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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Ceannmara (Kenmara) - die Spitze der See]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2026 08:29:17 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[We will always carry our chains.]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=837</link>
			<pubDate>Sun, 08 Feb 2026 19:03:48 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=156">Cathal Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=837</guid>
			<description><![CDATA[Cathal hatte seine Bediensteten fortgeschickt, nachdem der dritte von ihnen an seinem Gewand gezupft und imaginäre Falten geglättet hatte, die selbst der blinde Fürstensohn von Kenmara nicht zu erspüren vermochte. Seine Nerven lagen blank, seine Laune hatte ihren tiefsten Punkt erreicht – und es lag nicht unmittelbar an seiner zukünftigen Gemahlin. Vielmehr war es der schlichte Umstand, dass diese Hochzeit nicht seinem Willen entsprang.<br />
Er sollte sich einem Schicksal beugen, das er nie für sich vorgesehen hatte. Denn man verheiratete ihn nicht nur – mit einer Frau aus dem Herbstland, einer Verbindung, der er keinen Sinn abgewinnen konnte –, sondern raubte ihm auf lange Sicht auch den Status, den er sich über Jahre hinweg mühsam erkämpft hatte. Er wollte nicht wie ein Kind klingen, wollte sich nicht in Flüchen über die Ungerechtigkeit verlieren, und doch empfand er es genau so. Ungerecht. Ein bitteres Gefühl, das ihn nun vollends überkam. Wo er sonst kühle Distanz und unbeugsame Ablehnung zur Schau tragen konnte, wurde die Trauung an diesem Tag zur Krönung all dessen, was er als den Abschied von seinem eigentlichen Schicksal betrachtete – und das nur, weil er blind war. Weil sein Körper eine Fehlfunktion hatte. Weil er <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">schwach</span> war. <br />
<br />
Seine rechte Hand fuhr sich über die Stirn – eine fahrige Geste, über die er sich sogleich ärgerte, da sie verriet, wie ihm die Souveränität entglitt. Unruhig schritt er in seinem Gemach auf und ab, als ließe sich auf diese Weise noch ein Ausweg aus seiner Lage finden. Er wusste, dass er alt genug war; dass es stets nur eine Frage der Zeit gewesen war, bis sein Vater diese Entscheidung treffen würde. Und ja – es lag eine gewisse Logik darin. Cathal konnte sie erkennen, so sehr es ihn auch nervte. Doch… Cathal schluckte und schüttelte den Kopf. Albern. Er war albern. Ohne Zweifel. Es war seine Pflicht, und er würde ihr nachkommen – eine weitere Prüfung, die er bestehen musste, so wie er es immer getan hatte.<br />
<br />
Ein leises Klopfen an der Tür ließ ihn in der Bewegung innehalten und riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Kopf fuhr in die Richtung des Geräuschs – ein Reflex, den die Natur ihm offenbar doch gelassen hatte, obwohl seine Augen nichts sahen. Cathal rechnete mit Moira, einem letzten, hitzigen Austausch über diese unerträgliche Situation. Ein angespanntes <div class="herbstlandcolor">„Komm herein“</div> entwich seinen Lippen, während er vergeblich versuchte, die Schultern zu lockern. Niemand aus seiner Familie sollte ihn so angespannt sehen, erst recht nicht seine Schwester, die ohnehin genug Sorgen trug.<br />
Denn sie wusste es. Sie würde die Nächste sein. Und damit würde sie Kenmara den Rücken kehren – selbstverständlich würde sie zu ihrem zukünftigen Gemahl ziehen, nicht umgekehrt. Und in diesem unausweichlichen Schritt würde sie ihn verlieren. Denn so sehr es den Anschein haben mochte, dass er von ihr abhängig war, war es in Wahrheit sie, die von ihm abhängig war. Von seiner Nähe, seinem Rat, seiner stillen Stärke. Ohne ihn würde ein Teil von ihr verloren sein, so unverzichtbar, so unersetzlich, wie ein Schatten, der der Sonne folgt. Es war keine Arroganz, die ihm diese Gewissheit gab, sondern die Art, wie sie mit ihm sprach, und die Art, wie sie von seiner Aufmerksamkeit zehrte – so wie sie einst voneinander gezehrt hatten. Doch Cathal wusste ebenso, dass er sie, wenn es seine Pflicht war, eines Tages woanders hinverheiraten würde. Dass sie niemals dafür bestimmt waren, ein Leben lang Seite an Seite zu stehen oder Kenmara für sich allein zu beanspruchen. Dem Schicksal konnte man nicht den Rücken kehren. Er nicht dem seinen, und sie nicht dem ihren.<br />
