, oder vielleicht war es das Alter, was sie langsam zeichnete. Ihre Wangenknochen stachen markanter hervor unter dem Rouge, das die jugendliche Fülle einer frisch gebackenen Ehefrau vortäuschte. Die Schlüsselbeine waren deutlich im Feuerschein zu sehen, auch wenn die goldene Halskette von ihnen ablenken sollte. Ihre Handgelenke, die unter dem Tuch ihres gewickelten Saris hervor lugten, wirkten als könnte man sie mit einem festen Griff brechen. Und ständig lagen diese Blicke auf ihr, die auf ihre Statur abzufärben schienen. Gewichte, wenn sie ihnen direkt begegnete und wusste, dass man sich um sie sorgte, sie bemitleidete, ihr in ihrem Verlust zusprechen wollte, aber nicht wusste wie. Einfacher waren die Blicke zu ertragen, die sie abschätzten, nun, da ihr einziger Titel an ihrem Ehemann hing und ihre Herkunft jedweden Status verloren hatte. Schlimmer die noch, die aus den Schatten zu ihr aufschauten. Diener, die hinter ihrem Rücken sprachen und Imani zur Seite nahmen, um sie auszufragen. Der Blick von Rajani und Aanya, oft mit stillen Tränen durchtränkt, weil sie Nailas Schmerz nicht ertragen konnten. <i>Nieman in ihrem Alter sollte solch einen Schmerz überhaupt erfahren.</i> Und doch lebte sie ihn jeden Tag, als hätte Heofader sich persönlich zum Ziel genommen, sie für die Fehler ihres Blutes zu strafen. <br />
Manche behaupteten, Naila wäre in ihrem Schmerz schöner denn je. Es war die stumme Anmut, die sie trug, während auf ihren dünnen Schultern Gewichte ruhten, die ein Mädchen wie sie nicht tragen sollte. Nachdem sie in ihrer Verzweiflung versucht hatte, mit Augusto zu reden und etwas für die Überbleibsel ihrer Familie zu bewegen, war Resignation in ihre Trauer eingekehrt. Zeitweise glaubte sie, nicht mehr richtig zu fühlen. Ihre Geschmacksnerven waren taub und ließen sie kaum Mahlzeiten anrühren, bis ihr Umfeld sie wiederholt darum bat, etwas zu sich zu nehmen. Ihre Umarmungen fühlten sich leer an, wenn sie Ranya in die Arme nahm und versuchte, mit ebenso leeren Worten zu trösten. Was hatte es überhaupt noch für einen Sinn, hier zu vegetieren? Man ließ sie nicht verhandeln. Nicht diskutieren. Überhaupt ließ man sie überhaupt nicht mehr aus den Augen, als hätte man Angst, dass sie einem durch die Finger entwischen und ihrer neugewonnen <i>Familie</i> den letzten Rest an Kontrolle über die Situation nehmen konnte. Was hatte Familie überhaupt noch für eine Bedeutung, wenn man sie behandelte wie eine Nachtigall im Käfig? Wenn man ihr Lied verstummte? Orpheus war nicht hier und sie war allein umgeben von Raubkatzen, die beobachten wollten, ob sie überhaupt noch einen Wert mit sich brachte.<br />
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Es machte keinen Unterschied, ob sie den letzten Brief ihres Onkels in den Händen hielt oder die formelle Einladung zur Krönung des neuen Königs, dessen Namen sie nicht ein Mal in den Mund nehmen konnte. Naila fühlte nichts mehr, wenn sie die Zeilen las und die Handschriften miteinander verglich. Heute war ihr Geburtstag und sie war gekleidet in Schwarz, doch auch das schien keine Bedeutung in ihrer Vegetation zu haben, losgelöst von Zeit und Ort. <br />
In ihrem Gemach war sie allein mit ihrem Leibwächter, einer der wenigen Menschen, die ihr noch vertraut waren. Vertraut? In ihrer Heimat hatte man sich auch gegen ihre Familie gerichtet und sie ersetzt, wie man Steine auf einem Spieltisch ersetzte. Es musste später Abend sein, den gedämpften Geräuschen nach zu urteilen, die über die offene Balkontür hinein wehten und darauf hindeuteten, dass sich der Palast allmählich zur Ruhe begab; entfernte Stimmen, der Prinzessin nach Tagen des Schweigens nicht mehr fremd. <br />
