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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Dharan al-Bahr - die Hauptstadt]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 13:04:35 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[The Door between Worlds]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=833</link>
			<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 06:28:13 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=26">Devan Naharis</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=833</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/f9/12/c0/f912c0562b61df5d9f8cb857787033f5.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:40px;"><div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">Change is Scary, but Change is also</div>
Growth<br />
</div>
<br />
Obwohl das Haus sich direkt in die Gasse hinter einem der zahlreichen Basare der Hauptstadt einreihte, störte der Lärm kaum die ruhigen, schattigen Räumlichkeiten, in denen sich die Insassen überwiegend aufhielten. Ein Streit zwischen Mutter und Kind wehte über den Innenhof, der dank des Baldachins in ein rotbraunes Licht getaucht war. Manchmal schien es fast so, als würde Zeit und Momentum hier stehen bleiben; als würde sich dieses eine, einfache Lehmhaus in den Wirren des Lebens nicht bewegen und um die Belange der Welt kümmern. In einem einfallenden Sonnenstrahl durch das ladenlose Fenster schwebte der Staub schwerelos durch die Luft, fast in völligem Stillstand, wenn es keinen Anlass gab, sich zu bewegen. Denn Staub war immer noch Staub, auch wenn die Welt um ihn herum an Chaos zerbrach. Staub würde immer Staub sein, schwerelos, um jeden Wind wirbelnd ungeachtet des Zustandes seines Umfeldes. Eine Konstante, ein Bestandteil ihres Lebens so unbedeutend, dass er nie genug sein würde, um das Gleichgewicht der Welt zu beeinflussen wie die, die den Wind verursachten. Es reichte ihm, zu existieren und sich in den Haaren der Menschen festzusetzen, die unbedingt etwas bewegen wollten.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ich will dich nicht länger beanspruchen.”</span> Die sanft geschwungenen Lippen der Frau bewegten sich in einem Kontinuum, das die Stille des Hauses nicht durchbrach, sondern mit ihr schwamm. Gedrückt durch die schwere, warme Luft ihres Landes erreichten die Worte ihn langsam, träge, und doch unmissverständlich in ihrer Absicht. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ruh dich aus. Du hast noch viel Arbeit vor dir, und wir brauchen dich in bester Gesundheit.”</span> Er kannte sie. Er wusste, dass ihre Worte stets so gewählt waren, dass sie sanfte Versprechen trugen und einen Mann einem Tuch hinterherjagen ließen, das sie hinter sich herzog. Heute klang ihre Stimme heiterer, stolz fast, während über den offenen Innenhof ein Marktsprecher die Worte an eine verstummte Bevölkerung richtete. Deswegen wusste er auch, dass Safiyas Augen nie so ruhten, wie ihre Stimme es versprach. Obwohl sie ihm Ruhe versprach, schnitt ihr Glanz unruhig und wild, wagemutig, verzweifelt durch den Raum und wirbelte den Staub auf, der durch einen schmalen Sonnenstrahl zwischen ihnen fiel. Devan kannte niemanden, dessen Münze zwischen Wohlwollen und Rachegelüsten so schmal geschnitten war wie der ihre. Wenn er sich ihr entgegen lehnte, würde sie dann kippen?<br />
Doch sie schenkte ihm nur ein warmes Lächeln und richtete sich neben seiner Liege, die mit Schafwolle gepolstert war, auf, richtete ihr Tuch, das ihr dickes Haar halb verdeckte, und verließ den Raum. Im Türrahmen hielt sie noch einmal inne, die Hand an dem glatt geriebenen Lehm. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Merkwürdig, oder…? Zariyah ist nur wenige Jahre jünger als ich, und doch bin ich so stolz auf sie, als wäre sie meine Tochter.”</span> Safiyya drehte sich zu ihm und in der Schwere ihres Lächelns steckte eine Wärme, die er nie hatte nachvollziehen können; denn sie kam von etwas Tiefem, Inneren, wozu ihm der Zugang verwehrt war. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Du kannst auch stolz auf sie sein. Sie hat dein Leben gerettet.”</span><br />
<br />
Und das war er, vermutlich. In den zwei Tagen, die er mehr in Trance als wach verbracht hatte, irgendwo zwischen tiefem, heilendem Schlaf und den vereinzelten, ausnahmslos einseitigen Gesprächen mit Besuchern, hatte er für sich festgestellt, dass er Dankbarkeit empfand. Die unausgesprochene, blinde Zusammenarbeit zwischen Assassinen, die dasselbe Ziel anvisierten, hatte ihn stärker gemacht, als er eigentlich war. Ohne Batuhan, mit dem er seine Wurzeln teilte, und Zariyah, die seine Lehren verwirklicht hatte, hätte er vermutlich keinen Fuß mehr aus dem Palast gesetzt, geschweige denn ihr Ziel in die Tat umgesetzt. Devan war nicht so verblendet, um sich nicht einzugestehen, dass er alleine Ridvan nicht hätte ermorden können. Es war genauso seine Arbeit wie ihre Arbeit, und dafür war er dankbar. Es war ein Gefühl, das ihn in seinem Zimmer beschäftigte, während er das Fieber in der ersten Nacht bekämpfte und schließlich merkte, wie sein Körper langsam heilte. Ein Gefühl, das sich erst durch Träume zog und dann klarer in Gedanken zu fassen war, wenn er wach und alleine war. Etwas, das nicht verschwand, wenn er im sicheren Schatten seines Zuhauses den aufgebrachten Stimmen auf der Straße lauschte, die über den Machtumschwung spekulierten und den Namen des Königs in den Dreck zogen; auch nicht, als Rabia Neuigkeiten mit ihm teilte, die ihn nachdenklich werden ließen.<br />
<br />
Devan bekam relativ viel Besuch dafür, dass er eigentlich das Krankenbett hüten sollte. Erst war es nur Rabia, die in der ersten Nacht an seinem Bett wachte und ihm den fiebrigen Schweiß von seiner Stirn trocknete, dann hin und wieder ohne Klopfen ins Zimmer trat und mit ihren ruppigen Händen seine Verbände wechselte. Abu war am nächsten Morgen vor der Türschwelle aufgetaucht, hatte Devan, seinem ehemaligen Schüler, einen kräftigen Klapser auf die gesunde Schulter verpasst und seitdem hörte man sein lautes Stampfen regelmäßig vom Treppenhaus oder seine polternde Stimme im Innenhof, während er eine Partie Go gegen Rabia verlor. Neben Safiyya, die als Einzige der Amra Alzili sein Zuhause kannte und ihn am Morgen des zweiten Tages besucht hatte, um ihn über die aktuellen Umstände und Pläne aufzuklären, war es vor allem Ilias, sein Schüler, der immer irgendwelche kleinen Ausreden suchte, um ihn zu besuchen. Mit seinem Stock in der Hand, um das Gewicht von seinem verletzten Bein zu nehmen, hörte Devan ihn schon zwei Stockwerke entfernt, bevor er mit Ziegenmilch und Datteln an die Zimmertür seines Mentors klopfte und ihm als Einziger tatsächliche, echte Worte entlockte. Denn Devan war still geworden. Mit einem Körper, der auf die Heilung fokussiert war, merkte er auch, dass sein Geist sich nicht ganz im Gleichgewicht befand und die Stille brauchte, in die er sich zurückzog. Denn mit einem toten König hatte sich sein Umfeld verschoben; er merkte es in der Haltung der Menschen, die ihm gegenüber traten. In den Stimmen von den Straßen, aufgeregt und unsicher. In der Ungewissheit, die über ihrer aller Köpfe schwebte: War es wirklich so, dass der Tod eines Einzelnen der Grund des Leidens vieler war? Oder hatten sie einen Stein ins Rollen gebracht, der viele unter ihm begraben würde, und wenn ja - waren sie überhaupt noch in der Lage, ihn zu stoppen?<br />