<br />
Als sich die Tür öffnete, spürte Cathal sofort, dass es nicht Moira war, die ihn aufsuchte. Automatisch legte sich eine steinerne Maske über seine Züge – doch es war keine Ablehnung. Nur Distanz. Ein Schutzwall, vielleicht, um den jahrelangen Schmerz in seiner Brust einzuschließen, ihn gefangen zu halten wie ein wildes Tier, das nicht für das Licht des Tages geboren war und sich nur der Dunkelheit anvertraute. <div class="herbstlandcolor">„Was kann ich für Euch tun?“</div> Seine Stimme klang mechanisch, beinahe fremd in den eigenen Ohren, während er sich abwandte und ein paar Schritte zurücktrat – ein instinktiver Rückzug, der ihn innerlich aufwühlte, weil er sich so vor sich selbst verriet. Er streckte die Hand aus, tastete das kalte, raue Gemäuer der Burg ab, suchte Halt in der Härte des Steins, als könnte er sich daran klammern, um den Sturm in seiner Brust zu bändigen. Erst dann wandte er sich wieder der Tür zu, als müsse er genau bestimmen, in welchem Winkel er stand, um nicht überrascht zu werden – nicht von der Welt, nicht von seinem Schicksal, und schon gar nicht von sich selbst.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Cathal hatte seine Bediensteten fortgeschickt, nachdem der dritte von ihnen an seinem Gewand gezupft und imaginäre Falten geglättet hatte, die selbst der blinde Fürstensohn von Kenmara nicht zu erspüren vermochte. Seine Nerven lagen blank, seine Laune hatte ihren tiefsten Punkt erreicht – und es lag nicht unmittelbar an seiner zukünftigen Gemahlin. Vielmehr war es der schlichte Umstand, dass diese Hochzeit nicht seinem Willen entsprang.<br />
Er sollte sich einem Schicksal beugen, das er nie für sich vorgesehen hatte. Denn man verheiratete ihn nicht nur – mit einer Frau aus dem Herbstland, einer Verbindung, der er keinen Sinn abgewinnen konnte –, sondern raubte ihm auf lange Sicht auch den Status, den er sich über Jahre hinweg mühsam erkämpft hatte. Er wollte nicht wie ein Kind klingen, wollte sich nicht in Flüchen über die Ungerechtigkeit verlieren, und doch empfand er es genau so. Ungerecht. Ein bitteres Gefühl, das ihn nun vollends überkam. Wo er sonst kühle Distanz und unbeugsame Ablehnung zur Schau tragen konnte, wurde die Trauung an diesem Tag zur Krönung all dessen, was er als den Abschied von seinem eigentlichen Schicksal betrachtete – und das nur, weil er blind war. Weil sein Körper eine Fehlfunktion hatte. Weil er <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">schwach</span> war. <br />
<br />
Seine rechte Hand fuhr sich über die Stirn – eine fahrige Geste, über die er sich sogleich ärgerte, da sie verriet, wie ihm die Souveränität entglitt. Unruhig schritt er in seinem Gemach auf und ab, als ließe sich auf diese Weise noch ein Ausweg aus seiner Lage finden. Er wusste, dass er alt genug war; dass es stets nur eine Frage der Zeit gewesen war, bis sein Vater diese Entscheidung treffen würde. Und ja – es lag eine gewisse Logik darin. Cathal konnte sie erkennen, so sehr es ihn auch nervte. Doch… Cathal schluckte und schüttelte den Kopf. Albern. Er war albern. Ohne Zweifel. Es war seine Pflicht, und er würde ihr nachkommen – eine weitere Prüfung, die er bestehen musste, so wie er es immer getan hatte.<br />
<br />
Ein leises Klopfen an der Tür ließ ihn in der Bewegung innehalten und riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Kopf fuhr in die Richtung des Geräuschs – ein Reflex, den die Natur ihm offenbar doch gelassen hatte, obwohl seine Augen nichts sahen. Cathal rechnete mit Moira, einem letzten, hitzigen Austausch über diese unerträgliche Situation. Ein angespanntes <div class="herbstlandcolor">„Komm herein“</div> entwich seinen Lippen, während er vergeblich versuchte, die Schultern zu lockern. Niemand aus seiner Familie sollte ihn so angespannt sehen, erst recht nicht seine Schwester, die ohnehin genug Sorgen trug.<br />
