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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Wintergard - die Hauptstadt]]></title>
		<link>https://facingthestormchaptertwo.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestormchaptertwo.de]]></description>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 17:33:47 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[just a ghost with a beating heart]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=786</link>
			<pubDate>Tue, 15 Jul 2025 21:44:55 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=93">Lindgard Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=786</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Der Schlaf hatte Lindgard nicht gefunden, er hatte sie überwältigt. Heimlich, aus dem Hinterhalt, wie eine Natter im hohen Gras, als sie zu lange ins flackernde Licht der Feuerstelle gestarrt hatte. Vielleicht war es auch die Stille gewesen. Oder die Müdigkeit, die sich wie ein schwerer Schleier auf ihre Schultern gelegt hatte, während sie wach im Bett gelegen und dem Pochen ihres eigenen Herzens gelauscht hatte, wie damals als Kind, wenn die Ereignisse des Tages zu aufregend gewesen waren, um sie schlafen zu lassen. Vielleicht war es auch die Wärme gewesen, die sich durch die unzähligen Pelze über ihr in die Glieder geschlichen hatte, viel zu üppig, viel zu weich, fast wie eine Falle aus Gemütlichkeit. Oder es war schlicht die Erschöpfung gewesen, die sie übermannt hatte, als sie endlich sicher gewesen war, dass Jorin sie heute Nacht nicht mehr aufsuchen würde. Nicht aus Gleichgültigkeit, das wusste sie. Nein, Jorin war zu rücksichtsvoll, zu achtsam. Zu gut. Und genau das war es, was ihr so furchtbar leidtat. <br />
<br />
Sie hatte den Moment nicht registriert, in dem ihr die Augen zugefallen waren. Keine Erinnerung an einen letzten Gedanken, kein Bewusstsein, dass der Schlaf kam. Und so war es ein Absturz ins Nichts gewesen – ein kurzer, taumelnder Fall in einen dunklen, traumlosen Schlund. Zuerst. Doch dann hatte sie es gespürt. Das Knistern. Oder eher: das Fehlen davon. Kein Knistern mehr. Kein Flackern. Keine Wärme. Nur Dunkelheit. Zäh, erstickend, lautlos. So vollkommen lautlos, dass ihre Sinne begannen, Dinge zu hören, die nicht da waren. Schwere Schritte. Grunzende, erregte Atemzüge. Das grobe Schaben von Stiefeln auf gefrorenem Waldboden. Und plötzlich war alles wieder da – nicht wie eine Erinnerung, sondern wie ein Fallen in eine Zeit, die nicht vergangen war. Nicht für sie.<br />
<br />
Sie lag da, gefangen in ihren eigenen Gedanken. Wach genug, um zu wissen, dass sie schlief, aber nicht mit genug Bewusstsein, um sich zu bewegen. Ein bleiernes Gewicht legte sich auf ihre Brust – vielleicht das schwere Fell, vielleicht ihre eigene Panik – und ihre Lider blieben wie zugenäht. Selbst das Zittern ihrer Glieder spürte sie nur dumpf, als wären sie nicht mehr Teil von ihr.<br />
<br />
Dann dieser grobe Stoff, der an ihrer zarten Gesichtshaut rieb. Wie damals. Der Leinensack, sie roch ihn – feucht, modrig, mit einem Hauch von altem Metall. Sie hörte das schmutzige Gelächter, spürte, wie Hände über sie glitten. Rau. Fremd. Gierig. Ihr Mund war trocken, der damalige Schrei heute nur Wimmern tief in ihrer Kehle. Ihre Brust hob und senkte sich zu schnell. Die Kälte des eiskalten Waldbodens, der Gedanke, den Fremden ausgeliefert, entblößt zu sein ... die Erinnerungen waren so präsent, so greifbar, dass sie erstickt aufschluchzte. Zuerst leise, dann lauter. Der gellende Schrei brach aus ihr hervor, ehe sie ihn unterdrücken konnte – roh und keuchend, das Geräusch eines gehetzten Tieres, das aus dem Schlaf gerissen wird.<br />