<br />
Es war eine Frage, die er sich auch persönlich stellte, als er sich am frühen Abend des zweiten Tages erhob und mit angespannter Anstrengung einen leichten Mantel mit weiten Ärmeln über seinen nackten Oberkörper warf. Die Verbände waren sauber, fest und doch zog der Schmerz ruckartig durch die Nervenbahnen seines geschwächten Körpers, als er sein Gewicht auf den verletzten Oberschenkel verlagerte. Er bewegte sich langsam durch den dritten Stock an den schmalen Sonnenstrahlen vorbei, die durch die offenen Fenster fielen. Als er die schmale Treppe nach oben nahm und sich an der Wand festhielt, um sein Gleichgewicht nicht zu verlieren, strich ein weiches Fellbündel an seinem Knöchel vorbei und wartete am Ende der Stufen darauf, dass er durch die offene Dachluke trat.<br />
Die untergehende Sonne brannte rot über die Dächer von Dharan al-Bahr und ließ die Luft warm über den staubigen, sandigen Straßen schimmern. Es war ein Wirrwarr aus Stoffen, Sandstein, Lehm und Holz, chaotisch durcheinander gewürfelt hier unten in den bürgerlichen Vierteln, wo man nach dem Erdbeben schnell Dächer über dem Kopf hatte errichten müssen, dass man sich nicht darum kümmerte, wie sie mit den Gebäuden der Nachbarn harmonierten. In gewissem Sinne verkörperte es das Leben, in dem sie alle steckten: Chaotisch, Gegenwarts-getrieben und doch nicht bereit, aufzugeben. Devan hatte keinen derartigen Blick für Ästhetik, aber der Anblick war ihm vertraut genug, dass er sich angekommen fühlte.<br />
Am Rand des flachen Daches waren drei Teppiche quer übereinander gelegt mit Kissen, weniger drapiert als einfach so hingeworfen, wie es gerade eben passte. Daneben lag noch eine Schale mit gerösteten Kernen, halb gegessen, halb vergessen in den letzten Tagen, die ihnen allen viel abverlangt hatten. Maeaza, die getigerte Katze, lief voraus und strich um das Bein der sitzenden Frau, ehe sie der kleinen Schale mit dem Wasser an der Ecke des Daches näherte. <br />
Devan machte sich keine Mühe, leise zu sein, doch die Geschmeidigkeit einer Raubkatze ruhte immer noch in seinen Knochen. Etwas aus dem Gleichgewicht, doch immer noch leichtfüßig ließ er sich neben seine Schülerin auf die Teppiche fallen und kreuzte ein Bein in einem halben Schneidersitz, während er das verletzte Bein ausgestreckt ließ. Er ließ wie immer das Schweigen sprechen und wartete, bis sie ihr Wort an ihn richtete. Ohne Erwartung. Ohne Wertung. Mit dem Wissen, dass sie wusste, dass er über ihr Geheimnis Bescheid wusste, aber noch nicht bereit war, eine Entscheidung zu treffen. Seine Hand glitt in die Schale mit den Kernen und das Knacken durchbrach die Stille, als er zwischen seinen Zähnen Kern von Hülle spaltete.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/f9/12/c0/f912c0562b61df5d9f8cb857787033f5.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:40px;"><div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">Change is Scary, but Change is also</div>
Growth<br />
</div>
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Obwohl das Haus sich direkt in die Gasse hinter einem der zahlreichen Basare der Hauptstadt einreihte, störte der Lärm kaum die ruhigen, schattigen Räumlichkeiten, in denen sich die Insassen überwiegend aufhielten. Ein Streit zwischen Mutter und Kind wehte über den Innenhof, der dank des Baldachins in ein rotbraunes Licht getaucht war. Manchmal schien es fast so, als würde Zeit und Momentum hier stehen bleiben; als würde sich dieses eine, einfache Lehmhaus in den Wirren des Lebens nicht bewegen und um die Belange der Welt kümmern. In einem einfallenden Sonnenstrahl durch das ladenlose Fenster schwebte der Staub schwerelos durch die Luft, fast in völligem Stillstand, wenn es keinen Anlass gab, sich zu bewegen. Denn Staub war immer noch Staub, auch wenn die Welt um ihn herum an Chaos zerbrach. Staub würde immer Staub sein, schwerelos, um jeden Wind wirbelnd ungeachtet des Zustandes seines Umfeldes. Eine Konstante, ein Bestandteil ihres Lebens so unbedeutend, dass er nie genug sein würde, um das Gleichgewicht der Welt zu beeinflussen wie die, die den Wind verursachten. Es reichte ihm, zu existieren und sich in den Haaren der Menschen festzusetzen, die unbedingt etwas bewegen wollten.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ich will dich nicht länger beanspruchen.”</span> Die sanft geschwungenen Lippen der Frau bewegten sich in einem Kontinuum, das die Stille des Hauses nicht durchbrach, sondern mit ihr schwamm. Gedrückt durch die schwere, warme Luft ihres Landes erreichten die Worte ihn langsam, träge, und doch unmissverständlich in ihrer Absicht. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Ruh dich aus. Du hast noch viel Arbeit vor dir, und wir brauchen dich in bester Gesundheit.”</span> Er kannte sie. Er wusste, dass ihre Worte stets so gewählt waren, dass sie sanfte Versprechen trugen und einen Mann einem Tuch hinterherjagen ließen, das sie hinter sich herzog. Heute klang ihre Stimme heiterer, stolz fast, während über den offenen Innenhof ein Marktsprecher die Worte an eine verstummte Bevölkerung richtete. Deswegen wusste er auch, dass Safiyas Augen nie so ruhten, wie ihre Stimme es versprach. Obwohl sie ihm Ruhe versprach, schnitt ihr Glanz unruhig und wild, wagemutig, verzweifelt durch den Raum und wirbelte den Staub auf, der durch einen schmalen Sonnenstrahl zwischen ihnen fiel. Devan kannte niemanden, dessen Münze zwischen Wohlwollen und Rachegelüsten so schmal geschnitten war wie der ihre. Wenn er sich ihr entgegen lehnte, würde sie dann kippen?<br />