Denn sie wusste es. Sie würde die Nächste sein. Und damit würde sie Kenmara den Rücken kehren – selbstverständlich würde sie zu ihrem zukünftigen Gemahl ziehen, nicht umgekehrt. Und in diesem unausweichlichen Schritt würde sie ihn verlieren. Denn so sehr es den Anschein haben mochte, dass er von ihr abhängig war, war es in Wahrheit sie, die von ihm abhängig war. Von seiner Nähe, seinem Rat, seiner stillen Stärke. Ohne ihn würde ein Teil von ihr verloren sein, so unverzichtbar, so unersetzlich, wie ein Schatten, der der Sonne folgt. Es war keine Arroganz, die ihm diese Gewissheit gab, sondern die Art, wie sie mit ihm sprach, und die Art, wie sie von seiner Aufmerksamkeit zehrte – so wie sie einst voneinander gezehrt hatten. Doch Cathal wusste ebenso, dass er sie, wenn es seine Pflicht war, eines Tages woanders hinverheiraten würde. Dass sie niemals dafür bestimmt waren, ein Leben lang Seite an Seite zu stehen oder Kenmara für sich allein zu beanspruchen. Dem Schicksal konnte man nicht den Rücken kehren. Er nicht dem seinen, und sie nicht dem ihren.<br />
<br />
Als sich die Tür öffnete, spürte Cathal sofort, dass es nicht Moira war, die ihn aufsuchte. Automatisch legte sich eine steinerne Maske über seine Züge – doch es war keine Ablehnung. Nur Distanz. Ein Schutzwall, vielleicht, um den jahrelangen Schmerz in seiner Brust einzuschließen, ihn gefangen zu halten wie ein wildes Tier, das nicht für das Licht des Tages geboren war und sich nur der Dunkelheit anvertraute. <div class="herbstlandcolor">„Was kann ich für Euch tun?“</div> Seine Stimme klang mechanisch, beinahe fremd in den eigenen Ohren, während er sich abwandte und ein paar Schritte zurücktrat – ein instinktiver Rückzug, der ihn innerlich aufwühlte, weil er sich so vor sich selbst verriet. Er streckte die Hand aus, tastete das kalte, raue Gemäuer der Burg ab, suchte Halt in der Härte des Steins, als könnte er sich daran klammern, um den Sturm in seiner Brust zu bändigen. Erst dann wandte er sich wieder der Tür zu, als müsse er genau bestimmen, in welchem Winkel er stand, um nicht überrascht zu werden – nicht von der Welt, nicht von seinem Schicksal, und schon gar nicht von sich selbst.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Kriege sind einfacher als Töchter]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=802</link>
			<pubDate>Sun, 24 Aug 2025 18:16:47 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=171">Eanruig Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=802</guid>
			<description><![CDATA[<div style="width: 550px; text-align: justify; margin: auto;">
Töchter. Manchmal waren sie schlimmer als jeder Kampf, vielleicht sogar schlimmer als jeder Krieg, und vor allem, wenn man sich einer gegenübersah, deren inneres Feuer so heiß brannte, dass selbst nur ein Blick darauf zu Verbrennungen führen konnte. Und trotz alledem konnte er es nicht weiter aufschieben, dieses Gespräch mit ihr, um das Feuer zu einer Glut herunterbrennen zu lassen oder sich daran zu verbrennen … nicht, wenn in kaum mehr als einem Tag Hochzeit gefeiert werden sollte und sie dort zusammenstehen mussten als Familie. Einer Familie, zu der auch Moira gehörte, seine Wilde, seine Ungezähmte, die in ihm, wann immer er sie ansah, einen Schmerz entstehen ließ, der mit nichts zu vergleichen war, was er jemals erlebt hatte. Einen Schmerz, der seit acht Jahren zu einer stetigen Konstante geworden war. Eine Konstante, die vielleicht nie vergehen würde, weil das Loch, aus dem sie entstanden war, niemals mehr gefüllt werden konnte, ganz gleich, wie viel Garn und Flicken er dafür auch verwenden würde, weil diejenige, die es geschlagen hatte, fort war. Für immer. Ein Gedanke an Áinfean schmerzte noch immer und so schmerzte auch der Anblick von Moira stets auf eine ganz besondere Weise, weil er sie in ihr wiedersah. Tag ein, Tag aus erkannte er seine verstorbene Frau in ihr und all das machte es manchmal nicht einfach, nein, wahrlich nicht. Vor allem zum Anfang hatte er kaum den Blick auf sie richten können, ohne erneut von den Wellen der Trauer ergriffen zu werden, von dem Sog, der drohte, ihn hinabzuziehen dorthin, wo es kalt und still war und nur das Nichts wartete. Es war besser geworden, mit der Zeit, und sicherlich hatte auch Maebh ihren Teil dazu beigetragen. Die Frau, die er doch nicht gewollt, aber nun an seiner Seite hatte und die mehr war, als er jemals geglaubt hatte, und die ihn anders, aber umso viel tiefer berührte, als Áinfean es jemals getan hatte. <br />
<br />