<br />
Und dann war da diese Gestalt. Vor ihrem Bett. In der Finsternis. Hochgewachsen, breitschultrig. Eine Silhouette nur, doch in ihrem panischen Zustand war das Bild längst vervollständigt: Es war einer von ihnen. Wieder einer von ihnen. Wimmernd fuhr ihre Hand zur Seite. Ihr Dolch, wo war ihr Dolch? Er war immer da gewesen – unter ihrem Kissen, in Reichweite. Doch jetzt war da nur das Fell, nur Leere. Ihre Finger tasteten, krallten sich in weiches Leinen, während sie zurückwich, tiefer ins Bett hinein, das viel zu groß war, viel zu leer. Viel zu fremd.  Ihre Stimme war nur ein Flüstern, gebrochene, unverständliche Worte, ihre Kehle rau vom Schreien, das zu eine Krächzen verebbt war.<br />
<br />
Dann – eine Lichtquelle – blass, golden und zögerlich. Ein Hauch von Flamme, irgendwo neben dem Bett. Und mit dem Licht: ein Gesicht. Weder fremd noch feindlich, vielmehr vertraut. Jorin. Ein Keuchen entwich ihren Lippen, doch nicht aus Erleichterung. Es war vielmehr die Erkenntnis, von was genau er just Zeuge geworden sein muss, die auf Lindgards Seele schlug wie eine Axt auf gefrorenes Holz.<br />
<br />
Sein Blick wirkte verwirrt, vielleicht sogar besorgt. Ihre Brust hob und senkte sich viel zu schnell, der Schweiß hatte ihr das hellblonde Haar an die Schläfen geklebt, und ihre Wangen glänzten von Tränen, die sie nicht bewusst vergossen hatte. Dann das Bewusstsein ihres Körpers: das dünne Nachtgewand, das Frigga ihr hatte anlegen lassen – aus fließendem, dunklem Leinen, tief ausgeschnitten, fast durchsichtig, mit zarten Stickereien entlang der Kante, die kaum etwas verhüllten. Ihre Schultern waren nackt, ebenso wie ihre Schenkel, über die der Stoff sich nur lose legte. Sie fühlte sich bloßgestellt. Nein, entblößt. Nicht durch ihn – nicht durch Jorin – ondern durch sich selbst, durch diese Nacht. Durch die Albträume, durch das Zittern, durch das Unvermögen, endlich so zu sein, wie man es von ihr erwartete.<br />
<br />
Ihr Blick suchte seinen. Fand ihn einen Herzschlag lang, nur um ihn nicht halten zu können. Ihre Lippen bebten, ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Scham, Angst und einem bitteren, brechendem Stolz. Sie öffneten sich, doch kein Wort kam über sie. Lindgard wollte sich aufrichten, sich sittsam bedecken, doch der Schwindel kam zu schnell. Ihre Finger gruben sich in das Fell und zogen es mühsam über ihren spärlich bedeckten Körper. Sie lebte, das musste reichen. Doch in ihrem Innersten pochte nur die Gewissheit, dass ihr Ehemann so viel mehr verdient hatte als diesen Schatten einer Gemahlin.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Der Schlaf hatte Lindgard nicht gefunden, er hatte sie überwältigt. Heimlich, aus dem Hinterhalt, wie eine Natter im hohen Gras, als sie zu lange ins flackernde Licht der Feuerstelle gestarrt hatte. Vielleicht war es auch die Stille gewesen. Oder die Müdigkeit, die sich wie ein schwerer Schleier auf ihre Schultern gelegt hatte, während sie wach im Bett gelegen und dem Pochen ihres eigenen Herzens gelauscht hatte, wie damals als Kind, wenn die Ereignisse des Tages zu aufregend gewesen waren, um sie schlafen zu lassen. Vielleicht war es auch die Wärme gewesen, die sich durch die unzähligen Pelze über ihr in die Glieder geschlichen hatte, viel zu üppig, viel zu weich, fast wie eine Falle aus Gemütlichkeit. Oder es war schlicht die Erschöpfung gewesen, die sie übermannt hatte, als sie endlich sicher gewesen war, dass Jorin sie heute Nacht nicht mehr aufsuchen würde. Nicht aus Gleichgültigkeit, das wusste sie. Nein, Jorin war zu rücksichtsvoll, zu achtsam. Zu gut. Und genau das war es, was ihr so furchtbar leidtat. <br />