Doch sie schenkte ihm nur ein warmes Lächeln und richtete sich neben seiner Liege, die mit Schafwolle gepolstert war, auf, richtete ihr Tuch, das ihr dickes Haar halb verdeckte, und verließ den Raum. Im Türrahmen hielt sie noch einmal inne, die Hand an dem glatt geriebenen Lehm. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Merkwürdig, oder…? Zariyah ist nur wenige Jahre jünger als ich, und doch bin ich so stolz auf sie, als wäre sie meine Tochter.”</span> Safiyya drehte sich zu ihm und in der Schwere ihres Lächelns steckte eine Wärme, die er nie hatte nachvollziehen können; denn sie kam von etwas Tiefem, Inneren, wozu ihm der Zugang verwehrt war. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Du kannst auch stolz auf sie sein. Sie hat dein Leben gerettet.”</span><br />
<br />
Und das war er, vermutlich. In den zwei Tagen, die er mehr in Trance als wach verbracht hatte, irgendwo zwischen tiefem, heilendem Schlaf und den vereinzelten, ausnahmslos einseitigen Gesprächen mit Besuchern, hatte er für sich festgestellt, dass er Dankbarkeit empfand. Die unausgesprochene, blinde Zusammenarbeit zwischen Assassinen, die dasselbe Ziel anvisierten, hatte ihn stärker gemacht, als er eigentlich war. Ohne Batuhan, mit dem er seine Wurzeln teilte, und Zariyah, die seine Lehren verwirklicht hatte, hätte er vermutlich keinen Fuß mehr aus dem Palast gesetzt, geschweige denn ihr Ziel in die Tat umgesetzt. Devan war nicht so verblendet, um sich nicht einzugestehen, dass er alleine Ridvan nicht hätte ermorden können. Es war genauso seine Arbeit wie ihre Arbeit, und dafür war er dankbar. Es war ein Gefühl, das ihn in seinem Zimmer beschäftigte, während er das Fieber in der ersten Nacht bekämpfte und schließlich merkte, wie sein Körper langsam heilte. Ein Gefühl, das sich erst durch Träume zog und dann klarer in Gedanken zu fassen war, wenn er wach und alleine war. Etwas, das nicht verschwand, wenn er im sicheren Schatten seines Zuhauses den aufgebrachten Stimmen auf der Straße lauschte, die über den Machtumschwung spekulierten und den Namen des Königs in den Dreck zogen; auch nicht, als Rabia Neuigkeiten mit ihm teilte, die ihn nachdenklich werden ließen.<br />
<br />
Devan bekam relativ viel Besuch dafür, dass er eigentlich das Krankenbett hüten sollte. Erst war es nur Rabia, die in der ersten Nacht an seinem Bett wachte und ihm den fiebrigen Schweiß von seiner Stirn trocknete, dann hin und wieder ohne Klopfen ins Zimmer trat und mit ihren ruppigen Händen seine Verbände wechselte. Abu war am nächsten Morgen vor der Türschwelle aufgetaucht, hatte Devan, seinem ehemaligen Schüler, einen kräftigen Klapser auf die gesunde Schulter verpasst und seitdem hörte man sein lautes Stampfen regelmäßig vom Treppenhaus oder seine polternde Stimme im Innenhof, während er eine Partie Go gegen Rabia verlor. Neben Safiyya, die als Einzige der Amra Alzili sein Zuhause kannte und ihn am Morgen des zweiten Tages besucht hatte, um ihn über die aktuellen Umstände und Pläne aufzuklären, war es vor allem Ilias, sein Schüler, der immer irgendwelche kleinen Ausreden suchte, um ihn zu besuchen. Mit seinem Stock in der Hand, um das Gewicht von seinem verletzten Bein zu nehmen, hörte Devan ihn schon zwei Stockwerke entfernt, bevor er mit Ziegenmilch und Datteln an die Zimmertür seines Mentors klopfte und ihm als Einziger tatsächliche, echte Worte entlockte. Denn Devan war still geworden. Mit einem Körper, der auf die Heilung fokussiert war, merkte er auch, dass sein Geist sich nicht ganz im Gleichgewicht befand und die Stille brauchte, in die er sich zurückzog. Denn mit einem toten König hatte sich sein Umfeld verschoben; er merkte es in der Haltung der Menschen, die ihm gegenüber traten. In den Stimmen von den Straßen, aufgeregt und unsicher. In der Ungewissheit, die über ihrer aller Köpfe schwebte: War es wirklich so, dass der Tod eines Einzelnen der Grund des Leidens vieler war? Oder hatten sie einen Stein ins Rollen gebracht, der viele unter ihm begraben würde, und wenn ja - waren sie überhaupt noch in der Lage, ihn zu stoppen?<br />
<br />
Es war eine Frage, die er sich auch persönlich stellte, als er sich am frühen Abend des zweiten Tages erhob und mit angespannter Anstrengung einen leichten Mantel mit weiten Ärmeln über seinen nackten Oberkörper warf. Die Verbände waren sauber, fest und doch zog der Schmerz ruckartig durch die Nervenbahnen seines geschwächten Körpers, als er sein Gewicht auf den verletzten Oberschenkel verlagerte. Er bewegte sich langsam durch den dritten Stock an den schmalen Sonnenstrahlen vorbei, die durch die offenen Fenster fielen. Als er die schmale Treppe nach oben nahm und sich an der Wand festhielt, um sein Gleichgewicht nicht zu verlieren, strich ein weiches Fellbündel an seinem Knöchel vorbei und wartete am Ende der Stufen darauf, dass er durch die offene Dachluke trat.<br />
Die untergehende Sonne brannte rot über die Dächer von Dharan al-Bahr und ließ die Luft warm über den staubigen, sandigen Straßen schimmern. Es war ein Wirrwarr aus Stoffen, Sandstein, Lehm und Holz, chaotisch durcheinander gewürfelt hier unten in den bürgerlichen Vierteln, wo man nach dem Erdbeben schnell Dächer über dem Kopf hatte errichten müssen, dass man sich nicht darum kümmerte, wie sie mit den Gebäuden der Nachbarn harmonierten. In gewissem Sinne verkörperte es das Leben, in dem sie alle steckten: Chaotisch, Gegenwarts-getrieben und doch nicht bereit, aufzugeben. Devan hatte keinen derartigen Blick für Ästhetik, aber der Anblick war ihm vertraut genug, dass er sich angekommen fühlte.<br />
Am Rand des flachen Daches waren drei Teppiche quer übereinander gelegt mit Kissen, weniger drapiert als einfach so hingeworfen, wie es gerade eben passte. Daneben lag noch eine Schale mit gerösteten Kernen, halb gegessen, halb vergessen in den letzten Tagen, die ihnen allen viel abverlangt hatten. Maeaza, die getigerte Katze, lief voraus und strich um das Bein der sitzenden Frau, ehe sie der kleinen Schale mit dem Wasser an der Ecke des Daches näherte. <br />
Devan machte sich keine Mühe, leise zu sein, doch die Geschmeidigkeit einer Raubkatze ruhte immer noch in seinen Knochen. Etwas aus dem Gleichgewicht, doch immer noch leichtfüßig ließ er sich neben seine Schülerin auf die Teppiche fallen und kreuzte ein Bein in einem halben Schneidersitz, während er das verletzte Bein ausgestreckt ließ. Er ließ wie immer das Schweigen sprechen und wartete, bis sie ihr Wort an ihn richtete. Ohne Erwartung. Ohne Wertung. Mit dem Wissen, dass sie wusste, dass er über ihr Geheimnis Bescheid wusste, aber noch nicht bereit war, eine Entscheidung zu treffen. Seine Hand glitt in die Schale mit den Kernen und das Knacken durchbrach die Stille, als er zwischen seinen Zähnen Kern von Hülle spaltete.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The Weight of What Awaits]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=829</link>