Eigentlich sollte Naila sich auch zur Ruhe begeben - ironisch, wenn man bedachte, dass sie den ganzen Tag nichts anderes tat als sich <i>auszuruhen</i>. Ihre Hand ruhte ruhig auf ihrem Schoß und hielt die öffentliche Einladung zur königlichen Krönung in den Händen, die zu dieser Stunde bereits in vollem Gange sein musste. Ihr Blick hob sich kaum von dem Pergament, als ihre Stimme durch den Raum wehte. <div class="koenigslandcolor">“Ekene, setz dich zu mir”</div>, bat sie, aber sie beide wussten, dass es keine Bitte war. Selten adressierte sie ein Wort an ihn, das nicht mit seiner direkten Aufgabe zutun hatte, ihr Leibwächter zu sein. Doch tat sie es nun, mit einem Blick durchtränkt von Ruhe, als er ihrer Bitte nachkam und sich setzte.<br />
Eine halbe Minute verging, die sie ihn nur musterte, ehe sie fortfuhr. <div class="koenigslandcolor">“Wie geht es deinem Bruder? Hast du Nachricht von ihm an der Front erhalten?”</div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Bleeding Sun]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=741</link>
			<pubDate>Fri, 06 Jun 2025 08:49:23 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=59">Aurelia Marsili</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/51/54/01/515401b76d3b76fcc82cd78f58ca8d17.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">Sun-blood handsome</div>
Life and Poison.<br />
</div>
Langsam fühlte sich King’s Portal wieder so an, als würde sie atmen. Es war der gleiche, stinkende, stickige Atem, der sich in jedem Oktober durch die staubigen Gassen über die Mosaikböden drückte, dick und schwanger von Menschenodor, eingegangenen Früchten und Färbergeruch. Aber es war auch der Atem, der im Nachzug eine frische Brise vom Schaum des Meeres mit sich trug, sich nach oben hin klärte und zum Sonnenuntergang langsam die Hitze aus dem Marmor saugte. Die letzten Tage hatte die Stadt gejauchzt, war mit Leben an verschiedenen Herden gefüllt worden, von Menschen jeder Generation, jedes Landes, mit unterschiedlichen Motivationen, an den Spektakeln der Hochzeit teilzunehmen. Dann hatte sie geschlafen und den Menschen Zeit gegeben, sich von der Feierei zu erholen; Läden blieben geschlossen, Handwerk blieb ruhen, die Märkte nur gefüllt von Familien, die ihre übrig gebliebenen Festtagsreste teilten und gemeinsam in Erinnerungen schwelgten. Was King’s Portal die letzten Wochen gezeichnet hatte - der steigende Unmut in der Bevölkerung über den Zuwachs an Sommerländern, die wie unliebsame Fracht von Schiffen abgeschleppt worden waren, hungrig, ängstlich und gierig nach allem, was sie in ihre langen Finger bekommen konnten - hatte für zwei Nächte pausiert und einer Nächstenliebe Platz gemacht, die man sich untereinander schon kaum zutraute. Der unliebsame Einwanderer war auf einmal ein Freund. Der kleinwüchsige Zwerg war auf einmal genau groß genug, um mit ihm auf das Brautpaar anzustoßen und um das Feuer zu tanzen. Jetzt, wo die Stadt wieder atmete, schien das Vergangene mehr wie ein Traum als etwas, das sie alle gemeinsam erlebt hatten.<br />
Das Wetter hingegen schien das anders zu sehen, und manch einer sah es sicher als großzügiges Zeichen Heofaders für das junge Ehepaar, dass der Oktober sich mit einer goldenen Sonne ankündigte, die sich warm über die hellen Dächer der Stadt legte und den Palast auf dem Hügel in gleißendem Licht erstrahlen ließ. <i>Jetzt, wo sie darüber nachdachte, war es merkwürdig, dass kein Sturm am Horizont aufzog.</i><br />