<br />
Sie hatte den Moment nicht registriert, in dem ihr die Augen zugefallen waren. Keine Erinnerung an einen letzten Gedanken, kein Bewusstsein, dass der Schlaf kam. Und so war es ein Absturz ins Nichts gewesen – ein kurzer, taumelnder Fall in einen dunklen, traumlosen Schlund. Zuerst. Doch dann hatte sie es gespürt. Das Knistern. Oder eher: das Fehlen davon. Kein Knistern mehr. Kein Flackern. Keine Wärme. Nur Dunkelheit. Zäh, erstickend, lautlos. So vollkommen lautlos, dass ihre Sinne begannen, Dinge zu hören, die nicht da waren. Schwere Schritte. Grunzende, erregte Atemzüge. Das grobe Schaben von Stiefeln auf gefrorenem Waldboden. Und plötzlich war alles wieder da – nicht wie eine Erinnerung, sondern wie ein Fallen in eine Zeit, die nicht vergangen war. Nicht für sie.<br />
<br />
Sie lag da, gefangen in ihren eigenen Gedanken. Wach genug, um zu wissen, dass sie schlief, aber nicht mit genug Bewusstsein, um sich zu bewegen. Ein bleiernes Gewicht legte sich auf ihre Brust – vielleicht das schwere Fell, vielleicht ihre eigene Panik – und ihre Lider blieben wie zugenäht. Selbst das Zittern ihrer Glieder spürte sie nur dumpf, als wären sie nicht mehr Teil von ihr.<br />
<br />
Dann dieser grobe Stoff, der an ihrer zarten Gesichtshaut rieb. Wie damals. Der Leinensack, sie roch ihn – feucht, modrig, mit einem Hauch von altem Metall. Sie hörte das schmutzige Gelächter, spürte, wie Hände über sie glitten. Rau. Fremd. Gierig. Ihr Mund war trocken, der damalige Schrei heute nur Wimmern tief in ihrer Kehle. Ihre Brust hob und senkte sich zu schnell. Die Kälte des eiskalten Waldbodens, der Gedanke, den Fremden ausgeliefert, entblößt zu sein ... die Erinnerungen waren so präsent, so greifbar, dass sie erstickt aufschluchzte. Zuerst leise, dann lauter. Der gellende Schrei brach aus ihr hervor, ehe sie ihn unterdrücken konnte – roh und keuchend, das Geräusch eines gehetzten Tieres, das aus dem Schlaf gerissen wird.<br />
<br />
Und dann war da diese Gestalt. Vor ihrem Bett. In der Finsternis. Hochgewachsen, breitschultrig. Eine Silhouette nur, doch in ihrem panischen Zustand war das Bild längst vervollständigt: Es war einer von ihnen. Wieder einer von ihnen. Wimmernd fuhr ihre Hand zur Seite. Ihr Dolch, wo war ihr Dolch? Er war immer da gewesen – unter ihrem Kissen, in Reichweite. Doch jetzt war da nur das Fell, nur Leere. Ihre Finger tasteten, krallten sich in weiches Leinen, während sie zurückwich, tiefer ins Bett hinein, das viel zu groß war, viel zu leer. Viel zu fremd.  Ihre Stimme war nur ein Flüstern, gebrochene, unverständliche Worte, ihre Kehle rau vom Schreien, das zu eine Krächzen verebbt war.<br />
<br />
Dann – eine Lichtquelle – blass, golden und zögerlich. Ein Hauch von Flamme, irgendwo neben dem Bett. Und mit dem Licht: ein Gesicht. Weder fremd noch feindlich, vielmehr vertraut. Jorin. Ein Keuchen entwich ihren Lippen, doch nicht aus Erleichterung. Es war vielmehr die Erkenntnis, von was genau er just Zeuge geworden sein muss, die auf Lindgards Seele schlug wie eine Axt auf gefrorenes Holz.<br />
<br />
Sein Blick wirkte verwirrt, vielleicht sogar besorgt. Ihre Brust hob und senkte sich viel zu schnell, der Schweiß hatte ihr das hellblonde Haar an die Schläfen geklebt, und ihre Wangen glänzten von Tränen, die sie nicht bewusst vergossen hatte. Dann das Bewusstsein ihres Körpers: das dünne Nachtgewand, das Frigga ihr hatte anlegen lassen – aus fließendem, dunklem Leinen, tief ausgeschnitten, fast durchsichtig, mit zarten Stickereien entlang der Kante, die kaum etwas verhüllten. Ihre Schultern waren nackt, ebenso wie ihre Schenkel, über die der Stoff sich nur lose legte. Sie fühlte sich bloßgestellt. Nein, entblößt. Nicht durch ihn – nicht durch Jorin – ondern durch sich selbst, durch diese Nacht. Durch die Albträume, durch das Zittern, durch das Unvermögen, endlich so zu sein, wie man es von ihr erwartete.<br />