			<pubDate>Sat, 24 Jan 2026 18:15:18 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=176">Samir Al-Mazhir</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=829</guid>
			<description><![CDATA[Langsam war die Sonne über Dharan al-Bahr gesunken, hatte ihre Wärme mit sich genommen. Einzig und allein die Lehmwände der Häuser in den Straßen strahlten noch eine Erinnerung davon ab, sorgten dafür, dass die Menschen nicht froren, auch wenn so manchen ob der aufkommenden leichten Brise ein kalter Schauer über die mit perlendem Schweiß bedeckte Haut glitt. Die von der oft harten Arbeit im Freien gebräunten Gesichter nahmen einen entspannteren Ausdruck an, als der Abend Einzug hielt und mit ihm Ruhe einkehrte, sie sich eine Pause gönnen konnten, so sie nicht in den Schenken oder anderen bis spät in die Nacht geöffneten Etablissements ihr Tag- - oder in diesem Falle eher - Nachtwerk verrichteten. Hier und dort sah man Kinder lachend durch die Gassen huschen, aufgeschreckt von den Stimmen strenger Mütter und Großmütter, die sie zum Nachhausekommen ermahnten. Schließlich waren die Straßen Matariyyas kein Spielplatz nach Einbruch der Dunkelheit - zumindest nicht für so zarte Seelen, auch wenn manche von ihnen wahrscheinlich schon mehr dunkle Erinnerungen in sich trugen, als der Geist eines Adeligen hinter verschlossenen Palasttüren überhaupt vermochte aufzunehmen. Von einem der geöffneten Gasthäuser drang der Geruch von Curry, Zimt und gebratenem Hammel herüber, mischte sich mit der stickigen, von Sand geschwängerten Nachtluft und sorgte für ein Aroma, das der Stadt ganz eigen war. Eines, mit dem Samir aufgewachsen war, der nun vom Balkon seines Zimmers im Anwesen seiner Eltern aus das sich legende Treiben beobachtete. <br />
<br />
Ein Schatten hatte sich über das Gesicht des 29-Jährigen gelegt, der nichts mit den schwindenden Strahlen des glühenden Himmelskörpers zu tun hatte. Die blauen Augen, die ebenso markant herausstachen wie die fast modelliert zu scheinenden Wangenknochen des Dunkelhaarigen, schweiften über die Stadt, die er sein zu Hause nannte und der er doch in jüngeren Jahren und vor allem in seinen frühen, 20 Sommern , viel zu oft fern gewesen war. Sein Vater hatte darauf bestanden, dass er Kontakte knüpfte, an seinem diplomatischen Geschick feilte und seinem Elternhaus somit Vorteile einbrachte. Etwas, das ihm ob der bevorstehenden Verantwortung, die auf seinen Schultern lasten würde, hoffentlich zugute kommen würde. 3 Tage noch und ihm würde ein Schicksal zuteil werden, von dem er nie zu hoffen gewagt hatte. Wie ein Fiebertraum kam ihm der Moment vor, als der Rat ihn zum Nachfolger für den Thron bestimmt hatte. Und doch war er Wirklichkeit. Samir hätte selbst daran gezweifelt, so er nicht im Moment tagtäglich durch diverse Vorbereitungen auf das bevorstehende Fest daran erinnert worden war. In den meisten Fällen dienten sie ihm als willkommene Ablenkung, die ihn davon abhielt in Nervosität und Panik zu verfallen. Doch jetzt, in den stillen Momenten, da das rege Treiben verstummte und einem leisen Summen der ruhigen Lebendigkeit Raum gab, da fühlte er, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Wie ein leises Zittern in seine vom Schweiß benetzten Hände einkehrte und die Gedanken in seinem Kopf begannen, Kreise zu drehen. Zweifel zu sähen. <br />
<br />
Mit einem leisen Ruck stieß Samir sich vom Geländer des Balkons ab und trat durch die in der Nachtluft wehenden Vorhänge, die den Eingang zu seinen Gemächern verhüllten. Der Stoff fühlte sich beinahe schon warm auf seiner abgekühlten Haut an. Ein Gefühl, das er selten kannte, war er doch ein Sonnenkind das die Wärme liebte und sonst selten fror. Anders als jene, die so lange unter der Krone gelitten hatten. Deren Körper von den Strapazen ausgemergelt waren und um jedes Stück Brot, um sauberes Wasser und etwas zertretenes Obst auf den Böden kämpften. All das würde sich ändern, das hatte Samir sich felsenfest vorgenommen. Und doch. Da war diese leise Stimme in seinem Hinterkopf, hinterhältig, zischend und süßlich-strafend, die ihn fragte, wie er all das zu bewerkstelligen gedachte. Die seine Autorität hinterfragte. Ihn klein machte und verhöhnte. Der junge Mann schluckte, wischte sich die Handflächen an seinen Leinenhosen ab und trat an einen kleinen Tisch, auf dem kühler, gesüßter Wein auf ihn wartete. Daneben hatte man eine kleine Platte mit Oliven, getrockneten Tomaten und Käse platziert. Seiner Mutter war in den letzten Tagen wohl aufgefallen, dass ihr Sohn kaum einen Bissen herunterbrachte. Mit unruhigen Fingern griff er also nach der Karaffe und goss eines der Gläser zur Hälfte voll. Vorsorglich hatte man ein zweites bereitgestellt, denn es war ein unausgesprochenes Geheimnis, dass er seine Nächte im seltensten Fall alleine verbrachte. Und auch an diesem Abend hoffte er, dass er dies nicht müssen würde. Ihn jener Mann, der nicht nur seine Gedanken sondern vor allem auch sein Herz bestimmte, ihm nicht fern bleiben würde.<br />
<br />
Bereits die ersten Tropfen des süßen, alkoholhaltigen Traubensaftes beruhigten Samirs Nerven merklich. Leise zwang er sich dazu, langsam und tief ein und aus zu atmen, um seinen rasenden Puls zu verlangsamen und der Panik keinen Raum zu geben, denn sofort drangen ihm wieder die Worte seines Vaters ins Gedächtnis. Das Volk brauchte einen starken König, zu dem es aufsehen konnte. Keinen Schwächling mit flatternden Nerven, der sich seiner Sache nicht sicher war. Aber das war er. Er wusste, woran es den Menschen fehlte - oder zumindest glaubte er es zu wissen. Wo sein Platz war und was er erreichen wollte. Und sollte er doch einmal schwanken, so hatte er Tariq an seiner Seite, der ihm den rechten Weg wies. Eine Stütze war. Sein Fels in der Brandung - aber gerade noch mit Abwesenheit glänzte. Das dem nicht mehr lange so sein würde war Samir sich sehr sicher, denn der Abend war noch jung und an seiner Seite zu sein, ihn zu unterstützen, nun einmal nicht die einzige Aufgabe seines Geliebten. Oh und wie er diesen Mann liebte. Ein leises Lächeln schob sich auf die Lippen des zukünftigen Königs, ehe er einen erneuten, kleinen Schluck nahm. Für ihn würde er die Welt aus den Angeln heben - oder veranlassen, dass es geschah.<br />