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/736x/41/65/23/41652357f8117133d5c2d548d8aecf04.jpg"></div>Die Steine fühlten sich warm unter nackten Füßen an, die sich hin und wieder über den Unebenheiten wölbten und geschickt den spitzen Oberflächen auswichen. Die trägen Geräusche des Bankviertels im Hintergrund, kniete sich Aurelia zwischen zwei Felsen nieder und ließ den Meeresschaum gegen ihren Rock waschen, der schnell die türkis transparente Farbe des Wassers annahm und sich von den Wellen tragen ließ. Sie war der Großkönigsfamilie durchaus dankbar dafür, dass sie zwei Tage der Ruhe angeordnet hatten, und ausnahmsweise auch ihren Eltern, die sie nicht zum Arbeiten in die Taverne steckten. <i>Wer soll den Laden sonst halten, hm?</i> Das wusste sie doch; und trotzdem änderte es nichts daran, dass der triste Alltag sie anödete. Wenn sie nur den Mut besäße, sich den Seemännern anzuschließen und hinaus in die Wellen zu reiten ohne einen Plan, wohin es sie verschlagen würde. Wenn sie nur den Mumm hätte, ihrer Familie den Rücken zu kehren und dem Drang nach Freiheit nachzugeben.<br />
Stattdessen saß sie hier, allein, ihre Hände in das flache Wasser tunkend. Es war nicht die Tatsache, dass sie allein war, die sie so störte - sondern der Umstand, dass sie sich von Antonius Bruder klein bekommen hatte, ihm einen Gefallen zu tun und die Perlen für ihn zu waschen. Eigentlich war das gar nicht ihre Aufgabe, und ursprünglich hatte sie auch unzufrieden ihre Nase gekräuselt und die Arme vor der Brust verschränkt. <i>Nein.</i> Sie hatte Besseres zutun, als ihren freien Tag mit einem Gefallen zu verschwenden. Aber dann hatte er sie mit diesem dummen Hundeblick angesehen, den auch Antonius drauf hatte, und sie mit dem Versprechen rumbekommen, dass sie fünf von den Perlen behalten durfte. Hätte der Gefallen nicht beinhaltet, dass sie ihren Nachmittag an ihrem Lieblingsstrand verbringen konnte, hätte sie trotzdem Nein gesagt. In der Sonne, die ihre Nase küsste und ihre nackten Arme in eine warmen Olivton verwandelte, empfand sie es aber tatsächlich gar nicht als Strafe, und auch nicht als Zeitverschwendung. Im Gegenteil - Aurelia bemerkte, wie das rhythmische Heranwaschen der Wellen an ihren Gedanken zupfte und sie unter den schweren Locken löste. Während sie sich über die Perlen beugte, gab ihr Haar der Schwerkraft nach und fiel über ihre Schulter, bis es mit den Spitzen das Wasser berührte. So wie ihre Singstimme die Felsen berührte, geformt zu einer sanften Melodie, der nur die Wellen lauschen durften.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/51/54/01/515401b76d3b76fcc82cd78f58ca8d17.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">Sun-blood handsome</div>
Life and Poison.<br />
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Langsam fühlte sich King’s Portal wieder so an, als würde sie atmen. Es war der gleiche, stinkende, stickige Atem, der sich in jedem Oktober durch die staubigen Gassen über die Mosaikböden drückte, dick und schwanger von Menschenodor, eingegangenen Früchten und Färbergeruch. Aber es war auch der Atem, der im Nachzug eine frische Brise vom Schaum des Meeres mit sich trug, sich nach oben hin klärte und zum Sonnenuntergang langsam die Hitze aus dem Marmor saugte. Die letzten Tage hatte die Stadt gejauchzt, war mit Leben an verschiedenen Herden gefüllt worden, von Menschen jeder Generation, jedes Landes, mit unterschiedlichen Motivationen, an den Spektakeln der Hochzeit teilzunehmen. Dann hatte sie geschlafen und den Menschen Zeit gegeben, sich von der Feierei zu erholen; Läden blieben geschlossen, Handwerk blieb ruhen, die Märkte nur gefüllt von Familien, die ihre übrig gebliebenen Festtagsreste teilten und gemeinsam in Erinnerungen schwelgten. Was King’s Portal die letzten Wochen gezeichnet hatte - der steigende Unmut