Doch trotz alledem würde er mit Moira sprechen müssen, mit seiner brennenden, seiner ungestümen Moira, die ihn vielleicht noch früher zur Mutter bringen würde, als er es sollte, vor allem dann, wenn es darum gehen würde, ihr einen Ehemann zu suchen, und ja … vielleicht wäre es dafür gut, wäre Áinfean noch da, um die Wogen zu glätten und ihm beizustehen bei diesem Kampf, diesem Krieg, der wahrlich ausbrechen würde, aber dies … dies war nicht mehr möglich und in diesem Augenblick nicht der Grund, warum er sich auf den Weg zu der jungen Frau gemacht hatte. Sondern um mit ihr das Gespräch zu suchen und in der Hoffnung, die Wogen zu glätten für den morgigen Tag, für die Hochzeit, die die Feste bereits summen ließ wie einen hungrigen Schwarm Bienen und die eigentlich ein Freudentag werden sollte und in Eanruigs Bauch doch ein unruhiges Gefühl entstehen ließ, das unweigerlich von Sorge herrührte und dem bitteren Geschmack der Schuld. <br />
<br />
Die Tür war verschlossen, so wie auch am Abend zuvor, als er nur einen kurzen Blick dorthin geworfen hatte, wo Moira ihr Zimmer hatte, und doch den Kopf zu voll gehabt hatte, um sich noch mit dem tobenden Sturm zu beschäftigen, der in seiner Tochter tobte. Einen Moment hielt er inne, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt, bevor er die Hand hob und gegen das dunkle Holz klopfte. Einmal. Zweimal und erneut innehielt, auf die Antwort wartend, die von innen dringen würde oder auch … nicht. Je nachdem, wie sehr das Mädchen brannte und wie scharf der Wind wehen würde, der, hätte er nicht schon als junger Mann das Haar verloren, sicherlich für mehr als ein graues Haar verantwortlich gewesen wäre oder gar für sein vollständig kahles Haupt.</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="width: 550px; text-align: justify; margin: auto;">
Töchter. Manchmal waren sie schlimmer als jeder Kampf, vielleicht sogar schlimmer als jeder Krieg, und vor allem, wenn man sich einer gegenübersah, deren inneres Feuer so heiß brannte, dass selbst nur ein Blick darauf zu Verbrennungen führen konnte. Und trotz alledem konnte er es nicht weiter aufschieben, dieses Gespräch mit ihr, um das Feuer zu einer Glut herunterbrennen zu lassen oder sich daran zu verbrennen … nicht, wenn in kaum mehr als einem Tag Hochzeit gefeiert werden sollte und sie dort zusammenstehen mussten als Familie. Einer Familie, zu der auch Moira gehörte, seine Wilde, seine Ungezähmte, die in ihm, wann immer er sie ansah, einen Schmerz entstehen ließ, der mit nichts zu vergleichen war, was er jemals erlebt hatte. Einen Schmerz, der seit acht Jahren zu einer stetigen Konstante geworden war. Eine Konstante, die vielleicht nie vergehen würde, weil das Loch, aus dem sie entstanden war, niemals mehr gefüllt werden konnte, ganz gleich, wie viel Garn und Flicken er dafür auch verwenden würde, weil diejenige, die es geschlagen hatte, fort war. Für immer. Ein Gedanke an Áinfean schmerzte noch immer und so schmerzte auch der Anblick von Moira stets auf eine ganz besondere Weise, weil er sie in ihr wiedersah. Tag ein, Tag aus erkannte er seine verstorbene Frau in ihr und all das machte es manchmal nicht einfach, nein, wahrlich nicht. Vor allem zum Anfang hatte er kaum den Blick auf sie richten können, ohne erneut von den Wellen der Trauer ergriffen zu werden, von dem Sog, der drohte, ihn hinabzuziehen dorthin, wo es kalt und still war und nur das Nichts wartete. Es war besser geworden, mit der Zeit, und sicherlich hatte auch Maebh ihren Teil dazu beigetragen. Die Frau, die er doch nicht gewollt, aber nun an seiner Seite hatte und die mehr war, als er jemals geglaubt hatte, und die ihn anders, aber umso viel tiefer berührte, als Áinfean es jemals getan hatte. <br />
<br />
Doch trotz alledem würde er mit Moira sprechen müssen, mit seiner brennenden, seiner ungestümen Moira, die ihn vielleicht noch früher zur Mutter bringen würde, als er es sollte, vor allem dann, wenn es darum gehen würde, ihr einen Ehemann zu suchen, und ja … vielleicht wäre es dafür gut, wäre Áinfean noch da, um die Wogen zu glätten und ihm beizustehen bei diesem Kampf, diesem Krieg, der wahrlich ausbrechen würde, aber dies … dies war nicht mehr möglich und in diesem Augenblick nicht der Grund, warum er sich auf den Weg zu der jungen Frau gemacht hatte. Sondern um mit ihr das Gespräch zu suchen und in der Hoffnung, die Wogen zu glätten für den morgigen Tag, für die Hochzeit, die die Feste bereits summen ließ wie einen hungrigen Schwarm Bienen und die eigentlich ein Freudentag werden sollte und in Eanruigs Bauch doch ein unruhiges Gefühl entstehen ließ, das unweigerlich von Sorge herrührte und dem bitteren Geschmack der Schuld. <br />