<br />
<span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Penis.</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Langsam war die Sonne über Dharan al-Bahr gesunken, hatte ihre Wärme mit sich genommen. Einzig und allein die Lehmwände der Häuser in den Straßen strahlten noch eine Erinnerung davon ab, sorgten dafür, dass die Menschen nicht froren, auch wenn so manchen ob der aufkommenden leichten Brise ein kalter Schauer über die mit perlendem Schweiß bedeckte Haut glitt. Die von der oft harten Arbeit im Freien gebräunten Gesichter nahmen einen entspannteren Ausdruck an, als der Abend Einzug hielt und mit ihm Ruhe einkehrte, sie sich eine Pause gönnen konnten, so sie nicht in den Schenken oder anderen bis spät in die Nacht geöffneten Etablissements ihr Tag- - oder in diesem Falle eher - Nachtwerk verrichteten. Hier und dort sah man Kinder lachend durch die Gassen huschen, aufgeschreckt von den Stimmen strenger Mütter und Großmütter, die sie zum Nachhausekommen ermahnten. Schließlich waren die Straßen Matariyyas kein Spielplatz nach Einbruch der Dunkelheit - zumindest nicht für so zarte Seelen, auch wenn manche von ihnen wahrscheinlich schon mehr dunkle Erinnerungen in sich trugen, als der Geist eines Adeligen hinter verschlossenen Palasttüren überhaupt vermochte aufzunehmen. Von einem der geöffneten Gasthäuser drang der Geruch von Curry, Zimt und gebratenem Hammel herüber, mischte sich mit der stickigen, von Sand geschwängerten Nachtluft und sorgte für ein Aroma, das der Stadt ganz eigen war. Eines, mit dem Samir aufgewachsen war, der nun vom Balkon seines Zimmers im Anwesen seiner Eltern aus das sich legende Treiben beobachtete. <br />
<br />
Ein Schatten hatte sich über das Gesicht des 29-Jährigen gelegt, der nichts mit den schwindenden Strahlen des glühenden Himmelskörpers zu tun hatte. Die blauen Augen, die ebenso markant herausstachen wie die fast modelliert zu scheinenden Wangenknochen des Dunkelhaarigen, schweiften über die Stadt, die er sein zu Hause nannte und der er doch in jüngeren Jahren und vor allem in seinen frühen, 20 Sommern , viel zu oft fern gewesen war. Sein Vater hatte darauf bestanden, dass er Kontakte knüpfte, an seinem diplomatischen Geschick feilte und seinem Elternhaus somit Vorteile einbrachte. Etwas, das ihm ob der bevorstehenden Verantwortung, die auf seinen Schultern lasten würde, hoffentlich zugute kommen würde. 3 Tage noch und ihm würde ein Schicksal zuteil werden, von dem er nie zu hoffen gewagt hatte. Wie ein Fiebertraum kam ihm der Moment vor, als der Rat ihn zum Nachfolger für den Thron bestimmt hatte. Und doch war er Wirklichkeit. Samir hätte selbst daran gezweifelt, so er nicht im Moment tagtäglich durch diverse Vorbereitungen auf das bevorstehende Fest daran erinnert worden war. In den meisten Fällen dienten sie ihm als willkommene Ablenkung, die ihn davon abhielt in Nervosität und Panik zu verfallen. Doch jetzt, in den stillen Momenten, da das rege Treiben verstummte und einem leisen Summen der ruhigen Lebendigkeit Raum gab, da fühlte er, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Wie ein leises Zittern in seine vom Schweiß benetzten Hände einkehrte und die Gedanken in seinem Kopf begannen, Kreise zu drehen. Zweifel zu sähen. <br />
<br />
Mit einem leisen Ruck stieß Samir sich vom Geländer des Balkons ab und trat durch die in der Nachtluft wehenden Vorhänge, die den Eingang zu seinen Gemächern verhüllten. Der Stoff fühlte sich beinahe schon warm auf seiner abgekühlten Haut an. Ein Gefühl, das er selten kannte, war er doch ein Sonnenkind das die Wärme liebte und sonst selten fror. Anders als jene, die so lange unter der Krone gelitten hatten. Deren Körper von den Strapazen ausgemergelt waren und um jedes Stück Brot, um sauberes Wasser und etwas zertretenes Obst auf den Böden kämpften. All das würde sich ändern, das hatte Samir sich felsenfest vorgenommen. Und doch. Da war diese leise Stimme in seinem Hinterkopf, hinterhältig, zischend und süßlich-strafend, die ihn fragte, wie er all das zu bewerkstelligen gedachte. Die seine Autorität hinterfragte. Ihn klein machte und verhöhnte. Der junge Mann schluckte, wischte sich die Handflächen an seinen Leinenhosen ab und trat an einen kleinen Tisch, auf dem kühler, gesüßter Wein auf ihn wartete. Daneben hatte man eine kleine Platte mit Oliven, getrockneten Tomaten und Käse platziert. Seiner Mutter war in den letzten Tagen wohl aufgefallen, dass ihr Sohn kaum einen Bissen herunterbrachte. Mit unruhigen Fingern griff er also nach der Karaffe und goss eines der Gläser zur Hälfte voll. Vorsorglich hatte man ein zweites bereitgestellt, denn es war ein unausgesprochenes Geheimnis, dass er seine Nächte im seltensten Fall alleine verbrachte. Und auch an diesem Abend hoffte er, dass er dies nicht müssen würde. Ihn jener Mann, der nicht nur seine Gedanken sondern vor allem auch sein Herz bestimmte, ihm nicht fern bleiben würde.<br />
<br />
Bereits die ersten Tropfen des süßen, alkoholhaltigen Traubensaftes beruhigten Samirs Nerven merklich. Leise zwang er sich dazu, langsam und tief ein und aus zu atmen, um seinen rasenden Puls zu verlangsamen und der Panik keinen Raum zu geben, denn sofort drangen ihm wieder die Worte seines Vaters ins Gedächtnis. Das Volk brauchte einen starken König, zu dem es aufsehen konnte. Keinen Schwächling mit flatternden Nerven, der sich seiner Sache nicht sicher war. Aber das war er. Er wusste, woran es den Menschen fehlte - oder zumindest glaubte er es zu wissen. Wo sein Platz war und was er erreichen wollte. Und sollte er doch einmal schwanken, so hatte er Tariq an seiner Seite, der ihm den rechten Weg wies. Eine Stütze war. Sein Fels in der Brandung - aber gerade noch mit Abwesenheit glänzte. Das dem nicht mehr lange so sein würde war Samir sich sehr sicher, denn der Abend war noch jung und an seiner Seite zu sein, ihn zu unterstützen, nun einmal nicht die einzige Aufgabe seines Geliebten. Oh und wie er diesen Mann liebte. Ein leises Lächeln schob sich auf die Lippen des zukünftigen Königs, ehe er einen erneuten, kleinen Schluck nahm. Für ihn würde er die Welt aus den Angeln heben - oder veranlassen, dass es geschah.<br />
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<span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">Penis.</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Revere a million prayers]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=816</link>