in der Bevölkerung über den Zuwachs an Sommerländern, die wie unliebsame Fracht von Schiffen abgeschleppt worden waren, hungrig, ängstlich und gierig nach allem, was sie in ihre langen Finger bekommen konnten - hatte für zwei Nächte pausiert und einer Nächstenliebe Platz gemacht, die man sich untereinander schon kaum zutraute. Der unliebsame Einwanderer war auf einmal ein Freund. Der kleinwüchsige Zwerg war auf einmal genau groß genug, um mit ihm auf das Brautpaar anzustoßen und um das Feuer zu tanzen. Jetzt, wo die Stadt wieder atmete, schien das Vergangene mehr wie ein Traum als etwas, das sie alle gemeinsam erlebt hatten.<br />
Das Wetter hingegen schien das anders zu sehen, und manch einer sah es sicher als großzügiges Zeichen Heofaders für das junge Ehepaar, dass der Oktober sich mit einer goldenen Sonne ankündigte, die sich warm über die hellen Dächer der Stadt legte und den Palast auf dem Hügel in gleißendem Licht erstrahlen ließ. <i>Jetzt, wo sie darüber nachdachte, war es merkwürdig, dass kein Sturm am Horizont aufzog.</i><br />
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/736x/41/65/23/41652357f8117133d5c2d548d8aecf04.jpg"></div>Die Steine fühlten sich warm unter nackten Füßen an, die sich hin und wieder über den Unebenheiten wölbten und geschickt den spitzen Oberflächen auswichen. Die trägen Geräusche des Bankviertels im Hintergrund, kniete sich Aurelia zwischen zwei Felsen nieder und ließ den Meeresschaum gegen ihren Rock waschen, der schnell die türkis transparente Farbe des Wassers annahm und sich von den Wellen tragen ließ. Sie war der Großkönigsfamilie durchaus dankbar dafür, dass sie zwei Tage der Ruhe angeordnet hatten, und ausnahmsweise auch ihren Eltern, die sie nicht zum Arbeiten in die Taverne steckten. <i>Wer soll den Laden sonst halten, hm?</i> Das wusste sie doch; und trotzdem änderte es nichts daran, dass der triste Alltag sie anödete. Wenn sie nur den Mut besäße, sich den Seemännern anzuschließen und hinaus in die Wellen zu reiten ohne einen Plan, wohin es sie verschlagen würde. Wenn sie nur den Mumm hätte, ihrer Familie den Rücken zu kehren und dem Drang nach Freiheit nachzugeben.<br />
Stattdessen saß sie hier, allein, ihre Hände in das flache Wasser tunkend. Es war nicht die Tatsache, dass sie allein war, die sie so störte - sondern der Umstand, dass sie sich von Antonius Bruder klein bekommen hatte, ihm einen Gefallen zu tun und die Perlen für ihn zu waschen. Eigentlich war das gar nicht ihre Aufgabe, und ursprünglich hatte sie auch unzufrieden ihre Nase gekräuselt und die Arme vor der Brust verschränkt. <i>Nein.</i> Sie hatte Besseres zutun, als ihren freien Tag mit einem Gefallen zu verschwenden. Aber dann hatte er sie mit diesem dummen Hundeblick angesehen, den auch Antonius drauf hatte, und sie mit dem Versprechen rumbekommen, dass sie fünf von den Perlen behalten durfte. Hätte der Gefallen nicht beinhaltet, dass sie ihren Nachmittag an ihrem Lieblingsstrand verbringen konnte, hätte sie trotzdem Nein gesagt. In der Sonne, die ihre Nase küsste und ihre nackten Arme in eine warmen Olivton verwandelte, empfand sie es aber tatsächlich gar nicht als Strafe, und auch nicht als Zeitverschwendung. Im Gegenteil - Aurelia bemerkte, wie das rhythmische Heranwaschen der Wellen an ihren Gedanken zupfte und sie unter den schweren Locken löste. Während sie sich über die Perlen beugte, gab ihr Haar der Schwerkraft nach und fiel über ihre Schulter, bis es mit den Spitzen das Wasser berührte. So wie ihre Singstimme die Felsen berührte, geformt zu einer sanften Melodie, der nur die Wellen lauschen durften.<br />
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