<br />
Die Tür war verschlossen, so wie auch am Abend zuvor, als er nur einen kurzen Blick dorthin geworfen hatte, wo Moira ihr Zimmer hatte, und doch den Kopf zu voll gehabt hatte, um sich noch mit dem tobenden Sturm zu beschäftigen, der in seiner Tochter tobte. Einen Moment hielt er inne, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt, bevor er die Hand hob und gegen das dunkle Holz klopfte. Einmal. Zweimal und erneut innehielt, auf die Antwort wartend, die von innen dringen würde oder auch … nicht. Je nachdem, wie sehr das Mädchen brannte und wie scharf der Wind wehen würde, der, hätte er nicht schon als junger Mann das Haar verloren, sicherlich für mehr als ein graues Haar verantwortlich gewesen wäre oder gar für sein vollständig kahles Haupt.</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[where the hay remembers]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=798</link>
			<pubDate>Tue, 12 Aug 2025 22:16:46 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=162">Rowan Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=798</guid>
			<description><![CDATA[Als Rowan die Flügeltür zum Stall aufstieß, wehte ihm stickige Luft entgegen. Luft, die nach frischem Heu, warmen Pferdekörpern und dem einen oder anderen gerade herabgefallenen Pferdeapfel roch. Für den 31-Jährigen bedeutete dieser Duft ein Stück Heimat, ähnlich einer wohligen Decke, die sich an kalten Wintertagen um die Schultern legte und damit den eisigen Wind aussperrte, der an der Kleidung zog und zerrte. Ein Grund, weshalb ihn einer seiner ersten Wege nach dem Frühstück immer zu seinem Wallach Sandokan führte. Sei es nun, wie hier an einem überdachten Ort oder aber auch draußen, wenn sie unterwegs waren: Es gab kaum eine Person, die es in den letzten Jahren geschafft hatte, dem Söldner so nahe zu kommen wie sein Schlachtross, auch wenn sich die Schlachten eher in Grenzen hielten. Vielmehr war das Tier, dessen Fell in den ersten Strahlen des hereinfallenden Sonnenlichts rötlich braun glänzte, sein treuster Weggefährte. Ein Geheimniswahrer und trostspendende Präsenz in dunklen Stunden. Schon von weitem meinte der Fraser das Schnauben und Prusten seines Tieres aus der Menge der anderen Pferde heraushören zu können. Wahrscheinlich war es pure Einbildung, aber es erfüllte Rowan dennoch mit einer gewissen Vorfreude. Das war auch der Grund, weshalb er seinen gewohnt eintönigen Haferschleim wie immer in Rekordzeit hinuntergeschlungen und damit dann auch schon den Speiseraum der Kaserne verlassen hatte. Viele seiner Kameraden – einige darunter kannte er bereits viele Jahre – hatten seiner Einschätzung nach ohnehin mehr Schlaf in den Augen als Haare auf dem Kopf gezeigt, weshalb er es tunlichst vermieden hatte, eine Unterhaltung zu beginnen. Wer mochte denn auch bitte schon gleich nach dem Aufwachen mit einer Flut aus Worten belagert werden? Er selbst ganz bestimmt nicht, schließlich suchte er sich, wenn er denn schon einmal in Begleitung war, einen der abgelegensten Sitzplätze, um selbst in Ruhe wach zu werden. Abends war das eine andere Geschichte, da konnte man ihn an Geselligkeit oft kaum übertreffen. Aber ein müder Fraser war nunmal ein grummeliger Fraser. Und ein grummeliger Fraser warf gern mit Dingen nach Menschen, die es nicht schafften, schnell genug wegzulaufen. <br />
<br />
In einer Hand einen rotbackigen Apfel jonglierend näherte sich der Braunhaarige der Box seines Tieres, ehe er abrupt stehen blieb, als sein Blick um die Ecke und damit auf eine zierliche Person fiel, die einem der Pferde gerade zart über den Nasenrücken strich. Leicht neigte er den Kopf, um die junge Frau genauer zu betrachten. So lange, bis er sich wirklich sicher war, wer da in weniger Entfernung vor ihm stand. Rowan hielt mit dem Spiel des Apfels in seiner Hand inne, ein leises Lächeln auf den Lippen, als er sich daran erinnerte wie genau diese Finger, die jetzt so vertraut und sanft mit dem Pferd umgingen, einst durch sein eigenes, halblanges Haar gestrichen waren. Fast schon kam es ihm vor als wäre dies zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort gewesen. <b>“Maebh.