			<pubDate>Sat, 08 Nov 2025 20:31:27 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=60">Yasirah ben Sahid</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=816</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://i.imgur.com/CGhns4o.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>
<i>Tropf. Tropf. Tropf.</i><br />
<br />
Löcher in die Luft starrend saß sie da. Abgemagert. Frierend. Und doch völlig gefühlskalt. Dass sich die Härchen auf ihren Armen aufgestellt hatten, um das letzte Rest Wärme ihres Körpers irgendwie noch bei sich zu behalten, merkte sie schon nicht mehr. Genauso wenig wie den harten Stein unter ihren Knochen. An der ehemaligen Königin des Sommerlandes war noch nie besonders viel Fett gewesen, sie war schon immer von schlanker und eher athletischer Statur gewesen, doch mittlerweile war sie kaum noch wieder zu erkennen. Nicht nur dunkle Schatten unter ihren Augen, die von den schlaflosen Nächten und dem fehlenden Zeitgefühl erzählten, sondern auch die Spuren der letzten Tage. Blaue Flecken an Armen und Beinen, eine kleine Wunde, die sich entzündet hat hier und Haare, die mittlerweile völlig verfilzt sind dort. Yasirah ben Sahid hat den Glanz, den sie einst hatte, längst verloren. Er endete in der Sekunde, als das Herz ihres Sohnes stehen blieb. Nicht das, ihres Mannes. Das war unvermeidbar. Entweder durch das Opium, durch die eigenen Hände oder eben durch die Hände der Attentäter. Doch dass man zusätzlich noch den Thronerben ermordet und ihr ihren Sohn genommen hat, das hat der Königin den Todesstoß verpasst, obwohl sie dieses Attentat überlebt hat. <br />
<br />
Und seitdem ist nichts, wie es mal war. Nichts ist mehr von Bedeutung. Keine Nahrung, kein Wasser. Nicht mal ihr eigenes Leben. Sie weiß nicht, was draußen passiert. Bekommt nur leises Geflüster der Wachen mit, die Tag und Nacht vor ihrer Zelle ausharrten. Niemand davon sprach mit ihr, doch alle sprachen ÜBER sie. Über Yasirah, die ehemalige und nun gefallene Königin des Sommerlandes. Über sie als Frau (obwohl man das schon gar nicht mehr wahrnimmt, nach den zehn Tagen ihrer Gefangenschaft), über sie als Mutter und über sie, als Königin. Als Ehefrau, die nicht gut genug war. Als Mutter, die versagt hat. Als Mensch, der nicht mehr wert war, als der Dreck zwischen den nackten Steinen. <br />
<br />
Langsam blinzelte die Frau. Es war das einzige Zeichen, dass sie noch lebte. Die Lippen völlig ausgetrocknet und aufgesprungen. Die Haare stumpf und verfilzt. Vor ihr auf dem Boden die letzten Reste der Nahrung, die sie jeden Tag in die Zelle geschoben bekam und die sie kaum anrührte. Alles war zu viel. Jede Bewegung war eine, die ihr Sohn nicht mehr tun konnte. Jeder Atemzug erinnerte sie daran, dass sie ihre Hände auf die Wunde gepresst hatte. Noch immer waren die letzten Reste seines Blutes unter ihren Fingernägeln. Noch immer war die Last des Versagens so schwer, dass sie sich sicher war, sie nicht tragen zu können. Nicht, dass das noch von Bedeutung war, denn schließlich war sie seit zehn Tagen die Gefangene einer kriminellen Organisation. Doch auch das war nicht mehr von Bedeutung. Selbst die Tatsache, dass es noch zwei Kinder gab, um die es sich zu kämpfen lohnte, war nicht von Bedeutung. <br />
<br />
Yasirah war tot, obwohl sie noch lebte. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
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<i>Tropf. Tropf. Tropf.</i><br />
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Löcher in die Luft starrend saß sie da. Abgemagert. Frierend. Und doch völlig gefühlskalt. Dass sich die Härchen auf ihren Armen aufgestellt hatten, um das letzte Rest Wärme ihres Körpers irgendwie noch bei sich zu behalten, merkte sie schon nicht mehr. Genauso wenig wie den harten Stein unter ihren Knochen. An der ehemaligen Königin des Sommerlandes war noch nie besonders viel Fett gewesen, sie war schon immer von schlanker und eher athletischer Statur gewesen, doch mittlerweile war sie kaum noch wieder zu erkennen. Nicht nur dunkle Schatten unter ihren Augen, die von den schlaflosen Nächten und dem fehlenden Zeitgefühl erzählten, sondern auch die Spuren der letzten Tage. Blaue Flecken an Armen und Beinen, eine kleine Wunde, die sich entzündet hat hier und Haare, die mittlerweile völlig verfilzt sind dort. Yasirah ben Sahid hat den Glanz, den sie einst hatte, längst verloren. Er endete in der Sekunde, als das Herz ihres Sohnes stehen blieb. Nicht das, ihres Mannes. Das war unvermeidbar. Entweder durch das Opium, durch die eigenen Hände oder eben durch die Hände der Attentäter. Doch dass man zusätzlich noch den Thronerben ermordet und ihr ihren Sohn genommen hat, das hat der Königin den Todesstoß verpasst, obwohl sie dieses Attentat überlebt hat. <br />
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Und seitdem ist nichts, wie es mal war. Nichts ist mehr von Bedeutung. Keine Nahrung, kein Wasser. Nicht mal ihr eigenes Leben. Sie weiß nicht, was draußen passiert. Bekommt nur leises Geflüster der Wachen mit, die Tag und Nacht vor ihrer Zelle ausharrten. Niemand davon sprach mit ihr, doch alle sprachen ÜBER sie. Über Yasirah, die ehemalige und nun gefallene Königin des Sommerlandes. Über sie als Frau (obwohl man das schon gar nicht mehr wahrnimmt, nach den zehn Tagen ihrer Gefangenschaft), über sie als Mutter und über sie, als Königin. Als Ehefrau, die nicht gut genug war. Als Mutter, die versagt hat. Als Mensch, der nicht mehr wert war, als der Dreck zwischen den nackten Steinen. <br />
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Langsam blinzelte die Frau. Es war das einzige Zeichen, dass sie noch lebte. Die Lippen völlig ausgetrocknet und aufgesprungen. Die Haare stumpf und verfilzt. Vor ihr auf dem Boden die letzten Reste der Nahrung, die sie jeden Tag in die Zelle geschoben bekam und die sie kaum anrührte. Alles war zu viel. Jede Bewegung war eine, die ihr Sohn nicht mehr tun konnte. Jeder Atemzug erinnerte sie daran, dass sie ihre Hände auf die Wunde gepresst hatte. Noch immer waren die letzten Reste seines Blutes unter ihren Fingernägeln. Noch immer war die Last des Versagens so schwer, dass sie sich sicher war, sie nicht tragen zu können. Nicht, dass das noch von Bedeutung war, denn schließlich war sie seit zehn Tagen die Gefangene einer kriminellen Organisation. Doch auch das war nicht mehr von Bedeutung. Selbst die Tatsache, dass es noch zwei Kinder gab, um die es sich zu kämpfen lohnte, war nicht von Bedeutung. <br />
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Yasirah war tot, obwohl sie noch lebte. <br />
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		</item>