<br />
Ihr Blick suchte seinen. Fand ihn einen Herzschlag lang, nur um ihn nicht halten zu können. Ihre Lippen bebten, ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Scham, Angst und einem bitteren, brechendem Stolz. Sie öffneten sich, doch kein Wort kam über sie. Lindgard wollte sich aufrichten, sich sittsam bedecken, doch der Schwindel kam zu schnell. Ihre Finger gruben sich in das Fell und zogen es mühsam über ihren spärlich bedeckten Körper. Sie lebte, das musste reichen. Doch in ihrem Innersten pochte nur die Gewissheit, dass ihr Ehemann so viel mehr verdient hatte als diesen Schatten einer Gemahlin.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[the weight of things to come]]></title>
			<link>https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=715</link>
			<pubDate>Sat, 12 Apr 2025 15:14:00 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestormchaptertwo.de/member.php?action=profile&uid=153">Veith Alvarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestormchaptertwo.de/showthread.php?tid=715</guid>
			<description><![CDATA[Der Morgen kam nicht mit Licht, sondern mit einem leisen Knacken im gefrorenen Holz der Baracken und dem silbrigen Knirschen von Schnee unter schweren Stiefeln. In Norsteading herrschte der Winter wie ein sturer, alter König und er regierte das ganze Jahr. Der Himmel war bleigrau, kein Sonnenstrahl war zu sehen und der Atem hing den Männern wie Nebelschleier vor dem Gesicht. Veith Alvarsson betrat durch das knarzende Tor den Burghof, wo der Schnee in flachen Böen über den gestampften Boden trieb. Die Luft roch nach kaltem Eisen, feuchtem Leder und dem harzigen Rauch der Schmiede, aus der man die fernen Hammerschläge hörte. Der Krieger trat an den Wachen vorbei, die träge in ihren mit Pelz gehüllten Umhängen dastanden und dem Ende ihres Diensts entgegenfieberten und blieb inmitten des Hofs stehen. <br />
<br />
Vor ihm lagen die neuen Waffen, sorgfältig ausgelegt auf einem groben Tuch, das schon dunkle Spuren von altem Blut und frischem Öl trug. Schwerter, Äxte, Speere, jede Klinge war noch jung, ohne Kerben und ohne Geschichten. Veith kniete sich hin, der Schnee knirschte protestierend unter seinem Gewicht. Mit einer Ruhe, die mehr über ihn sagte als Worte es konnten, nahm er ein Langschwert in die Hand. Der Stahl war gut. Nicht glänzend, aber ehrlich. Der Schwerpunkt lag genau dort, wo er ihn spüren wollte. Der Schmied hatte sich nicht mit Prunk oder Firlefanz aufgehalten, aber das war in Ordnung. Heute ging es mehr darum, die Arbeit des Schmieds im Hinblick auf eine größere Lieferung zu bewerten und herauszufinden, ob die Waffen sich im Kampf bewähren konnten. Die Schmiede Norsteadings waren zwar keine Künstler, wenn es darum ging, sich auf aufwendige Verzierungen und kunstvolle Details zu konzentrieren, doch sie produzierten gute, solide Waffen, die im Kampf gegen andere Krieger oft überlegen waren und darauf kam es letzten Endes auch an.<br />
<br />