“</b> Nur ein Wort. Keine Frage, sondern eine Feststellung mit ruhiger Stimme und sanfter Mine, getragen von gemeinsamen, gestohlenen Momenten in der Vergangenheit. Ein Echo, das nachhallte und einst leere Räume mit Wärme und Vertrauen gefüllt hatte. <b>“Ich hatte nicht erwartet dich hier zu treffen. Aber du siehst aus, als wärst du genau da, wo du hingehörst, da wo du sein wolltest.“</b>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Als Rowan die Flügeltür zum Stall aufstieß, wehte ihm stickige Luft entgegen. Luft, die nach frischem Heu, warmen Pferdekörpern und dem einen oder anderen gerade herabgefallenen Pferdeapfel roch. Für den 31-Jährigen bedeutete dieser Duft ein Stück Heimat, ähnlich einer wohligen Decke, die sich an kalten Wintertagen um die Schultern legte und damit den eisigen Wind aussperrte, der an der Kleidung zog und zerrte. Ein Grund, weshalb ihn einer seiner ersten Wege nach dem Frühstück immer zu seinem Wallach Sandokan führte. Sei es nun, wie hier an einem überdachten Ort oder aber auch draußen, wenn sie unterwegs waren: Es gab kaum eine Person, die es in den letzten Jahren geschafft hatte, dem Söldner so nahe zu kommen wie sein Schlachtross, auch wenn sich die Schlachten eher in Grenzen hielten. Vielmehr war das Tier, dessen Fell in den ersten Strahlen des hereinfallenden Sonnenlichts rötlich braun glänzte, sein treuster Weggefährte. Ein Geheimniswahrer und trostspendende Präsenz in dunklen Stunden. Schon von weitem meinte der Fraser das Schnauben und Prusten seines Tieres aus der Menge der anderen Pferde heraushören zu können. Wahrscheinlich war es pure Einbildung, aber es erfüllte Rowan dennoch mit einer gewissen Vorfreude. Das war auch der Grund, weshalb er seinen gewohnt eintönigen Haferschleim wie immer in Rekordzeit hinuntergeschlungen und damit dann auch schon den Speiseraum der Kaserne verlassen hatte. Viele seiner Kameraden – einige darunter kannte er bereits viele Jahre – hatten seiner Einschätzung nach ohnehin mehr Schlaf in den Augen als Haare auf dem Kopf gezeigt, weshalb er es tunlichst vermieden hatte, eine Unterhaltung zu beginnen. Wer mochte denn auch bitte schon gleich nach dem Aufwachen mit einer Flut aus Worten belagert werden? Er selbst ganz bestimmt nicht, schließlich suchte er sich, wenn er denn schon einmal in Begleitung war, einen der abgelegensten Sitzplätze, um selbst in Ruhe wach zu werden. Abends war das eine andere Geschichte, da konnte man ihn an Geselligkeit oft kaum übertreffen. Aber ein müder Fraser war nunmal ein grummeliger Fraser. Und ein grummeliger Fraser warf gern mit Dingen nach Menschen, die es nicht schafften, schnell genug wegzulaufen. <br />
<br />
In einer Hand einen rotbackigen Apfel jonglierend näherte sich der Braunhaarige der Box seines Tieres, ehe er abrupt stehen blieb, als sein Blick um die Ecke und damit auf eine zierliche Person fiel, die einem der Pferde gerade zart über den Nasenrücken strich. Leicht neigte er den Kopf, um die junge Frau genauer zu betrachten. So lange, bis er sich wirklich sicher war, wer da in weniger Entfernung vor ihm stand. Rowan hielt mit dem Spiel des Apfels in seiner Hand inne, ein leises Lächeln auf den Lippen, als er sich daran erinnerte wie genau diese Finger, die jetzt so vertraut und sanft mit dem Pferd umgingen, einst durch sein eigenes, halblanges Haar gestrichen waren. Fast schon kam es ihm vor als wäre dies zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort gewesen. <b>“Maebh.“</b> Nur ein Wort. Keine Frage, sondern eine Feststellung mit ruhiger Stimme und sanfter Mine, getragen von gemeinsamen, gestohlenen Momenten in der Vergangenheit. Ein Echo, das nachhallte und einst leere Räume mit Wärme und Vertrauen gefüllt hatte. <b>“Ich hatte nicht erwartet dich hier zu treffen. Aber du siehst aus, als wärst du genau da, wo du hingehörst, da wo du sein wolltest.“</b>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The sky was fallin′ like a comet]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=737</link>
			<pubDate>Wed, 04 Jun 2025 15:19:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=22">Muirín Henaghen</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=737</guid>