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			<title><![CDATA[The Lion and the Serpent]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=813</link>
			<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 07:30:06 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=110">Keeran Neshat</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=813</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/42/65/63/426563a5da995f3a23859b26432aa63e.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:36px;"><div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">Only a Monster can deal with</div>
Another Monster<br />
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft" style="max-height:200px;"><img src="https://i.pinimg.com/1200x/42/86/f2/4286f2c5c73de5284ce7d9935a0b9374.jpg" style="max-width:120px; max-height: 400px;object-fit:cover;"></div> Dharan al-Bahr hatte den wunderbaren Status erreicht, in dem niemand der Zukunft mehr gewiss war. Dieses Vakuum, welches von Macht hinterlassen wurde, wenn sie von einer Person abgegeben wurde, spannte sich seit Tagen über die Stadt wie ein Netz und hielt ihren Atem gefangen. Als würden die Lichter in der Dunkelheit warten, die Luft stillstehen in der Erwartungshaltung, dass sich schon etwas bewegen würde - bewegen <i>musste</i> -, bis das Machtgefälle abrutschte in die Hände von Menschen, die das Land in eine bessere Zukunft führen würden. So war es schließlich immer gewesen: Es hatte immer eine Handvoll Menschen gegeben, die über das Leben von Tausenden verfügten. Denn was passierte, wenn ein Volk seinem Anführer beraubt wurde, sah man in den Straßen von Dharan al-Bahr. Hunderte von Gruppierungen, die sich in den dunkelsten Ecken bildeten, um einen Teil des Machtnetzes abzugreifen. Nachbarn, die begannen, Streitigkeit in Selbstjustiz auszuführen, weil die Stadtwache damit beschäftigt war, einen Mörder und die verschwundene Königsfamilie zu finden. Adelige, die ihr Schicksal beim Schopf packen und all die Macht an sich reißen wollten, sich aber die Zähne an den Beratern ausbissen und den Entscheidungsprozess langsam und zäh machten. <br />
Und dann war da der Schatten, der die Stadt in Dunkelheit hüllte. Die Augen, die wachsam von den Dächern auf die Straßen blickten und dafür sorgten, dass Türen geschlossen und Gespräche in den Häusern ausgetragen wurden. Eine Stimme, die sich über all dem Chaos erhob, getragen von vielen Stimmen, die doch keinem gehörten. Das Chaos selbst, gehalten von dem Untergrund, der nur einer Gruppierung gehörte. Eine, die genau dieses Chaos gebraucht hatten, um endlich aus den Schatten zu treten und der Welt zu zeigen, dass die Macht längst ihnen gehörte.<br />
<br />
In der Stille des Abends, weitab von den lebendigen Marktplätzen und starken Gerüchen, thronten die zweistöckigen Villen der reichen Bevölkerung, der Berater und des niedrigen Adels, nicht weit ab des Palastes selbst. Es war das einzige Viertel, das Tag und Nacht bewacht wurde und in dem eine Form der Ordnung aufrechterhalten wurde, um den Schein von einer heilen Welt zu erhalten. <br />
Eine dieser Villen hatte ihr Licht bereits gedimmt, weil die Kinder samt Frau bereits schliefen - nur im ersten Stock brannten Öllampen und reflektierten ihr Licht in den samt grünen, blickdichten Vorhängen. Keeran Neshat hatte es sich in seinem Bürostuhl bequem gemacht. Im Kontrast zum Rest des Hauses, das an der ein oder anderen Ecke allein zum Eindruck schinden in echtem Gold schimmerte, strahlte sein Arbeitszimmer, in dem er seinen Gast begrüßte, eine elegante Schlichtheit aus. Alles Gold fand sich in den fein gearbeiteten Mustern der Vorhänge, und alle Möbel waren einem Zweck vorbehalten - dem Unterschreiben von Papieren, Empfangen von Gästen und Besprechen von Geschäften. Es war die Art von Reichtum, die einen Teil seiner Vergangenheit preisgab; das Blut, den Schweiß und die Schwelen, die er an den Händen verzeichnet hatte, als er all das noch nicht sein Eigen hatte nennen dürfen. Die Schönheit lag in der Schlichtheit, denn jedes Möbelstück war vollkommen und kostete ein stilles Vermögen. Der Schreibtisch bestand aus dunklem Obsidian, importiert von den besten Glasmachern Castandors. Der Federhalter war aus Elfenbein. Die Weingläser so makellos, dass nicht einmal das Licht der Öllampen sich in ihnen brach. Der Wein selbst gereift so lange, wie Keeran in dieser Welt verweilte. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen besonderen Anlass mit seinem <i>Freund</i> mit etwas Besonderem zu feiern.<br />
<br />
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://64.media.tumblr.com/4235430bb29216ff8feb1a94e23bd0a7/9ddb176826273fac-5f/s540x810/6501117e396c2a1a8e92efeebfd8eeced5873030.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Keeran lebte in dem Chaos. Er war die Ruhe, während um ihn herum der Sturm tobte, die Spinne, die sich auf dem Netz der Macht bewegte, als wäre es sein Zuhause. Während Ilyas, sein alter Freund, stoisch die Ordnung wiederherstellen wollte, konnte er nicht umhin, sich noch eine Stunde herbei zu wünschen, in der er von seinem Arbeitszimmer mit einem Glas Wein in der Hand beobachten konnte, wie die Stadt sich unter dem Chaos bog und die Insassen wie Mäuse versuchten, einen Weg durch die Schlupflöcher zu finden. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er die kleinen anarchischen Gruppen machen lassen, nur um zu gucken, wie weit sie kamen, bis sie ins Netz der Amra Alzili rannten. Er würde den kleinen Prinzen laufen lassen, nur um ihn in zehn Jahren scheitern zu sehen, wenn er weiß vor Wut schäumte, blind vor Rachegelüsten, blind für sein Volk, das ihn nicht mehr als Thronfolger akzeptieren würde. Doch selbst mit dem, was er hatte, war Keeran zufrieden. Es reichte ihm - vorerst. Beflügelt von seinem neuerlichen Aufstieg in den Kreis der königlichen Berater dank seines Gegenübers hatte sich ein kleines Lächeln in sein Gesicht geschlichen. Erweicht durch den Wein waren seine Muskeln entspannt, sein Kopf trunken von dem Gefühl des Erfolgs, während er Tariq zuprostete, der den Sessel auf der anderen Seite seines Schreibtisches beansprucht hatte. <div class="sommerlandcolor">“Auf Samir, und auf die Zukunft, die er uns eröffnet.”</div> Seine Stimme war dünn wie immer, von Rauch getragen, hatte etwas Vergängliches, doch seine hellblauen Augen ruhten wachsam auf seinem Gegenüber, während er sein Glas an seine Lippen hob. Er beobachtete. Samir war so gut wie gewählt, nachdem einer der Berater, der gegen ihn gestimmt hatte, heute nicht zur Sitzung erschienen war. Sie hatten also allen Grund zum Feiern, oder nicht?<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/42/65/63/426563a5da995f3a23859b26432aa63e.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:36px;"><div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">Only a Monster can deal with</div>