Er legte das Schwert zurück und prüfte das nächste. Langsam arbeitete er sich durch die Reihe, nahm jede Klinge in die Hand, prüfte sie im Gewicht, in der Führung, im Klang. Hinter ihm öffnete sich abermals das Tor und Veiths Stimmung hob sich ein wenig. Er hatte Halger schon früher erwartet, doch wusste er nur zu gut, dass der stämmige, rothaarige Nordmann eine ausgesprochene Schwäche für ausgedehnte Saufgelage hatte und da diese in den Tavernen von Wintergard beinahe so regelmäßig stattfanden wie der Schneefall, wunderte sich Veith längst nicht mehr über eine verspätete Ankunft seines Freundes. Veith sprach, ohne aufzusehen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich habe dich früher erwartet</span>“, sagte er, während sein Blick bereits zum nächsten Schwert wanderte. Er hob es an, drehte es prüfend in der Hand, spürte abermals den Schwerpunkt und warf dem Neuankömmling dann einen kurzen Seitenblick zu.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Ist es gestern wieder spät geworden?“</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Morgen kam nicht mit Licht, sondern mit einem leisen Knacken im gefrorenen Holz der Baracken und dem silbrigen Knirschen von Schnee unter schweren Stiefeln. In Norsteading herrschte der Winter wie ein sturer, alter König und er regierte das ganze Jahr. Der Himmel war bleigrau, kein Sonnenstrahl war zu sehen und der Atem hing den Männern wie Nebelschleier vor dem Gesicht. Veith Alvarsson betrat durch das knarzende Tor den Burghof, wo der Schnee in flachen Böen über den gestampften Boden trieb. Die Luft roch nach kaltem Eisen, feuchtem Leder und dem harzigen Rauch der Schmiede, aus der man die fernen Hammerschläge hörte. Der Krieger trat an den Wachen vorbei, die träge in ihren mit Pelz gehüllten Umhängen dastanden und dem Ende ihres Diensts entgegenfieberten und blieb inmitten des Hofs stehen. <br />
<br />
Vor ihm lagen die neuen Waffen, sorgfältig ausgelegt auf einem groben Tuch, das schon dunkle Spuren von altem Blut und frischem Öl trug. Schwerter, Äxte, Speere, jede Klinge war noch jung, ohne Kerben und ohne Geschichten. Veith kniete sich hin, der Schnee knirschte protestierend unter seinem Gewicht. Mit einer Ruhe, die mehr über ihn sagte als Worte es konnten, nahm er ein Langschwert in die Hand. Der Stahl war gut. Nicht glänzend, aber ehrlich. Der Schwerpunkt lag genau dort, wo er ihn spüren wollte. Der Schmied hatte sich nicht mit Prunk oder Firlefanz aufgehalten, aber das war in Ordnung. Heute ging es mehr darum, die Arbeit des Schmieds im Hinblick auf eine größere Lieferung zu bewerten und herauszufinden, ob die Waffen sich im Kampf bewähren konnten. Die Schmiede Norsteadings waren zwar keine Künstler, wenn es darum ging, sich auf aufwendige Verzierungen und kunstvolle Details zu konzentrieren, doch sie produzierten gute, solide Waffen, die im Kampf gegen andere Krieger oft überlegen waren und darauf kam es letzten Endes auch an.<br />
<br />
Er legte das Schwert zurück und prüfte das nächste. Langsam arbeitete er sich durch die Reihe, nahm jede Klinge in die Hand, prüfte sie im Gewicht, in der Führung, im Klang. Hinter ihm öffnete sich abermals das Tor und Veiths Stimmung hob sich ein wenig. Er hatte Halger schon früher erwartet, doch wusste er nur zu gut, dass der stämmige, rothaarige Nordmann eine ausgesprochene Schwäche für ausgedehnte Saufgelage hatte und da diese in den Tavernen von Wintergard beinahe so regelmäßig stattfanden wie der Schneefall, wunderte sich Veith längst nicht mehr über eine verspätete Ankunft seines Freundes. Veith sprach, ohne aufzusehen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich habe dich früher erwartet</span>“, sagte er, während sein Blick bereits zum nächsten Schwert wanderte. Er hob es an, drehte es prüfend in der Hand, spürte abermals den Schwerpunkt und warf dem Neuankömmling dann einen kurzen Seitenblick zu.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Ist es gestern wieder spät geworden?“</span>]]></content:encoded>
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