			<description><![CDATA[Obwohl ihr Unterarm schon ganz gerötet war, weil sie sich so oft kniff, wachte sie trotzdem nicht auf. Dabei war sie sich sicher, dass dies ein schlechter Traum sein musste, denn ihr Leben hätte sich in den letzten Wochen nicht noch mehr ändern können. Nachdem ein Unbekannter Muiríns Vater von ihren Ausschweifungen berichtet hatte, war Alles ganz schnell gegangen. Sie selbst wurde nicht angehört. Wieso auch? Sie war schließlich nur eine Frau und außerdem schon lange vermeintlich auf der Suche nach einem Mann, den sie ehelichen konnte. Jedenfalls hatte sie das immer ihrem Vater und Bruder verkauft, dass es ihr wichtig wäre, selbst ihren Zukünftigen auszusuchen. Dass sie sich ranhielt, weil sie wusste, wie sehr es eilte. Sie war zu alt, um noch attraktiv für die Männer zu sein. Und wenn besagt Männer wüssten, womit sich die rothaarige Prinzessin in den letzten Monaten die Zeit vertrieben hatte, wäre ihr Alter ihr geringstes Problem. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie sich nicht wundern dürfen. Und trotzdem schmerzte sie es, ihr altes Leben nun hinter sich zu lassen. Seit gestern war sie in Kenmara, hatte fünf Tage mit der Kutsche ihrer Familie zurückgelegt, ehe sie in dem felsigen Fürstentum angekommen war. Und schon nach den ersten paar Minuten wäre sie am liebsten direkt wieder auf dem Absatz umgekehrt. Es war windig und kalt, immer wieder regnete es und peitschte der jungen Frau ihre eigenen Haare ins Gesicht, sodass sie kaum noch etwas sehen konnte. Es war furchtbar. Der dunkelgraue Stein, aus dem hier fast alles gehauen war, schien sie zu verpönen. Sie auszulachen. Ihr zu sagen, dass sie hier nicht her gehörte. Nichts an dieser Festung wirkte einladend. Nichts wirkte wie ein schönes und gemütliches zu Hause. Und trotzdem würde das hier fortan ihre Heimat sein. Das Fürstentum Kenmara, die Spitze der See. <br />
<br />
Nachdem sie sich gestern einer ausgiebigen Körperpflege gewidmet hatte, hat man sie für den heutigen Abend zum ersten gemeinsamen Abendessen mit der Familie Fraser eingeladen. Sie hatte keine Ahnung, wer alles dabei sein würde. Und sie interessierte es auch nicht. Sie wollte nicht hier sein. Alles in ihr sträubte sich dagegen das dunkelgrüne samtene Kleid anzuziehen, das man ihr bereit gelegt hatte. Der Schmuck an ihren Ohrläppchen und an ihrem Hals fühlte sich an, als wäre er mehrere Kilo schwer, wollte sie zu Boden ziehen und über ihr thronen. Die Schmerzen, während man ihr die verknoteten Haare bürstete, eine stete Erinnerung daran, was von nun an ihr Leben sein würde. Und jeder, der auch nur ein einziges Mal in seinem Leben Kontakt mit Muirín Henaghen gehabt hatte, würde wissen, wie sehr sie alles an diesem Drecksort hasste. Und wie sehr sich das auf ihre Laune auswirkte. Ja, sie war eine Prinzessin. Ja, sie hatte theoretisch gute Manieren. ABER sie hasste es, wenn über ihren Kopf hinweg bestimmt wurde. Wenn ihr Leben von anderen Menschen in die Hand genommen wurde. Und sie war viel zu impulsiv und leidenschaftlich, um darüber zu schweigen. Sie war ein Wildfang, kein zahmes Pony. Sie würde beißen und treten, bis man sie in Ruhe ließ. Sie würde sich wehren. Gegen all' das hier. Gegen dieses Leben und diese Witterungsbedingungen. Gegen einen Mann, der sie nicht einmal sehen konnte, weil er von Geburt an verkrüppelt war! Man hatte sie mit einem Prinzen verheiratet, der keinen Thronanspruch hatte! Muirín Henaghen sollte in zwei Tagen einen Mann heiraten, der mit ihrer Schönheit nichts würde anfangen können, außer man berichtete ihm davon. Sie war doch kein Kindermädchen! <br />
<br />
Die geröteten Wangen versuchte sie schweigsame Zofe mit etwas Puder zu überdecken, gab jedoch nach kurzer Zeit auf, nachdem die Prinzessin immer wieder schnaubend den Kopf weggedreht hatte. Ob sie hier jemals Freunde finden würde, wenn sie es sich selbst mit ihrer Zofe verscherzte? Doch darüber konnte sie im Moment nicht nachdenken, war viel zu sehr gefangen in ihrem eigenen Temperament, ihrer Wut und ihrer Trauer. <br />
<br />