Another Monster<br />
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<div class="posttemplate3imageleft" style="max-height:200px;"><img src="https://i.pinimg.com/1200x/42/86/f2/4286f2c5c73de5284ce7d9935a0b9374.jpg" style="max-width:120px; max-height: 400px;object-fit:cover;"></div> Dharan al-Bahr hatte den wunderbaren Status erreicht, in dem niemand der Zukunft mehr gewiss war. Dieses Vakuum, welches von Macht hinterlassen wurde, wenn sie von einer Person abgegeben wurde, spannte sich seit Tagen über die Stadt wie ein Netz und hielt ihren Atem gefangen. Als würden die Lichter in der Dunkelheit warten, die Luft stillstehen in der Erwartungshaltung, dass sich schon etwas bewegen würde - bewegen <i>musste</i> -, bis das Machtgefälle abrutschte in die Hände von Menschen, die das Land in eine bessere Zukunft führen würden. So war es schließlich immer gewesen: Es hatte immer eine Handvoll Menschen gegeben, die über das Leben von Tausenden verfügten. Denn was passierte, wenn ein Volk seinem Anführer beraubt wurde, sah man in den Straßen von Dharan al-Bahr. Hunderte von Gruppierungen, die sich in den dunkelsten Ecken bildeten, um einen Teil des Machtnetzes abzugreifen. Nachbarn, die begannen, Streitigkeit in Selbstjustiz auszuführen, weil die Stadtwache damit beschäftigt war, einen Mörder und die verschwundene Königsfamilie zu finden. Adelige, die ihr Schicksal beim Schopf packen und all die Macht an sich reißen wollten, sich aber die Zähne an den Beratern ausbissen und den Entscheidungsprozess langsam und zäh machten. <br />
Und dann war da der Schatten, der die Stadt in Dunkelheit hüllte. Die Augen, die wachsam von den Dächern auf die Straßen blickten und dafür sorgten, dass Türen geschlossen und Gespräche in den Häusern ausgetragen wurden. Eine Stimme, die sich über all dem Chaos erhob, getragen von vielen Stimmen, die doch keinem gehörten. Das Chaos selbst, gehalten von dem Untergrund, der nur einer Gruppierung gehörte. Eine, die genau dieses Chaos gebraucht hatten, um endlich aus den Schatten zu treten und der Welt zu zeigen, dass die Macht längst ihnen gehörte.<br />
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In der Stille des Abends, weitab von den lebendigen Marktplätzen und starken Gerüchen, thronten die zweistöckigen Villen der reichen Bevölkerung, der Berater und des niedrigen Adels, nicht weit ab des Palastes selbst. Es war das einzige Viertel, das Tag und Nacht bewacht wurde und in dem eine Form der Ordnung aufrechterhalten wurde, um den Schein von einer heilen Welt zu erhalten. <br />
Eine dieser Villen hatte ihr Licht bereits gedimmt, weil die Kinder samt Frau bereits schliefen - nur im ersten Stock brannten Öllampen und reflektierten ihr Licht in den samt grünen, blickdichten Vorhängen. Keeran Neshat hatte es sich in seinem Bürostuhl bequem gemacht. Im Kontrast zum Rest des Hauses, das an der ein oder anderen Ecke allein zum Eindruck schinden in echtem Gold schimmerte, strahlte sein Arbeitszimmer, in dem er seinen Gast begrüßte, eine elegante Schlichtheit aus. Alles Gold fand sich in den fein gearbeiteten Mustern der Vorhänge, und alle Möbel waren einem Zweck vorbehalten - dem Unterschreiben von Papieren, Empfangen von Gästen und Besprechen von Geschäften. Es war die Art von Reichtum, die einen Teil seiner Vergangenheit preisgab; das Blut, den Schweiß und die Schwelen, die er an den Händen verzeichnet hatte, als er all das noch nicht sein Eigen hatte nennen dürfen. Die Schönheit lag in der Schlichtheit, denn jedes Möbelstück war vollkommen und kostete ein stilles Vermögen. Der Schreibtisch bestand aus dunklem Obsidian, importiert von den besten Glasmachern Castandors. Der Federhalter war aus Elfenbein. Die Weingläser so makellos, dass nicht einmal das Licht der Öllampen sich in ihnen brach. Der Wein selbst gereift so lange, wie Keeran in dieser Welt verweilte. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, diesen besonderen Anlass mit seinem <i>Freund</i> mit etwas Besonderem zu feiern.<br />
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<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://64.media.tumblr.com/4235430bb29216ff8feb1a94e23bd0a7/9ddb176826273fac-5f/s540x810/6501117e396c2a1a8e92efeebfd8eeced5873030.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Keeran lebte in dem Chaos. Er war die Ruhe, während um ihn herum der Sturm tobte, die Spinne, die sich auf dem Netz der Macht bewegte, als wäre es sein Zuhause. Während Ilyas, sein alter Freund, stoisch die Ordnung wiederherstellen wollte, konnte er nicht umhin, sich noch eine Stunde herbei zu wünschen, in der er von seinem Arbeitszimmer mit einem Glas Wein in der Hand beobachten konnte, wie die Stadt sich unter dem Chaos bog und die Insassen wie Mäuse versuchten, einen Weg durch die Schlupflöcher zu finden. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er die kleinen anarchischen Gruppen machen lassen, nur um zu gucken, wie weit sie kamen, bis sie ins Netz der Amra Alzili rannten. Er würde den kleinen Prinzen laufen lassen, nur um ihn in zehn Jahren scheitern zu sehen, wenn er weiß vor Wut schäumte, blind vor Rachegelüsten, blind für sein Volk, das ihn nicht mehr als Thronfolger akzeptieren würde. Doch selbst mit dem, was er hatte, war Keeran zufrieden. Es reichte ihm - vorerst. Beflügelt von seinem neuerlichen Aufstieg in den Kreis der königlichen Berater dank seines Gegenübers hatte sich ein kleines Lächeln in sein Gesicht geschlichen. Erweicht durch den Wein waren seine Muskeln entspannt, sein Kopf trunken von dem Gefühl des Erfolgs, während er Tariq zuprostete, der den Sessel auf der anderen Seite seines Schreibtisches beansprucht hatte. <div class="sommerlandcolor">“Auf Samir, und auf die Zukunft, die er uns eröffnet.”</div> Seine Stimme war dünn wie immer, von Rauch getragen, hatte etwas Vergängliches, doch seine hellblauen Augen ruhten wachsam auf seinem Gegenüber, während er sein Glas an seine Lippen hob. Er beobachtete. Samir war so gut wie gewählt, nachdem einer der Berater, der gegen ihn gestimmt hatte, heute nicht zur Sitzung erschienen war. Sie hatten also allen Grund zum Feiern, oder nicht?<br />
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