So war es wenig verwunderlich, dass die sonst so elegante und charmante Prinzessin wie ein tosender Wirbelwind durch die hölzernen Türe stürmte, die den Eingang zum Speisesaal markierten und sich wortlos auf den ihr zugewiesenen Platz setzte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Obwohl ihr Unterarm schon ganz gerötet war, weil sie sich so oft kniff, wachte sie trotzdem nicht auf. Dabei war sie sich sicher, dass dies ein schlechter Traum sein musste, denn ihr Leben hätte sich in den letzten Wochen nicht noch mehr ändern können. Nachdem ein Unbekannter Muiríns Vater von ihren Ausschweifungen berichtet hatte, war Alles ganz schnell gegangen. Sie selbst wurde nicht angehört. Wieso auch? Sie war schließlich nur eine Frau und außerdem schon lange vermeintlich auf der Suche nach einem Mann, den sie ehelichen konnte. Jedenfalls hatte sie das immer ihrem Vater und Bruder verkauft, dass es ihr wichtig wäre, selbst ihren Zukünftigen auszusuchen. Dass sie sich ranhielt, weil sie wusste, wie sehr es eilte. Sie war zu alt, um noch attraktiv für die Männer zu sein. Und wenn besagt Männer wüssten, womit sich die rothaarige Prinzessin in den letzten Monaten die Zeit vertrieben hatte, wäre ihr Alter ihr geringstes Problem. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie sich nicht wundern dürfen. Und trotzdem schmerzte sie es, ihr altes Leben nun hinter sich zu lassen. Seit gestern war sie in Kenmara, hatte fünf Tage mit der Kutsche ihrer Familie zurückgelegt, ehe sie in dem felsigen Fürstentum angekommen war. Und schon nach den ersten paar Minuten wäre sie am liebsten direkt wieder auf dem Absatz umgekehrt. Es war windig und kalt, immer wieder regnete es und peitschte der jungen Frau ihre eigenen Haare ins Gesicht, sodass sie kaum noch etwas sehen konnte. Es war furchtbar. Der dunkelgraue Stein, aus dem hier fast alles gehauen war, schien sie zu verpönen. Sie auszulachen. Ihr zu sagen, dass sie hier nicht her gehörte. Nichts an dieser Festung wirkte einladend. Nichts wirkte wie ein schönes und gemütliches zu Hause. Und trotzdem würde das hier fortan ihre Heimat sein. Das Fürstentum Kenmara, die Spitze der See. <br />
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Nachdem sie sich gestern einer ausgiebigen Körperpflege gewidmet hatte, hat man sie für den heutigen Abend zum ersten gemeinsamen Abendessen mit der Familie Fraser eingeladen. Sie hatte keine Ahnung, wer alles dabei sein würde. Und sie interessierte es auch nicht. Sie wollte nicht hier sein. Alles in ihr sträubte sich dagegen das dunkelgrüne samtene Kleid anzuziehen, das man ihr bereit gelegt hatte. Der Schmuck an ihren Ohrläppchen und an ihrem Hals fühlte sich an, als wäre er mehrere Kilo schwer, wollte sie zu Boden ziehen und über ihr thronen. Die Schmerzen, während man ihr die verknoteten Haare bürstete, eine stete Erinnerung daran, was von nun an ihr Leben sein würde. Und jeder, der auch nur ein einziges Mal in seinem Leben Kontakt mit Muirín Henaghen gehabt hatte, würde wissen, wie sehr sie alles an diesem Drecksort hasste. Und wie sehr sich das auf ihre Laune auswirkte. Ja, sie war eine Prinzessin. Ja, sie hatte theoretisch gute Manieren. ABER sie hasste es, wenn über ihren Kopf hinweg bestimmt wurde. Wenn ihr Leben von anderen Menschen in die Hand genommen wurde. Und sie war viel zu impulsiv und leidenschaftlich, um darüber zu schweigen. Sie war ein Wildfang, kein zahmes Pony. Sie würde beißen und treten, bis man sie in Ruhe ließ. Sie würde sich wehren. Gegen all' das hier. Gegen dieses Leben und diese Witterungsbedingungen. Gegen einen Mann, der sie nicht einmal sehen konnte, weil er von Geburt an verkrüppelt war! Man hatte sie mit einem Prinzen verheiratet, der keinen Thronanspruch hatte! Muirín Henaghen sollte in zwei Tagen einen Mann heiraten, der mit ihrer Schönheit nichts würde anfangen können, außer man berichtete ihm davon. Sie war doch kein Kindermädchen! <br />
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Die geröteten Wangen versuchte sie schweigsame Zofe mit etwas Puder zu überdecken, gab jedoch nach kurzer Zeit auf, nachdem die Prinzessin immer wieder schnaubend den Kopf weggedreht hatte. Ob sie hier jemals Freunde finden würde, wenn sie es sich selbst mit ihrer Zofe verscherzte? Doch darüber konnte sie im Moment nicht nachdenken, war viel zu sehr gefangen in ihrem eigenen Temperament, ihrer Wut und ihrer Trauer. <br />
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So war es wenig verwunderlich, dass die sonst so elegante und charmante Prinzessin wie ein tosender Wirbelwind durch die hölzernen Türe stürmte, die den Eingang zum Speisesaal markierten und sich wortlos auf den ihr zugewiesenen Platz setzte.]]></content:encoded>
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